Everything wrong with Schalke 2020

Dieser Beitrag ist ursprünglich ein Twitter-Thread von @rene_1904, welcher hier nochmal aus guten Gründen eine (zugegebenermaßen eher bescheidene) Bühne bekommen soll, was nicht heisst, dass wir ihm in allen Punkten zustimmen. Aber in verdammt vielen.

Größenwahn und Selbstüberschätzung – Schalke auf den Spuren von Stuttgart, Hamburg und Bremen.

Schalke 04 ist mit über 160.000 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein Deutschlands. Daraus leiten viele Schalker ab, dass man deswegen auch der zweitbeste Fußballverein Deutschlands sein muss, und, dass es Schalkes Anspruch sein muss, jedes Jahr Champions League zu spielen.

Und da ist schon das erste Problem. Schalke ist meilenweit davon entfernt, sportlich ein Spitzenclub zu sein. Und was noch mehr wehtut, ist, dass wir meilenweit von unseren Schwarz-Gelben Freunden entfernt sind.

Diese Lücke wird von Jahr zu Jahr größer. Das Problem ist jedoch, dass Schalke es nicht wahrhaben möchte, dass dem so ist. Auch wenn wir uns inzwischen weitestgehend einig sind, dass wir kein Spitzenverein mehr sind, ist in den Köpfen von uns allen irgendwo verankert, dass das momentan nur ein Ausnahmezustand ist und wir ein „schlafender Riese“ seien.

Irgendwo glaubt jeder von uns, dass wir nur einen guten Trainer davon entfernt sind, wieder oben ranzukommen. Von diesem Gedanken müssen wir uns lösen. Wir müssen akzeptieren, dass die Konkurrenz uns überholt hat und kurz davor ist, uns abzuhängen. Auch wenn es schwer fällt.

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir uns in einem freien Fall befinden und auf dem bestem Weg sind, so zu enden wie Werder, Hamburg und Stuttgart. Das heißt nicht, dass wir nächste Saison ein Abstiegskandidat sind oder Ähnliches, aber das wir Gefahr laufen, da mittelfristig hinzukommen.

Stuttgart wurde 2007 Meister, Hamburg und Bremen waren bis 2010 regelmäßig international vertreten und waren Vereine, die sich jede Saison leise Hoffnungen gemacht haben da sein zu können, wenn die Bayern schwächeln. Genau wie wir es in der Vergangenheit taten. Doch in der Realität erreichten alle 3 Vereine irgendwann einen toten Punkt und begannen abzudriften. Es gab immer mal einen Ausreißer nach oben, aber die sportliche Tendenz ging klar nach unten. Das wollte aber niemand wahrhaben. Deswegen wurden Spieler, Trainer und Manager verschlissen, in der Hoffnung, dass der Nächste den „Normalzustand“, der zu dem Zeitpunkt jedoch schon längst Vergangenheit gewesen war, wiederherstellen könnte.

So gelangen diese 3 Vereine, geblendet von der glorreichen Vergangenheit, in eine Abwärtsspirale, die für 2 der 3 in der 2. Liga endete, während Bremen, die 2010/11 letztmals international vertreten waren, seit Jahren zwischen Mittelfeld und Abstiegskampf pendeln. Die Muster waren aber dieselben, wobei Bremen sich hier deutlich kontinuierlicher zeigt, was das Personalmanagement angeht und meines Erachtens deswegen bisher den „freien Fall“ im Vergleich zu Stuttgart und dem HSV verlangsamen konnte. Vergleicht man aber die Kader der 3 Clubs der letzten 3-5 Jahre mit denen, die sie jeweils vor 10-15 Jahren hatten, sieht man ganz klar einen qualitativen Zerfall. Und genau das trifft auch auf uns zu, wenn auch auf einem anderen Niveau. Unsere Mannschaft verliert Jahr für Jahr an Qualität, wir wollen das aber jedoch immer noch nicht wahrhaben.

