1000 Trainer…

Jörg Berger, Huub Stevens. UEFA Cup, geklaute Meisterschaft.

Danach?

Frank Neubarth. Co-Trainer: Niemand geringeres als Norbert Elgert. Nach 26 Spieltagen ist Schluss. Trotz Assauers vorherigem Satz „Wir ziehen das Ding mit dem Trainer durch.“ Platz 6 ist einfach zu wenig. 5 war schließlich das Ziel. „Zu unerfahren“ soll es später heißen.

Richten soll es zunächst der Spieler Wilmots zusammen mit Ersatztorhüter Reck. Schon vorher sickert durch, dass in der nächsten Saison kein geringerer als Jupp Heynckes das Ruder übernehmen soll. Schalke wurde quasi trainerlos nur Siebter, und es kam dann genau so.

Nach einem Jahr war auch diese Zusammenarbeit beendet. Damals hielt man drei Punkten nach vier Spielen noch für einen schlechten Saisonstart und das Verhältnis zur Mannschaft galt ebenfalls als zerrüttet.

Co-Trainer Achterberg übernimmt, einmal mehr zusammen mit Reck. Doch nur sehr kurz. Denn dann kommt „Professor“ Ralf Rangnick.

Die Tabellenführung in seiner ersten Saison nach dem Sieg gegen Bayern im letzten Drittel der Saison konnte er leider nicht behaupten. Und in der zweiten Saison lief einiges schief. Nicht zuletzt das 0:6 im Pokal gegen Frankfurt war eher unbefriedigend. Wieder war es die Presse, die kurz vor er Winterpause verlauten ließ, dass der Vorstand mit dem Trainer nicht zufrieden sei. Bei den Fans hatte er jedoch ein Stein im Brett. Er verkündete seinen Abschied zum Saisonende, wurde jedoch nach der berühmten Ehrenrunde beurlaubt.

In der Winterpause übernahm zunächst Oliver Reck, bis man sich entschied Rangnicks Co-Trainer Slomka als Cheftrainer einzusetzen. Eine kleine Erfolgsstory begann. Nicht zuletzt dank der Entscheidung, Manuel Neuer ins Tor zu stellen. Wir alle kennen leider die Geschichte von 2007, als wir gegen Bochum und Dortmund nach langer Tabellenführung die Meisterschaft verspielten.

In der folgenden Saison schied man im Viertelfinale der Champions League gegen Barcelona aus. Eine Niederlage später wurde Slomka freigestellt. Manager Andreas Müller war der Ansicht, dass sich die Mannschaft unter Slomka nicht weiterentwickeln könne.

Mike Büskens leitete bis zum Saisonende. Durchaus ordentlich. Eine Chance für die neue Saison bekam er jedoch nicht. Die bekam Fred Rutten. Doch auch er hielt die Saison nicht durch. Im März 2009 war Schluss. Ebenso für Manager Müller.

Während Büskens wieder übernahm, wurden seltsame Namen für die Position des Managers gehandelt. Bierhoff und Kahn galten als heisse Kandidaten.

Gekommen ist jedoch Meistertrainer Magath. In Personalunion. Ein Metzelder. Ein Raúl. Eine verkorkste Bundesligasaison. Eine grandiose Champions-League-Saison. Ein Pokalsieg. Eine wirtschaftliche Vollkatastrophe. Keine Schalker Zeit hat wohl so sehr polarisiert wie diese.

Im März 2011 war für Magath Schluß. Erfolgsgarant Neuer war ebenfalls weg. Schalke schien ein einziger Scherbenhaufen zu sein. Horst Heldt, schon vorher an Magaths Seite gesetzt, übernahm die sportliche Leitung im Vorstand. Seppo Eichkorn leitete die Trainingseinheiten.

Aber nur kurz. Denn dann gelang ein kleines Meisterstück! Fan-Liebling Ralf Rangnick wurde zur Saison wiedergeholt. Diesmal macht man einfach alles besser. Goldene Zeiten schienen greifbar.

Doch dieser hatte wohl arge Probleme, die Hinterlassenschaften von Magath, wie zum Beispiel die berühmte „Knickbusmannschaft“ zu verwalten. Nach einem halben Jahr schmiss er hin. Aus gesundheitlichen Gründen.

Seppo übernahm wieder. Die Idee mit Rangnick war gut, man entwickelte eine ähnliche. Der andere Liebling, Jahrhundertrainer Stevens wurde zurückgeholt.

