Das Prinzip Hoffnung

Der Schalker Riese wankt, aber am Berger Feld brennt noch Licht. Doch durch das faszinierende Königsblau schimmert aber auch immer mal wieder eine rote Laterne durch – und das auf allen Ebenen. Ernüchternd muss man leider feststellen, dass das die finanziellen, sportlichen und vereinsstrukturellen Geister sind, die man seit Jahren rief. Sportlich, wirtschaftlich und kommunikativ sind wir da angekommen, wo wir definitiv nicht hingehören: Im dunklen Tabellenkeller.

Sicherlich fehlen uns Zuschauer- und Cateringeinnahmen und diverse andere Einnahmequellen. Corona ist nicht von der Hand zu weisen, ganz klar. In erster Linie fehlen uns aber erst einmal – wie in den vergangenen Jahren auch – ganz andere Dinge: Ein tragfähiges Zukunftskonzept, vereinspolitische Transparenz und die Hoffnung, dass bei uns noch handelnde Protagonisten am Werk sind, die bei dem ganzen Chaos und bei unserem finanziellen Druck die richtigen Entscheidungen treffen und den vereinsübergreifenden Überblick behalten. Personen, die das Leitbild leben und für die dazugehörigen Werte einstehen. Personen, die im Verein nicht mehr nur auf das Prinzip Hoffnung setzen und auf neue Wetten verzichten. Denn diesen Spielraum besitzen wir mittlerweile nicht mehr. Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

Hat die Schalker Basis anfänglich noch zurückhaltend abgewartet wie sich der Verein – nach Clemens Tönnies – neu sortiert und aufstellt, stellt man aktuell mal wieder fest, dass sich auf der vereinspolitischen Ebene anscheinend nichts Gravierendes verändert hat. Die versprochene Transparenzoffensive gab es bisher nur auf der Münchner Tribüne. Selbst im aktuellen Vereinsorgan, dem Schalker Kreisel, ist man mit keiner Silbe auf die markanten letzten Wochen und Monate eingegangen. Eine Mitgliederversammlung findet aus den bekannten Corona-Gründen nicht statt. Wichtige Fragen der Mitglieder und noch wichtigere Antworten der Vereinsführung bleiben aktuell offen – eine allg. konstruktive Aussprache existiert nicht.

Schalke muss eine Mammutaufgabe stemmen, dabei aber auch professionelle Lösungen und eine nachhaltige Konzeption anbieten. Diverse Vereine und Mannschaften schaff(t)en es ebenfalls zum wiederholten Mal besser abzuschneiden, als es der finanzielle Gehaltsrahmen vorgibt. Sie schaffen es, eine Nachhaltigkeit und eine Entwicklung voranzutreiben, wo man ein Konzept und ein System erkennen kann. Wo man unschwer erkennt, wofür der Verein, die Mannschaft, die sportliche Leitung und der Vorstand stehen. Wo man Synergien bündelt und gemeinsam eine Philosophie entwickelt. Positive Beispiele – auch außerhalb der dauerhaften Spitzenclubs – gibt es in der Liga einige. Man erkennt einfach und relativ schnell, wohin die Reise geht. Diese massive Bündelung unserer immensen Stärke entgeht uns seit Jahren. Wir bekommen diese Stahlkraft einfach nicht auf die Schalker Meile. Das fängt bei der morbiden „Mannschaft“ an und endet in diversen Gremien und Vorstandsebenen.    

Der blauweiße Wettschein der letzten Jahre ist nun endgültig im Papierschredder angekommen und mittlerweile wurden schon einige der ostwestfälischen Papierkörbe geleert – wobei die königsblaue Reinigungskraft anscheinend immer noch nicht in jeder Etage angekommen ist. Der Club muss sich endlich neu aufstellen. Sicherlich wird man einen guten Mittelweg zwischen Ruhe und Transparenz finden müssen. Es stehen schwere Zeiten an und der Weg wird steinig sein. Eine Optimallösung wird es nicht geben, das ist auch der unruhigen Basis bewusst. Eine etwaige Ausgliederung ist kein Allheilmittel, wenn der Verein nicht stabil und zukunftsorientiert aufgestellt ist. Wenn man jetzt keinen nachhaltigen und perspektivischen Weg einschlägt, dann steht auf Schalke bald die letzte Seilfahrt an. Das fragile Kartenhaus wankt und der blauweiße Gegenwind nimmt täglich zu.

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