Wenn man sich mal den Spaß macht und die Kader aller Saisons seit 2011/12 ansieht sieht man das deutlich. Hierbei will ich allerdings nicht auf Namen oder einzelne Positionen eingehen. Unser Problem ist, dass wir zwischen 2011 und 2015 einen Kern der Mannschaft hatten, von dem wir in dieser Zeit gezehrt haben, ohne die innere Uhr der Spieler oder deren Vertragssituationen zu berücksichtigen. Das Ergebnis waren 3 CL- und 2 EL-Qualifikationen in 5 Jahren und ein wirtschaftlicher Totalschaden. Die sportliche Qualität des Kaders wurde durch Riesentalente aus der Knappenschmiede noch ein paar Jahre aufrecht erhalten, ist dann aber auch zerfallen, da diese Spieler irgendwann zu gut für uns waren und uns verließen, meistens ablösefrei. Und diese ablösefreien Abgänge sind, auch wenn sie durch den Managerwechsel 2016 teilweise unglücklich waren, auch auf den Größenwahn von Schalke zurückzuführen, da man dachte, dass man eine Chance hätte, diese Spieler doch noch zu halten, oder durch das Halten der Spieler und das in Kauf nehmen eines ablösefreien Abgangs vielleicht durch eine mögliche CL-Qualifikation so oder so an die nötigen Gelder ranzukommen. (Was genau einmal klappte. Danke Domenico.) So oder so hätte man 2 Jahre vor Ablauf der jeweiligen Verträge handeln müssen. Wenn ein Spieler mit weniger als 2 Jahren Restvertrag in eine Saison geht ist es schon zu spät. Und das ist etwas, was wir am besten in unsere Vereinssatzung schreiben sollten. Denn hätten wir für Matip, Goretzka, Meyer, Kolasinac und sogar Neustädter, Huntelaar, Aogo so wie jetzt noch Nübel Ablösen kassiert, und hätten bis vor ein paar Wochen wahrscheinlich nicht um unsere Existenz bangen müssen. Wobei es darauf keine Garantie gegeben hätte, berücksichtigt man die Inkompetenz unserer Vereinsführung (Worauf ich noch weiter eingehen werde).

Abschließend ist also festzuhalten, dass Schalke von Größenwahn und Selbstüberschätzung angetrieben wird und sich dadurch zu rücksichtslosen, vorschnellen und dummen Entscheidungen verleiten lässt. Und genau diese Entscheidungen tragen dazu bei, dass wir, wie bereits erwähnt, ähnlich wie andere Vereine über Jahre hinweg schleichend zerfallen, bis wir irgendwann wach werden und die Realität uns einholt. Wann dies jedoch passiert, ist offen.

Schaut man auf andere Traditionsvereine kommt dieser Punkt teilweise mal früher oder gar rechtzeitig in der Regel aber erst wenn es entweder schon zu spät (Stuttgart, Hamburg) oder viel zu spät ist (siehe Kaiserslautern). Hier gibt es zwar auch Vereine die nach Zerfall den Turnaround zwar geschafft haben (z.B. Gladbach, Dortmund, Frankfurt) aber auch Clubs die den Turnaround nicht ganz geschafft haben und entweder Fahrstuhlvereine sind, oder graue Mäuse (zB Hertha, Nürnberg, Köln). Ich möchte nicht das Risiko gehen, dass wir aus Ignoranz absteigen und dann ggf. selbst ein Fahrstuhlverein werden oder gar völlig untergehen wie der 1. FC Kaiserslautern. Nur weil wir (Hundertsechzig-)Tausend Freunde sind, sind wir nicht immun gegen so ein Schicksal. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind und aus unseren Fehlern, aber auch aus denen eben dieser Clubs lernen und es gar nicht erst so weit kommen lassen. Je früher wir das akzeptieren, desto reversibeler der Schaden, wobei wir uns jetzt schon länger im Bereich der Schadensbegrenzung bewegen. Denn zu spät ist es schon seit einigen Jahren. 

Eingetragener Verein – Gestern. Heute. Für immer?

