Danke Clemens!

Ja, das meine ich tatsächlich ernst. Wer meine Texte liest, wird schnell merken, dass ich noch nie zu Clemens Freunden gehörte. Allerspätestens seit dem letzten August würde ich mich auch selbst als Tönnies-Gegner bezeichnen, da ich – hier, in den sozialen Netzwerken sowie in vielen persönlichen Gesprächen- aktiv Stellung gegen den nun ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden bezogen habe. Ich bin also das, was die Gruppe „Pro CT“ als „Hater“ bezeichnen würde. Geschenkt.

Es ist also kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ich mich über den Rücktritt freue. Und ihm dennoch dankbar bin. Für diesen Rücktritt. Dass er nun endlich selbst die Notbremse gezogen hat. Ein „weiter so“ wäre auch kaum möglich gewesen.

Aber natürlich gebührt ihm auch ein gewisser Dank für seinen Einsatz im Verein, den er sicherlich nicht weniger liebt als ich. So fair sollte man sein. Ich glaube, dass er selbst das, was er in den letzten Jahren für den Verein getan hat, mit voller Überzeugung für das richtige für Schalke 04 hielt. Und ich glaube, dass er Schalker ist. ohne wenn und aber. Dies war aber – ganz nebenbei- auch noch nie Gegenstand der Kritik, die ihm entgegengebracht wurde.

Kritik verdiente er sich in den letzten Jahren für immer wieder haarsträubende Entscheidungen. Für Auftritte, die zum fremdschämen waren. Für lautes Denken, für geschriebene SMS.

Für Seilschaften und Netzwerke, die sich quer durch die Gremien des Vereins ziehen. Und für schlechten bis skandalösen Umgang mit Kritikern des „System CT“. Für erzwungene Suspendierungen.

Für Mitgliederversammlungen, die durch Vorkaufsrechte und möglichs Spielerfotos zu einem Event gepusht werden, weil er Angst hatte, er könne seine Macht verlieren. Oder auf denen wichtige Aussprachen und Vorstellungen von Kandidaten durch seine Macht am Mikro im Keim erstickt werden (Wir wollen doch alle gleich Fußball gucken!).   

Für im Krieg gefallene Spieler, die als Wiederwahl-Werbemittel („Ich habe ein Flugzeug“) eingesetzt werden. Für unbedachte Aussagen zu Spielertransfers, die den Verein sicherlich die ein oder andere Million gekostet haben. Für die Nähe zur Bild-Zeitung und die immer wieder dort auftauchenden Interna.

Für Stefan Effenberg. Für rassistische Aussagen, hier vor allem mit der  „Verurteilung“ durch den Ehrenrat, die zum bis heute unkommentierten Rücktritt der erst kurz zuvor gewählten Kornelia Toporzysek führte, der Verkündung dieser „Verurteilung“ sowie der Inszenierung der Rückkehr, die auch zu Ostern in der Kirche hätte spielen können. Für Härtefallanträge, für Entlassungen von 450 Euro Kräften. Für das Einbehalten der Derbykohle, die der BVB schon längst erstattet hat. Und und und. Je länger man nachdenkt, desto länger wird die Liste.

Wer nun den FC Schalke von außen betrachtet wird denken: „Häh? Das hat er doch nicht alles zu verantworten. Da gibt es doch eine Menge anderer Leute für diese Aufgaben.“ Richtig. Und doch wieder falsch. Ich glaube, bei jeder Entscheidung von gewisser Tragweite hatte Clemens seine Finger im Spiel. Und wenn man ihn mal überging, oder aber die Gefahr bestand, dass ein anderer die Machtverhältnisse im Club verändern könnte, wurde halt der Kumpel Alfred Draxler angerufen. So weit, so schlecht. Aber wohl wahr. Wenn es gut lief, stand der Clemens in Reihe eins. Lief es schlecht, waren andere schuld. Viele Leute haben sich vom S04 abgewandt. Darunter viele Mitglieder, die voller Tatendrang waren und immer wieder enttäuscht wurden. Wie es hier auf möglicher Spieler- oder Sponsorenebene aussieht, weiß ich nicht aber ich habe eine dunkle Ahnung.

Welche Brisanz die Person Toennies mit sich bringt, sieht man ja an den sich überschlagenden Eilmeldungen in den letzten Stunden. „Schalke-Beben“ „Schalke-Boss schmeißt hin!“ (Immerhin hat er diesen „Titel“ bis zum Schluss behalten, obwohl er vor einigen Jahren auf einer Veranstaltung in der Flora versprach, sich nicht mehr so nennen zu lassen.) Rein formal ist hier der Vorsitzende eines 11köpfigen Gremiums zurückgetreten. Somit ist die Frage „Wer soll es denn sonst machen?“ ganz einfach zu beantworten: Die anderen 10. Da der Aufsichtsrat „nur“ eine Kontroll- und Überwachungsfunktion hat, ist das operative Geschäft wenig bis gar nicht betroffen.

Sicherlich hat CT erstklassige Kontakte und Beziehungen, die dem Verein fehlen werden. Und auch im Sponsoringbereich sind seine Firmen vertreten. Wie es hier weitergeht, wird man sehen. Eins ist auch völlig klar. Die Situation des Vereins ist nicht gut. Ob mit oder ohne Clemens, die Existenz steht auf dem Spiel. Ob ohne ihn jetzt alles besser wird- ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, der Rücktritt von Peters und Toennies ist eine große Chance für den FC Schalke 04, nun einen wirklichen, tatsächlichen Neuanfang starten zu können. Wo dieser hinführt, ist unklar. Klar ist nur es wird nicht einfach. Klar ist aber auch, dass kein Funktionär, kein Spieler und kein Fan größer ist als dieser Club. Und dass in diesem Verein extrem viel Potential steckt. Beleben wir es gemeinsam wieder! Egal,ob „Pro CT“ oder „Anti CT“. Ab jetzt sollte es nur noch heißen: „Für Schalke!“ Glück auf!

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
Henning

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