Was fehlt…

Es fehlt gerade an Vielem. Mir an Motivation zum Beispiel. Oder besser: An Herzblut. Jahr für Jahr habe ich alles über Bord geworfen und – egal, was war – zur neuen Saison war ich wieder da. Bereit, all meine Emotionen in die Waagschale zu werfen. Hier, Schalke, nimm, und mach was Gutes draus.

Doch diesmal fehlt es noch an Hoffnung. All die Sätze, die da gesprochen werden, habe ich schon gehört. Teils aus anderen Mündern in gleichen Positionen, teils aus gleichen Mündern in leider immer noch gleichen Positionen.

Und es fehlt an Demut. Nicht mir. Den Mündern. Ich hörte Phrasen, beispielsweise auf der Mitgliederversammlung. Von ‚Verantwortung übernehmen‘ war zwar die Rede, Konsequenzen gab es aber nicht wirklich. Richtig entschuldigt hat sich ebenfalls niemand.

Niemand hat sich entschuldigt, dass man dem jungen Trainer, der uns so viel Hoffnung gemacht hat, nicht zur Seite stand. Niemand hat sich entschuldigt, dass man Menschen, die viel Zeit und viel Geld opferten, um ihren S04 in ganz Europa zu sehen, Bitterstes servierte. Niemand hat sich entschuldigt, die Emotionen, die wir in die Wagschale geworfen haben, mit Füßen getreten zu haben.

Wer auch? Wer sollte sich entschuldigen? Die Verantwortung ist schnell an das Personal geschoben, welches nicht mehr da ist. Übrig bleiben nur Retter. Stevens, der Retter, der den Abstieg verhinderte. Tönnies, der Retter, der seinen Maulkorb bei Seite legte und nun endlich die passende Lösung parat hat. Jobst, der Retter, der die finanziellen Ausfälle mit seinem klugen Marketing auffangen kann.

Entschuldigen? Nein! Alexander Jobst sieht sogar die Fans in der Bringschuld. Wir sind nicht mutig genug, verharren zu viel in der Vergangenheit. Wir sind Schuld, dass kein Wachstum im Marketing mehr möglich ist. Ich erachte das als bodenlose Frechheit.

Ich sehe Videos von neuen Spielern und Trainern, welche selbst noch nicht wissen, was da auf sie zu kommt. Ich sehe Videos mit den immergleichen Phrasen.

Leider sehe ich keine Videos, in dem ein Spieler oder Verantwortlicher mal auch nur im Ansatz erklärt, was da los war. Was da los ist. Warum diese Mannschaft so ein Scherbenhaufen war, und warum das jetzt anders sein soll. Warum uns geboten wurde, was uns geboten wurde.

Es fehlt an allen Ecken und Enden. Es fehlt Demut. Es fehlen Erklärungen. Es fehlen Entschuldigungen. Versteht mich nicht falsch. Ich erwarte nicht, dass der Metzger mir die Hand reicht. Aber er hätte sich beispielsweise öffentlich bei Domenico Tedesco entschuldigen können. Für sein Versagen als Aufsichtsratsvorsitzender. Für seine leeren Versprechungen.

Sei es, wie es sei. Ich bin einfach noch nicht wieder bereit für Leidenschaft. Mein noch drei Monate gültiger Fanshop-Geburtstagsgutschein wird wohl leider verfallen müssen, Herr Jobst. Und das liegt nicht an fehlenden „Wir leben dich“-Adjektiven, sondern daran, dass Sie und ihre Mitstreiter in der Bringschuld sind. Nicht wir. Wir haben alles gegeben, uns leer saugen, geradezu schröpfen lassen. Sorgen sie dafür, dass euer Produkt, dass UNSER VEREIN wieder Qualität aufweist – und damit meine ich nicht zwingend Erfolg. Sorgen sie dafür, dass Versprechungen bezüglich Konstanz und Maßstäben eingehalten werden. Bleiben Sie als Unternehmen glaubwürdig. Arbeiten sie in ALLEN Organen professionell. Dann kommen auch neue Sponsoren. Und dann geben die Fans gerne ihr letztes Hemd. Seid demütig und entschuldigt euch aufrichtig für gebrochene Worte und fehlende Taten, statt Forderungen zu stellen. Am besten sofort.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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