Eine der Lösungen, die von vielen inzwischen in Betracht gezogen wird, ist eine Ausgliederung. Auf Schalke lange Zeit ein absolutes Tabu-Thema gewesen, wurden die Rufe danach zuletzt immer lauter. Also – Reden wir über eine Ausgliederung.

Zunächst allgemein: Eine Ausgliederung ist die Umwandlung der Profiabteilung in eine andere Rechtsform (zB AG oder GmbH) und somit in ein separates Unternehmen. GmbHs gibt es auf Schalke schon, z.B. die Schalke Catering GmbH. Die Profimannschaft ist jedoch noch Teil des e.V. womit Schalke einer der wenigen „echten“ Vereine der Bundesliga ist. Schalke ist sogar der größte Verein in Deutschland, der diesen Schritt noch nicht gewagt hat und sich das inzwischen auch stolz auf die Fahne schreibt. Ich gehe hier jetzt aber nicht weiter auf die allgemeinen Vor- und Nachteile einer Ausgliederung ein, ich denke die dürften jedem, der das liest, geläufig sein. (Falls nicht, gibt es dazu auf YT kurze Infovideos die genau dies erklären).

Um eine Ausgliederung umzusetzen sind laut Schalker Vereinssatzung 75% der Stimmen der MV notwendig. Fakt ist, es ist zeitgemäß auszugliedern. Vereine die dies tun, sind deswegen nicht weniger wert oder verstoßen gegen irgendwelche Regeln. Fakt ist aber auch, dass eine Ausgliederung keine Garantie für sportlichen Erfolg ist, was zahlreiche Beispiele zeigen, dazu aber später mehr. Durch eine Ausgliederung würde Schalke einen großen Teil seiner Identität verlieren und wahrscheinlich würde dies auch zu enormen Diskussionen, Unruhen und Nebenkriegsschauplätzen im ohnehin schon schwierigen Schalker Umfeld führen. Das sind beides Argumente, die auf Schalke nicht zu verachten sind. Wenn es zu einer Ausgliederung kommen sollte, knallt es richtig. Vor allem die Ultras wären alles andere als erfreut und was die Konsequenzen davon wären hat man z.B. bei den wöchentlichen Unruhen und Protesten beim VfB Stuttgart gesehen. Das wirkt sich auch auf die Mannschaft aus. Welchen Einfluss der Support der Fans auf Spieler haben, erleben wir jetzt gerade durch die Geisterspiele deutlicher denn je.

Auf der anderen Seite würde Schalke durch eine Ausgliederung natürlich wirtschaftliche Vorzüge genießen und um nichts anderes geht es hierbei. Diese Geldmittel können, wenn sie klug eingesetzt werden, positiven Einfluss auf das sportliche Abschneiden eines Vereins haben. Als Beispiel dafür würde ich Eintracht Frankfurt anführen, die durch enorm kluges Wirtschaften in den letzten Jahren zuletzt die erfolgreichste Zeit ihrer jüngeren Vereinsgeschichte genießen durften.

Auf der Gegenseite gibt es aber auch Beispiele wie den HSV, bei dem die Ausgliederung eher zu einem Katalysator für den Misserfolg wurde und den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte mitverursachte, anstatt ihn zu verhindern. Ein Extrembeispiel wäre 1860 München, die durch einen extrem inkompetenten Investor bis in die Regionalliga gefallen sind. Aber es gibt auch eine 3. Möglichkeit, nämlich, dass sich einfach gar nichts ändert, wie z.B. beim 1. FC Köln, der seit der Ausgliederung 2011 wie zuvor schon weitestgehend ein Fahrstuhlverein blieb.

Bleibt die Frage: Welchen Einfluss könnte eine Ausgliederung auf den FC Schalke 04 haben?

Welche von den 3 Möglichkeiten eintreten würde, ist davon abhängig, wie genau die Ausgliederung gestaltet werden soll, also in welche Rechtsform umgewandelt wird, wer wieviel Geld gibt und wieviele Anteile dafür erhält. Und genau hier ist der Knackpunkt. Schalke 04 ist nichts anderes als ein Millionengrab.

