Lichtblicke und neue Ansätze

In einer intensiven Partie besiegte Bayer Leverkusen den FC Schalke 04 mit 2:1. Dabei gab die Partie aus taktischer Sicht mehr her, als das Ergebnis vermuten lassen würde. In der ersten Halbzeit hatten die Hausherren deutlich größere Spielanteile vorzuweisen, weil die Schalker insgesamt sehr defensiv auftraten. Die Knappen blockierten mit den Stürmern die beiden Bayer-Innenverteidiger und arbeiteten im Mittelfeldzentrum mit losen Mannorientierungen. Durch nachrückende Bewegungen der Leverkusener Hintermannschaft formte sich das defensive System der Schalker in seinen höheren Phasen in ein Pressing um, das durchaus aggressiv Druck gegen die erste Aufbaulinie machen und damit viele lange Bälle der Werkself provozieren konnte. 

Vorne stellte die Bosz-Elf meistens den Sechserraum zu und orientierte sich nur situativ direkt auf die gegnerischen Innenverteidiger. Ein paar Mal fiel auch Lucas Alario als Zehner zurück und besetzte die Räume. Havertz versuchte sich für die Sechser freizulaufen und die Flügel zu unterstützen sowie mit seinen Bewegungen zwischen den Linien hinter dem gegnerischen Mittelfeld Raum für Bellarabi und Baily zu schaffen. In ihren besten Phasen gelang es ihnen dabei – gerade anfangs – gut, die diagonalen Lücken im Verschieben bei Schalke anzuvisieren und dadurch präzise Direktpässe – gerade Sven Bender tat sich hervor – auf einen der Offensivspieler anzubringen. 

Das Spiel in beide Richtungen sah daher ähnlich aus: stabile, ordentlich abgesicherte und vor allem lange – dementsprechend wenige – Ballbesitzphasen mit wenig Präsenz in den gefährlichen Räumen (Passquoten zur Halbzeit: 84% zu 91%). So bestand das wohl größte Schalker Problem in dieser Begegnung in der Koordination und im Timing der offensiven Bewegungen aus dem Positionsspiel heraus. Selbiges galt für das konsequente und aufmerksame Nachrückverhalten der Außenverteidiger und Sechser, das sich im Wesentlichen recht linear, aber intensiv gestaltete. Das 2:0 durch Alario, der einen wunderbar vorgetragenen Spielzug nach einem Ballgewinn an der Mittellinie verwertete, schien bereits den Schlusspunkt dieser Partie zu setzen. Schalke kam durch Raman nochmal für ein paar Minuten ins Spiel zurück, musste sich aber trotz einer achtbaren Leistung geschlagen geben.

Von der taktischen Struktur her bot die Partie ein anschauliches Analysematerial. Fraglos lag bei den Schalkern in den vergangenen Wochen einiges im Argen, wogegen sich bei diesem Gastspiel in Leverkusen zu Teilen sogar Lichtblicke und neue Ansätze andeuteten (Anschlussaktionen nach Verlagerungen beispielsweise; balltreibende Aktionen im Übergang weniger über Caligiuris Position fokussiert als in manch voriger Begegnung; die verschiedenen Variationen gegen den Ball). So ist die Partie für sich selbst wohl interessanter als im Entwicklungszusammenhang. Offensiv war Wagners Mannschaft nicht komplett chancenlos, aber die wenigen Umschaltsituationen sorgten nicht für ausreichend Output, sodass die Schalke punktlos die Rückreise antreten mussten.

Jana

Taktik-Beauftragte | Küstenschalkerin | Teetrinkerin | Pen & Paper-Aficionada | Was-mit-Medien-Macherin
Jana

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