Niemand, den ich kenne, weiss so richtig, was ein Jahr später im Winter geschah. Irgendwas mit Leistungsverweigerung, Intrigen, oder was auch immer. Der Oberrang begann sich zu leeren wie in der ganzen Zeit in der Schalker Arena zuvor nicht. Stevens musste gehen. Jens Keller übernahm.

Es war diese Zeit, als es anfing, dass Trainern fortan Ideen und Konzepte abgesprochen wurden. Was woanders klappte, klappte auf Schalke lange nicht. Tabellenplätze? Einerlei! Die Mannschaft spielt einfach nicht schön oder effizient oder konstant genug. Nach fast zwei eigentlich recht erfolgreichen Jahren schasste man Keller. Und versprach sich mehr und mehr und mehr Erfolg von DiMatteo. Dieser hatte schliesslich die Champions League gewonnen. Und wer auch nur etwas von Mathe versteht…

Schalke brauchte etwas zu lange, um zu erkennen, dass man in Gelsenkirchen mit Algebra nicht weit kommt. Schalke wurde beliebig wie nie zuvor. Unansehnlich. Geradezu hässlich.

Dann kam Breitenreiter. Und irgendwie passte es für Aussenstehende wie mich. Leute, die näher am Verein waren erzählten skurrile Dinge. Wie auch immer: Heldt stand vor dem Aus. Neuer Wind musste her.

Boss Tönnies war sich sicher: Heidel macht es. Er wird Schalke endlich dorthin bringen, wo Schalke eben hingehört. Nach ganz, ganz oben. Der eigentlich erfolgreiche Breitenreiter, dem man dem Fan als langfristige Lösung verkaufte, musste nach nur einer Saison gehen. Heidel wollte frischen Wind. Er sah ihn in Weinzierl. Auch langfristig.

Ich stoppe an dieser Stelle. Bewusst. Und gehe in mich. Und frage mich selbst, wann, in all diesen kleinen Geschichten es nicht so war, das jemand zu Beginn als Heilsbringer angesehen oder zumindest verkauft wurde, um nicht schon kurze Zeit später aus immer wahnsinnig gutem Grund gechasst zu werden.

Schlechte Ergebnisse, kein erkennbares Konzept, frischer Wind, mit Huntelaars Frau in die Kiste gesprungen, was auch immer. Und immer gibt es mindestens Tausende, die das gut finden. Die eh schon die Schnauze voll hatten oder den Trainer sowieso nie mochten.

Ja, wir alle wollen Langfristigkeit. Aber nicht mit dem. Mit dem auch nicht. Und mit dem nicht. Nein, es ist immer erst der nächste Schuss, der sitzen muss.

Wer hält eigentlich die Flinte?

Es widert mich an, wie anmaßend über die ehemaligen Trainer geurteilt und gesprochen wird, die auf Schalke verbrannt wurden. Es widert mich an, wie sich Verantwortliche jedes Mal aus der Schusslinie nehmen, weil sie rechtzeitig zur Wiederwahl den vermeintlich nächsten großen Coup präsentieren. Es widert mich an, wie auf Schalke mit klugen, fleißigen Leuten umgegangen wird, die am System Schalke scheitern.

Aber es wird niemals das System sein, welches wir ändern. Wir fahren lieber weiter Karussell. Und spucken unseren Rotz auf die, die sich den Arsch für uns aufgerissen haben.

Glaubt jemand ernsthaft, dass wir mit Klopp, Tuchel oder wem auch immer erfolgreich gewesen wären? Nein, denn wir stehen uns selbst im Weg. Ein ums andere mal. Weil wir nicht mutig genug sind, neue Ideen und Konzepte zuzulassen. Weil wir nicht bereit sind, auch mal durch die Scheisse zu gehen, um wieder oben mitspielen zu können. Weil wir fest davon überzeugt sind, dass der letzte Trainer immer einmal besser und der nächste ein Heiland ist. Weil Erfolg auf Schalke nur Glück war und Misserfolg schließlich an irgendwem festgemacht werden musst. Und es an mehreren Faktoren festzumachen ist auch einfach zu kompliziert.

Macht weiter so, ihr Helden. Ihr Alleswisser. Ihr Besserkönner. Aber wundert euch bitte nicht immer wieder aufs Neue…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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