Eine hochverschuldete Geldverbrennungsmaschine. Kein Mensch bei klarem Verstand würde aus wirtschaftlichen Interesse in ein solches Konstrukt investieren. Bleibt also jemand mit anderen Motiven. Infrage kämen grundsätzlich langjährige und treue Sponsoren die sicher bereit wären, Anteile zu kaufen, jedoch sind die meisten Unternehmen durch die derzeitige Pandemie wirtschaftlich ziemlich angeschlagen und haben sicher besseres zu tun, als in absehbarer Zeit Anteile eines Fußballvereines zu kaufen. Bleibt also eine Privatperson mit viel Geld, die hauptsächlich investiert um dem Verein aus „Vereinsliebe“ zu helfen und(/oder) um (noch) mehr Macht innerhalb des Vereins zu erhalten. Auf Letzteres trifft sicherlich Clemens Tönnies zu. Warum genau Tönnies aus meiner Sicht ein Problem ist, werde ich im nächsten Teil erläutern. Zum Thema Ausgliederung und Tönnies sei nur gesagt, dass Tönnies DAS Gesicht des von mir bereits erwähnten „Zerfalls“ ist. In einem Verein in dem jedes Jahr ein neuer Trainer an der Seitenlinie steht, alle 4 Jahre ein neuer Manager auf der Tribüne sitzt und alle 2 Jahre die Mannschaft komplett ausgetauscht wird, um eine neue Ära mit dem nächsten Umbruch einzuleiten, während der sportliche Erfolg zunehmend schwindet, war Clemens Tönnies die Konstante (neben den Schulden und den zu hohen Ambitionen).

Allerdings hat Tönnies laut Satzung als AR-Vorsitzender keine Möglichkeit, direkt in das operative Geschäft einzugreifen, sondern in der Theorie nur eine Kontrollfunktion inne. Dies würde sich aber ändern, wenn er Anteile am Fußballunternehmen von Schalkes Profimannschaft kauft. Mit anderen Worten, er hätte noch mehr Macht und Einfluss als ohnehin schon. Wieviel Macht, ist abhängig davon, wie das Modell der Ausgliederung aussehen würde, weswegen es müßig wäre, hier jetzt anzufangen irgendwelche Eventualitäten auszuführen. Fakt ist, es würde eine finanzielle Abhängigkeit von Tönnies entstehen, der als Geldgeber dadurch aktiv in das operative Geschäft eingreifen kann, indem er, wie bspw Kühne beim HSV Druck ausüben könnte. Und das wäre Gift für Schalke, denn wenn Clemens Tönnies in der Vergangenheit als AR-Vorsitzender eines bewiesen hat, dann ist es fehlende Kompetenz, was eben das operative Geschäft eines Fußballvereines angeht.

Jedoch gibt es, wie bereits erwähnt, nicht nur das Modell Tönnies, sondern unzählige Möglichkeiten, wer Anteile von Schalke 04 erhalten kann, jedoch ist es mehr als wahrscheinlich, dass er seinen Hut in den Ring werfen würde.

Abschließend möchte ich noch klar machen, dass der e.V. NICHT der Grund für die derzeitige sportliche Entwicklung ist. Diese ist ausschließlich auf Inkompetenz zurück zu führen, denn die wirtschaftlichen Möglichkeiten waren trotz Schulden da.

Ich möchte hier keine Werbung für eine Ausgliederung machen. Ich persönlich bin pro e.V., würde mich aber dennoch mit Modellen einer möglichen Ausgliederung intensiv auseinandersetzen, weil ich es als meine Pflicht als Mitglied von Schalke 04 sehe. Deshalb bitte ich jedes andere Mitglied dasselbe zu tun und einer Ausgliederung gegenüber offen, sich aber auch der Bedeutung des eV bewusst zu sein, wenn der Tag kommen sollte. (Und er wird kommen!)

