Fußball ist immer noch wichtig.

Wir leben tatsächlich in einer Krise. Viele fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Sogar hierzulande. Wie mag es erst den Menschen in anderen Ländern – beispielsweise Indien – gehen, die nicht auf Unterstützungen oder – im allerletzten Fall – auf ein soziales Netz zurückgreifen können.

Und da haben wir noch gar nicht über die tatsächlich vom Virus betroffenen Menschen gesprochen. Also die schweren Krankheitsverläufe, ja, über die Menschen, die nach kurzer, schwerer Krankheit ihr Leben lassen.

An all diese Menschen, vom Kleinkünstler bis zum Ladenbesitzer in Deutschland, an Obdachlose, Menschen in armen Ländern, und die Menschen auf den Intensivstationen muss ich denken, wenn ich das Wort „Existenzbedrohung“ höre.

Wenn ich es in Zusammenhang mit einem millionenschweren Konzern aus dem Bereich Profisport höre, habe ich hingegen prompt ein kleines bisschen Mageninhalt auf der Zunge.

Diese Krise ist nicht nur eine schreckliche Existenzbedrohung, sie ist in vielen anderen Bereichen auch eine große Chance mit Missständen aufzuräumen.

Denn plötzlich fällt vieles auf: Dem Ministerpräsident zum Beispiel, dass Atemmasken aus lokalen Materialien zum Zusammenbau nach Asien gegeben werden. „Für ein paar Cent weniger“.

Klimaforscher sehen gerade, wie schnell sich Verbesserungen einstellen, wenn die Menschen gezwungen sind, auf das Auto zu verzichten. Beziehungweise momentan nicht gezwungen sind, es zu nutzen, um den halben Tag auf der A40 zu stehen, statt einfach mal zur Abwechslung zu Hause vor dem Computer zu sitzen und seine Arbeit zu verrichten.

Man könnte auch über lokale Produkte, Arbeitserlaubnisse für Geflüchtete, welche plötzlich dringend auf den Feldern gebraucht werden, Zuverdienstgrenzen, etc. pp. sprechen. Auch Abstand und Hygiene sind nicht nur in Krisenzeiten tolle Sachen. Und nicht nur im Supermarkt.

Man kann eine Menge aus diesen verstörenden Zeiten lernen. Und ich hoffe, dass nicht nur die Politik, sondern jeder einzelne Mensch, der gerade nicht um seine Existenz kämpfen muss, diese Zeit zum Umdenken und Optimieren nutzt.

Und genau so hoffe ich auch, dass in dem Zirkus Bundesliga, beziehungsweise im gesamten Profifussball ein Umdenken stattfindet. Vergeblich vermutlich. Wie pervers ist es, dass sich dieses System nicht mehr selbst trägt.

Wie pervers ist es, dass ein Verein angeblich um seine Existenz bangen muss, weil der Spielbetrieb pausiert? Bullshit! Ich glaube nicht, dass Schalke in seiner Existenz bedroht ist. Höchstens der Zirkus, der gerade mit Schalke betrieben wird, ist bedroht. All die Märkte, all die Dollars, all die Jobsts und Tönniesens, die sind bedroht.

Karl-Heinz aus Block 34, Sören aus N3, Britta aus S5, Willi vor dem Fernseher und ich sind nicht bedroht. Und wir sind die, die das Wappen auf unseren Oberarmen, Unterschenkeln oder einfach in userem Herz tragen. Wir sind Schalke. Und solange wir das Feuer tragen, wird Schalke nicht aufhören können zu existieren.

Aber selbst auf der anderen Ebene halte ich die „Existenzbedrohung“ für erdachten Schwachsinn. Was soll denn passieren? Soll die Bundesliga fortan nur noch mit 5 Vereinen ausgespielt werden? Klar, Schalke könnte es aufgrund einer Misswirtschaft zuerst an den Kragen gehen. Dann aber zu recht. Und dann startet der geilste Klub der Welt eben in der Unterklasse. Britta, Sören & Co sind auf jeden Fall dabei.

Ernsthaft. Jetzt ist genau die richtige Zeit, Ruhe zu bewahren. Abzuwarten. Die Entschleunigung anzunehmen. Und wie nach einem Erdebeben, einem Tsunami oder anderen Naturkastatrophen, wie sie ständig zigtausende Menschen treffen und teilweise tatsächlich ihrer Existenz berauben, mit den Schäden umzugehen. Und es ist die Zeit, demütig und dankbar zu sein. Dankbar für alles was man hat: Sozial, emotional, materiell und vor allem physisch, sprich Gesundheit.

Seid füreinander da. Helft einander. Passt aufeinander auf. Bleibt oder werdet besonnen, und schaut auf das, was wirklich wichtig ist. Die Champions League ist es definitiv nicht.

https://youtu.be/3fmNgXQ_H1Q

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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