Mein Jahr 2020

Dieses Jahr war ein ziemlich Grausames. Ja, auch wegen Schalke. Und, ja, auch wegen der Pandemie. Aber das sind beides für mich persönlich nur Nebenspielstätten.

Direkt an Tag 1 des Jahres ging es steil bergab mit mir. Eine chronische Krankheit, welche mich schon seit meiner Jugend begleitet, hat ein neues Level erreicht, mich für viele Wochen ausgeknockt und anschließend in die Isolation getrieben.

Also nicht wirklich so ganz, schliesslich habe ich meine Familie und auch immer noch sporadischen Kontakt zu einigen wenigen Freunden, aber im grossen und ganzen kann ich sagen: Ich telefoniere kaum, ich treffe mich nicht mit irgendwem und ich habe auch keine schriftlichen Kontakte über ein Mindestmaß hinaus.

Ich antworte oft nicht oder erst sehr spät auf Nachrichten und Mails, ich vergesse Geburtstage und vieles mehr und ich kriege einfachste alltägliche Dinge nicht mehr so hin, wie ich es gewohnt bin. Geschweige denn etwas anderes. Ich glaube, die Anzahl der Tage, die ich in diesem Jahr arbeiten war, übersteigt nicht zwingend Schalkes gesammelten Punkten im gleichen Zeitraum.

Ich habe eine neue Handynummer und eine neue Adresse und habe sie nur sehr wenigen Menschen mitgeteilt. Viele wirklich liebe Menschen sind auf der Strecke geblieben. Aber es ist mir alles zu viel. Zu unübersichtlich. Zu groß. Ich muss meine Kreise leider so klein wie möglich ziehen, um nicht völlig überfordert zu sein. Ich habe sehr vielen Menschen vor den Kopf stossen müssen. Und das tut gerade bei Menschen, die mir in meiner Vergangenheit sehr geholfen haben sehr weh.

Ich trage nun einen Schwerbehindertenausweis bei mir. Das ist nicht schlimm. Schlimm ist hingegen die aktuelle Perspektivlosigkeit und die frage, ob es mir je wieder so gut gehen wird, dass ich einige der oben genannten Dinge wieder hinbekomme. Arbeiten gehen zum Beispiel. Denn ich liebe meinen aktuellen Job und eigentlich konnte ich immer sehr viel Kraft daraus ziehen.

In Bezug auf Schalke hat diese Situation jedoch auch ihr Gutes: Der offenbare Niedergang des Vereins hätte mich in jeder anderen Zeit mehr getroffen als jetzt. Ich habe kaum Energie mich mit Schalke zu beschäftigen oder gar auseinanderzusetzen.

Ein skurriler Fakt, dass es ein Weihnachtstelefonat mit einem Familienmitglied brauchte, damit ich erfahre, wer unser neuer Trainer ist.

2020 war ein Kackjahr. Für mich, für meine Familie, für das Web 0.4, für Schalke, für den Fußball, und eigentlich für alle der wenigen Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe. Vielleicht sogar aufgrund der Gegebenheiten für fast alle anderen auch.

Ich hoffe es wird 2021 wieder heller. Für uns alle.

Andreas
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