Clemens Tönnies

Das wird nicht jedem gefallen, aber in diesem Teil geht es unseren AR-Vorsitzenden Clemens Tönnies. Tönnies ist seit 2001 im Amt und hat sich seitdem sein kleines Imperium aufgebaut, wie man aus Vereinskreisen immer wieder wahrnimmt. Auch wenn niemand es ausspricht, weiß jeder dass er DER Boss auf Schalke ist, obwohl er als AR-Vorsitzender eigentlich keine Befugnisse hat, irgendwelche sportlichen Entscheidungen zu treffen. Faszinierend ist die Inszenierung um seine Person, durch die es ihm gelang, mehrfach von den Mitgliedern wiedergewählt zu werden.

Tönnies schaffte es, ein Bild von sich zu etablieren, dass ihn als volksnahen Malochertyp und Vollblut Schalker darstellt, was äußerst paradox ist, wenn man sich mal mit seiner beruflichen Vita auseinandersetzt. Clemens Tönnies ist kein Malocher, der sich die Hände schmutzig macht, sondern ein skrupelloser Unternehmer, der teilweise sogar zu ethisch fragwürdigen Maßnahmen greift. Er ist kein Kumpeltyp, er ist ein Machtmensch. Was er aber sicherlich ist, ist Schalker. Dazu wird er von einem persönlichen und durchaus rührendem Motiv angetrieben. So sagte er mehrfach, dass er seinem verstorbenen Bruder Bernd Tönnies, der 1994 Präsident von Schalke war, das Versprechen gab, ihm eines Tages die Meisterschale an’s Grab zu bringen. Deswegen versucht Tönnies seit Amtsantritt auf Schalke, den Verein so schnell wie möglich zu größtmöglichen Erfolg zu führen. Nach fast 20 Jahren im Amt kann man allerdings sagen, dass er daran (mehrfach) gescheitert ist. Das Problem ist, auch wenn Tönnies (trotz aller Kritik) ohne Zweifel ein mehr als erfolgreicher Unternehmer ist, macht ihn das nicht automatisch zu einem guten Sportfunktionär. Clemens Tönnies brachte wenig Titel, dafür aber Größenwahn, Selbstüberschätzung und Ungeduld nach Schalke.

Seit Rudi Assauers und Huub Stevens erster Amtszeit gelang es Schalke nicht mehr Kontinuität auf irgendwelchen Positionen im operativen Geschäft zu haben. Dennoch wurde Tönnies stets wiedergewählt. Eben aufgrund seines künstlich erzeugtem „Kumpel- und Malocher“-Images und aufgrund seiner fast genialen Selbstinszenierung.

Als vor ein paar Jahren aufgrund von sportlichem Misserfolg die Kritik an seiner Person größer wurde, nahm er sich selbst zurück und installierte mit Heidel einen starken Mann, der statt Tönnies nun im Rampenlicht steht. Für Tönnies eine Win-Win-Situation. Gelingt es Heidel, Schalke zum Erfolg zu führen, kann Tönnies sich das auf seine Fahne schreiben lassen und sich somit auch seine nächste Wiederwahl sichern. Scheitert Heidel, kann Tönnies sich wieder als der große Sonnenkönig hinstellen, getreu dem Motto „Seht ihr? Ohne mich geht hier garnix!“

Letzteres trat leider ein. Vor der JHV im vergangenen Sommer gab Tönnies bei Schalke TV ein XXL Interview, dass nur darauf zurecht geschnitten war, genau diese Message an die Mitglieder zu transportieren. Und es gelang ihm.

So wurde er vergangenen Sommer erneut wiedergewählt. Zu seinem großen Glück kandidierte Huub Stevens ein Jahr bevor Tönnies zur Wiederwahl antreten musste. Ansonsten wäre das vielleicht nochmal eng für Tönnies geworden. Nach außen wirkte das fast zu perfekt um wahr zu sein. Und die Aussage eines ehemaligen Ehrenratmitgliedes, dass nach Rücktritt diesen damit begründete, dass in den Gremien einige „nicht nur dem Verein gegenüber loyal seien“, öffnet da auch die Türen für Theorien. Da ich dafür aber keine Beweise habe, lasse ich das so stehen und erlaube jedem, sich selbst sein Urteil zu fällen.

