Auf die Ohren

Auf die Ohren

Das Web 0.4 war noch nie so humorlos. Während ich über das Eigentor Tönnies bei aller Traurigkeit noch minimal schmunzeln konnte, blieb mir bei den Folgen sprichwörtlich die Spucke weg.

Leute, die sich nun als waschechte Rassisten zu erkennen geben, sind ja fast noch ein postitiver Effekt. Denn Rassisten waren sie ja schließlich auch schon vorher, nun weiss man wenigstens, wo der Hase langläuft.

Ein ganz anderer, äußerst widerlicher Effekt sind die Menschen, die sich als Mitte fühlen und solche Diskriminierungen beschwichtigen und ein Vereinsleben über die öffentliche Diffamierung eines ganzen Kontinents stellen, für dessen weitgestreute Armut wir zu allem Überfluss auch noch höchstselbst verantwortlich sind.

Es werden uns Kampagnen vorgeworfen. Mal wieder. Wir schössen uns nur auf dieses Thema ein, weil wir gegen Tönnies sind. Ja, das liegt nahe, aber man muss nur ein wenig lesen können, manchmal auch zwischen den Zeilen, um zu erkennen, aus welchem Holz dieser jemand geschnitzt ist, den wir – gerne zugegeben – auch vorher schon weg haben wollten.

Aber tatsächlich wäre mir eine ernstgemeinte Entschuldigung in die richtige Richtung lieber. Und eine folgende, flächendeckende Antirassismus und -diskriminierungsarbeit. Tönnies Abwahl darf dann gerne folgen, ist aber hier vollkommen unerheblich.

Wem es neu ist, dass das Web 0.4 und viele andere kreative Institutionen rund um Schalke sich seit Jahren gegen Rassismus aussprechen und engagieren, dem sei es hiermit gesagt. Und wer immer noch nicht versteht, dass die Aussage Tönnies und ein Ruhen lassen der Dinge schlimme Folgen haben würde, der wird es wohl auch nicht mehr.

Uns wird fehlender Diskurs vorgeworfen. Mag sein. Aber mal ehrlich: Wenn die Leute für Argumente zu haben wären, würden sie die Mitte nicht rechtsaussen verorten. Denn dafür ist unsere Gesellschaft zu aufgeklärt. Wir leben zwischen Mahnmalen. Da gibt es keine Ausreden mehr.

Über die Beschwichtigungen meines Vereins möchte ich lieber erst gar nicht reden. Gerne lege ich euch – nicht nur diesbezüglich – die aktuelle Folge des Podcasts „Blauer Salon“ ans Herz, in dem – neben anderen Themen – Pepo mit Susanne Franke von der Schalker Fan-Initiative spricht.

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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