Nicht zu retten.

Wir sind in einer erbärmlichen Lage. Wir alle haben die Sätze im Ohr, die vor einem Jahr so oft gefallen sind: „Wenn der Spielbetrieb nicht bald wieder aufgenommen wird, steht Schalke am Abgrund.“

Der Spielbetrieb wurde aufgenommen, und Schalke ist trotzdem am Abgrund. Schlimmer, als man es sich hätte vorstellen können. Die Club-Verantwortlichen agieren offenbar kopflos, die Fans tun es ihnen gleich.

Jeder will irgendwas, jeder macht irgendwas. Der nächste konzeptlose Umbruch steht an. Diesmal aber nicht nur auf sportlicher Basis. Dem dringenden Handlungsbedarf, welcher unübersehbar ist, stehen unfassbar viele bürokratische Hürden entgegen.

Der Aufsichtsrat besteht traurigerweise – entgegen den jüngsten Behauptungen in einem Schreiben von Clemens Tönnies an die Sportschau – eben nicht nur aus gewählten Mitgliedern. Und dank der jüngsten Rücktritte und den Nachrücker fast überhaupt nicht mehr.

Wenn man dann noch bedenkt, dass auch noch andere an den Sitzungen teilnehmen, wie ein Vertreter des Ehrenrats, muss man sich nicht wundern, dass es laufend zu Indiskretionen kommt, die die Presse unmittelbar ins Bild setzen.

Das ewige Kuscheln mit dem Boulevard, und als Höhepunkt, das Einsetzen eines BILD-Redakteurs als Pressesprecher, ist einfach nur noch peinlich und ruiniert Schalkes Ruf.

Anträge, die auf dieser MV solche Missstände aufheben können sollten, wurden abgelehnt. Natürlich. Das wichtige Kontrollgremium handelt seit Jahren nicht im Sinne der Mitglieder.

Und bei all diesem Chaos ist es Fans nicht möglich, bei Spielen Flagge zu zeigen, sich zu treffen, sich auszutauschen und spürbare Aktionen zu initiieren. Stattdessen werden Mittel gesucht, die zur Verfügung stehen, aber wohl einfach verpuffen dürften, weil wir in einem – was die Onlinewelt angeht – äußerst rückständigen Land leben.

Am 13.06. wird vermutlich eine Online-MV stattfinden. Dass dies in einer – vor allem auch technischen – Vollkatastrophe endet und Schalke vermutlich das nächste Armutszeugnis ausgestellt werden wird, ist abzusehen.

Schalke hat den Totalschaden. Auf allen Ebenen. Nicht mal der Vereinsexit könnte dies in der momentanen wirtschaftlichen Situation in Pandemiezeiten ändern. Eventuelle Investoren kämpfen sich gerade durch die eigene Krise. Falscher könnte ein Zeitpunkt für so einen Schritt nicht sein.

Wir haben diesen Totalschaden, weil wir jahrelang eine ‚Scheissegal, solang der Ball rollt‘ Einstellung hatten. Weil wir Tönnies, Peters und dem Mann aus Fulda die Lügen immer wieder abgenommen haben, die sie schamlos und unerlässlich auf die Mitglieder los liessen. Über Schuldenfreiheit, Einnahmensteigerungen und planvollem Handeln.

Und dann keimt die Hoffnung auf, dass sich dies endlich ändern könnte. Dass die Leute nun aufwachen, um den Verein aus den Fängen dieser Egomanen zu befreien.

Doch diese Hoffnung stirbt von einem Moment auf den anderen, wenn man sieht, dass ein Halbsatz in der Presse schon reicht, um einen Personenkult um jemanden auszulösen, dessen Motive nie wirklich kommuniziert wurden. Weil er mal ein guter Trainer auf Schalke war. Als dieser absagte, forderte man einen pauschalen Rücktritt des AR. In dem unter anderen jemand sitzt, der mal ein sehr guter Trainer auf Schalke war. Differenziert wird nicht.

Und es ist klar: Der nächste, der kommt, sich gut verkauft und behauptet einen Plan zu haben wird ein einfaches Spiel haben. Hinterfragen scheint überflüssig. Da haben wir keine Zeit für.

Wir werden ziemlich sicher in die nächste Scheisse reiten. Und werden dann wieder mit dem Finger auf die zeigen, die es dann verbockt haben. Die dann plötzlich nicht mehr der Messias sind, zu dem wir sie gemacht haben.

Was wir aber wieder nicht tun werden: Merken, dass das unsere Scheisse war. Nachdenken, wie wir es besser machen könnten. Warum auch, wenn man andere in die Verantwortung heben und dann Schuldig machen kann.

Eine Petition zu erstellen, die einen Mann fordert, der die Probleme regelt, ist kein Engagement für einen Verein.

Versuchen, die Probleme zu lösen, ist Engagement für einen Verein. Und damit möchte ich nicht sagen, dass es Scheisse ist, eine Petition zu machen, sondern anregen, darüber nachzudenken, ob ihr den Verein wirklich wieder aus der Hand geben wollt.

Vielleicht brauchen wir keine starken Männer und Frauen oder große Namen. Vielleicht brauchen wir sogar ein viel kleineres Schalke. Aber eins, das wieder uns gehört. Eins, bei dem wir uns an die eigene Nase fassen müssen und können, wenn etwas schief läuft. Eins, mit dem wir uns voll identifizieren können.

Schalke ist am Arsch. Und kann nicht mehr gerettet werden. Von niemandem. Es muss neu aufgebaut werden. Von UNS. Langsam. Besonnen. Und vor allem Gemeinsam.

Wir brauchen keine(n) Retter. Wir brauchen Zusammenhalt, ein dickes Fell und Geduld. JETZT! Es ist unsere letzte Chance als e.V.

Andreas
Letzte Artikel von Andreas (Alle anzeigen)