Unmittelbar nach seiner Wiederwahl kam es zum Rassismus-Eklat um Clemens Tönnies. Ob diese Aussage nun seinem Gedankengut entspricht oder nicht, ist nicht zu beantworten, da niemand in seinen Kopf schauen kann. Fakt ist allerdings, dass Tönnies mit dieser Aussage gegen das Leitbild und die Werte von Schalke 04 verstoßen hat. Jedes andere Mitglied, dass in irgendeinem Vereinsgremium ist, wäre für so eine Aussage vom Ehrenrat mit sofortiger Wirkung dauerhaft seines Amtes enthoben, und ihm/ihr wäre zumindest mit dem Vereinsausschluss gedroht worden. Clemens Tönnies allerdings kommt gänzlich ungestraft davon („einige im Verein sind nicht nur dem Verein gegenüber loyal“), legte sich allerdings selbst(!) eine 3-monatige-Sperre auf. (Dass Schalke in dieser Phase sportlich seine beste Zeit in der laufenden Saison hatte, sehe ich damit aber in keinem Zusammenhang). Nach Ablauf seiner selbstauferlegten Sperre wurde seine Rückkehr groß inszeniert und Tönnies stellte sich selbst als Opfer dar und erzählte, wie schwer die Auszeit für ihn doch war, dass er Familienzuwachs erhalten hat und dass er sich einen Bart hat wachsen lassen.

Was fehlte, war eine Entschuldigung. Ernsthafte Reue. Auch unmittelbar nach der Aussage ließ Tönnies per Online-Mitteilung nur verlauten, dass er sich bei den Mitgliedern von Schalke 04 für die Aussage entschuldigt. Eine Entschuldigung bei den Leuten, die er mit der Aussage beleidigt hat, blieb aus. Vielmehr gab es Rechtfertigungen von ihm, dass es sich hierbei nur um ein Missverständnis gehandelt habe, und dass er kein Rassist sei. Auch andere Vereinsmitarbeiter, wie Schneider und Peters, der auf der MV wenige Wochen zuvor noch sagte, dass Rassisten keine Schalker seien, rechtfertigten seine Aussagen und beteuerten, was Tönnies für ein guter Kerl sei. Das mag auch stimmen, aber das ändert nichts daran, dass er sich nunmal rassistisch geäußert hat, ohne sich zu entschuldigen und ohne irgendwelche Konsequenzen. Damit wurde Rassismus auf Schalke salonfähig gemacht, was schlichtweg nicht akzeptabel ist. Für Rassismus ist nicht nur auf Schalke kein Platz, sondern auch in unserer heutigen Gesellschaft. Und da gibt es keine Diskussion. Tönnies gehört eigentlich für seine Aussagen vom letzten Sommer seines Amtes enthoben. Da dies aber nicht passieren wird, gilt es für uns Mitglieder, nicht zu vergessen.

Diese Amtszeit muss die Letzte von Clemens Tönnies sein!

Und wenn von den anderen Vereinsgremien diesbezüglich nichts unternommen wird, dann muss die Mitgliederversammlung – als größtes und wichtigstes Vereinsorgan – die nächste Gelegenheit zur Abwahl nutzen. Clemens Tönnies hat auf Schalke mehr Macht als ein AR-Vorsitzender eigentlich haben sollte. Das ist ein offenes Geheimnis. Und diese Macht ist der Grund, warum der Laden auf Schalke regelmäßig vor die Wand gefahren wird. Tönnies und Konsorten fehlt es an Kompetenz, einen Fußballverein zu leiten, dazu haben sie ein toxisches, ungeduldiges und größenwahnsinniges Klima in einem ohnehin schon chaotischem Verein geschaffen, dass den Verein kaputt machen wird. Die Ultras sagten es schon vor einigen Jahren:
„Der FisCh sTinkt vom Kopf – #TönniesRAUS!“

