Lass gut sein, Clemens

Ein weiterer Teil einer einseitigen Brieffreundschaft

Lieber Lieblingsverein, 

du machst es einem nicht leicht, dich im Moment gern zu haben. Ganz unbenommen der zahlreichen Abgänge von Identifikationsfiguren und einer sportlichen Zukunft, die längst nicht so rosig aussieht, wie die jüngere Vergangenheit, kommt nun etwas aus einem wirklich relevanten Bereich hinzu. 

Eigentlich ist Fußball irrelevant, eigentlich ist Schalke nichts besonderes, aber irgendwie war es für mich doch immer besonders, ja sogar fast identitätsstiftend, dass wir der erste Verein waren, der ein Verbot von Diskriminierung in die Satzung aufgenommen hat – ich war stolz auf eine Institution wie die Fan-Ini. Und irgendwie auch auf die entsprechenden Abschnitte des Leitbilds sowie Antidiskriminierungsvideos – wohl wissend, dass dahinter natürlich auch irgendwelche PR-Menschen stecken. 

Dieses Gefühl ist nun ernsthaft bedroht!

Die Aussagen von Tönnies sind offen rassistisch. Aussagen, die er in einer vorbereiteten Rede tätigt. Als erfahrener Redner und kalkulierender Geschäftsmann. So etwas rutscht nicht einfach so raus. Und übrigens die Maßstäbe, die man an ihn ansetzt, müssen andere sein, als an einen Fan in der Kurve (bitte nicht falsch verstehen – auch in der Kurve wäre der Spruch völlig inakzeptabel). So etwas ist nicht mit einer Entschuldigung weggewischt – und schon gar nicht mit so einer hingerotzten, die noch nicht mal die Betroffenen adressiert. 

Und was macht der Rest des Vereins? Agiert ausschließlich in Tönnies‘ Sinne, nimmt ihn in Schutz und will das Thema wahrscheinlich einfach nur schnell loswerden. Das ist peinlich und wird meinem Ansehen unseres Vereins nicht gerecht. DAS ist wirklich nicht mehr mein Schalke. 

Dabei wäre es gerade in den heutigen Zeiten so unglaublich wichtig gewesen, zu widersprechen und ein Zeichen zu setzen. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Tönnies das nun noch selber macht! Vermutlich nur wenn der mediale Druck noch weiter zu nimmt. Ich hoffe, das passiert. 

Er hat mal gesagt, dass er so lange Aufsichtsratsvorsitzender bleiben möchte, wie er Schalke helfen kann. Im Moment ist Schalke am meisten geholfen, wenn er es sein lässt. Sofort.

Mathias

Forschungsbeauftragter a.D.
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