1000 Trainer schon verschlissen, Philosophien kommen – Philosophien gehen

Die Ungeduld und mangelnde Kompetenz der Vereinsführung wird vor allem am Personalverschleiß deutlich. Wie schon erwähnt, wurden Trainer, Manager und Spieler wild durchgetauscht, sobald es nicht lief und jeder erdenkliche Trainertyp durfte auf Schalke schon vergeblich sein Glück versuchen. Allerdings ist das nicht nur ein Problem, welches Schalke allein hat. Im heutigen Fußball ist es üblich, dass Trainer gewechselt werden, und Spieler kommen und gehen. Dennoch schaffen es andere Vereine, erfolgreich zu sein und sich nachhaltig ein stabiles Gebilde aufzubauen. Und das muss das Ziel von Schalke 04 sein, wenn man erfolgreich sein will.

Das Gebilde darf nicht mit einzelnen Personen stehen und fallen. Schalke 04 braucht eine klare und fixe Vereinsphilosophie, die von der Vereinsführung vorgegeben wird. Und genau daran sind Tönnies und Co gescheitert. Der Fehler, den Schalke immer wieder auf’s Neue macht, ist, dass die Philosophie nicht von oben kommt, sondern vom Trainer. Der Trainer wird immer als der wichtigste Mann im Verein installiert, der dem Verein seinen Stempel aufzwingen soll. So kann man aber nicht nachhaltig erfolgreich sein. Ein Verein muss sich selbst eine Identität geben, und dieser treu bleiben. Andere Vereine haben dies geschafft, so holen sich bspw. Gladbach, Dortmund und Leipzig ausschließlich Spieler und Trainer, die in deren Philosophie passen, anstatt jeden Trainerwechsel mit einem Umbruch gleichzusetzen. Nur so machen auch Trainerwechsel Sinn, denn wenn jeder Trainerwechsel mit einem Reset verbunden ist, dann kann keine Entwicklung stattfinden.

Auf Schalke haben wir in den vergangenen Jahren allerdings genau das getan. Auf Jens Keller, den No-Name, der seinen Spieler auf dem Feld viele Freiheiten gab, folgte Roberto Di Matteo, der CL-Gewinner, der seine Mannschaft in ein enges taktisches Korsett zwängte. Auf Domenico Tedesco, den jungen innovativen hochtalentierten Taktiker, der auf Schalke eher einen defensiven Stil versuchte, folgte mit David Wagner das komplette Gegenteil. Ein Trainer, der wenig über die Taktik und Flexibilität, sondern mehr über Leidenschaft und Einsatz kommt und auf Schalke einen offensiven Stil bevorzugt.

Jeder Ansatz, den wir auf Schalke in den letzten Jahren hatten, war brauchbar und hatte seine Daseinsberechtigung. Hätte man sich für einen Stil entschieden und wäre diesem treu geblieben, wären uns viele Umbrüche erspart geblieben, und wir würden ein deutlich stabileres, gefestigteres und erfolgreicheres Schalke haben, als wir es tun. Aber so wie hier gearbeitet wurde, wurde Nachhaltigkeit nicht zugelassen. Und dann braucht man sich auch nicht wundern, warum wir seit Jahren keine Schlüsselspieler davon überzeugen können, hier langfristig etwas mit aufzubauen. Mein persönliches Highlight war der Managerwechsel 2016. Aber nicht der Wechsel an sich, sondern das Timing der Bekanntgabe. Bereits vor der Winterpause wurde bekannt, dass Christian Heidel ab Sommer 2016 übernimmt. Ab dem Zeitpunkt hätte man Horst Heldt auch direkt schon entlassen können. Wie soll ein Manager, der weiß, dass er 6 Monate später nicht mehr im Amt ist, Spieler davon überzeugen, dass Schalke langfristig das Richtige für sie ist, wenn er selbst nicht mal mehr mittelfristig eine Rolle spielen wird? Und hierbei geht es mir vor allem um die Spieler, die schon bei uns waren, und noch 1-2 Jahre Vertrag hatten. Wie soll Heldt diese Verträge verlängern? Und für Heidel ist die Situation auch nicht leichter. Wie ich bereits sagte, wenn ein Spieler mit weniger als 2 Jahren Restvertrag in eine Saison geht, ist es schon zu spät. Das galt damals immerhin für Goretzka, Kolasinac, Meyer, Matip, Neustädter (die beiden liefen sogar 2016 aus), Huntelaar, Aogo und Choupo-Moting. Auch wenn nicht alle Spieler davon enorme Marktwerte hatten, waren das alles Stammspieler, oder zumindest wichtige Ergänzungsspieler, die man ersetzen müsste. Dies ist nur ein Beweis für die chronische Inkompetenz der Herren ganz oben.
Was also nun tun?

Für mich gibt es nur einen Weg, wie Schalke nachhaltig erfolgreich sein kann und das sogar ohne Ausgliederung, und das sind junge Talente. Mit der Knappenschmiede als Unterbau hat man schon mal eine hervorragende Basis. Wo wir in den vergangenen Jahren Riesendefizite hatten, war im Scouting, allerdings haben wir da mit Michael Reschke einen der Besten, die wir für die Position kriegen können. Das Ziel muss es sein, Talente frühzeitig zu entdecken, sie günstig zu bekommen, sie zu fördern um dann erst sportlich und dann wirtschaftlich (in Form von Ablösesummen) von ihnen zu profitieren. Das ist der einzige Weg, den wir gehen können. Keine 30+ Millionen Stars und keine Mittelklasse Bundesligaspieler, die schon auf die 30 zugehen. Und genau diesen Weg haben wir in dieser Saison versucht einzuschlagen, was mich optimistisch stimmt.

Die Gelder, die wir durch Ablösen einnehmen müssen wir dann aber auch erneut in junge Spieler investieren und nicht wieder in alte Muster verfallen und z.B. einen 20-jährigen Sané mit einem 26-jährigen Konoplyanka ersetzen, oder einen 23-jährigen Goretzka mit einem 28-jährigen Rudy. Solche Deals bringen uns nicht weiter. Wir müssen lernen auf Schalke das große Ganze im Blick zu haben und nicht nur das hier und jetzt. Außerdem müssen wir aufhören in jedem Trainer immer DEN EINEN zu sehen. Trainer kommen und gehen, manche bleiben länger, manche bleiben kürzer. Trainerwechsel sind ok und oft notwendig, jedoch darf, wie bereits erwähnt, nicht jeder neuer Trainer einen Umbruch mit sich ziehen. Wagner hat in der Hinrunde ein gutes Fundament gelegt hat dieses aber leider auch selbst wieder eingerissen. Wir brauchen einen Trainer, der Wagners Weg aus der Hinrunde weitergehen kann, aber im Gegensatz zu Wagner auch Flexibilität und Innovation mit sich bringt um aus einem Kader, der gehobenes Mittelmaß ist, das Maximum rauszuholen.Was den Kader angeht, haben wir schon ein gutes Fundament. Wir haben eine solide Achse um Kabak, Sané, Nastasić, Mascarell, Serdar, McKennie und Harit. Um diese müssen wir unseren Kader herum bauen. Und auch, wenn wir uns auf junge Spieler fokussieren, ist es wichtig, dass man dennoch auch erfahrenere Spieler im Kader hat. Die Mischung muss stimmen, und ich glaube diese erfahrenen Säulen haben wir mit Mascarell, Sané, Nastasić, Fährmann, Burgstaller, Oczipka und vlt noch Caligiuri und Stambouli in der Mannschaft. Wir haben also auch hier eine brauchbare Basis.


Ich hoffe ich kann mit dieser sehr langen Aufarbeitung viele Schalker erreichen und ihnen vielleicht sogar im ein oder anderen Aspekt die Augen öffnen. Für Kritik, Fragen, Feedback oder sonstigen Anregungen wäre ich sehr dankbar.
Glück Auf!

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas