Drama

Was macht Fussball eigentlich so geil? Das reine Siegen kann es nicht sein, oder? Sonst wären ja alle nur den großen Clubs zugewandt. Aber ein Großteil der Fans findet sich doch stets bei den Partien der meist eher mäßig erfolgreichen Vereine ein.

Es kann nur ein kleiner Bruchteil der Schalker sein, die wegen irgendeines Erfolgs Fan geworden sind. Bei einem Größeren unterstelle ich, dass es nur indirekt mit Fußball zu tun hat.

Aber wenn es nun doch mit Fußball zu tun hat, was ist es dann? Ich glaube, ich liebe die Dramatik, die dieser Sport mit sich bringt. Und ich glaube, da bin ich bei meinem Verein bestens aufgehoben. Ich liebe Momente voller Adrenalin und Serotonin.

Ich liebe es, wenn der sonst schwache Konoplyanka von Links nach innen zieht und den Ball in die Maschen kloppt, als ginge es ums nackte Überleben. Ich liebe es, wenn Uth endlich aufblitzen lässt, was er kann, und ebenfalls einen unglaublichen Hammer auspackt. Und es schmälert meine Liebe kaum, wenn wir im Gegenzug den Ausgleich kassieren.

Ich fürchte sogar, ich bin unvernünftig genug, ein solches Spiel sehr viel geiler zu finden, als ein 1:0 mit wenig Druck und Elfmetertor. Und am Ende bin ich vielleicht sogar eine dieser Drama-Queens, die ein erneuter Abstieg nur noch enger an den Club binden würde.

Versteht mich nicht falsch. Ich freue mich über jeden Punkt, jeden Sieg, jeden Erfolg wie ein kleines Kind. Aber meine Liebe steigert es eben nicht. Ich bin gerne Schalker. Und ich habe mir noch nie eine Sekunde lang gewünscht, Anhänger eines Vereins zu sein, deren Fans mich auf der Arbeit jeden Montag strahlend auf die jeweiligen Resultate ansprechen.

Im Gegenteil: Ich hasse es, wenn wir verlieren. Ich will schon auch mal wieder einen Titel feiern. Aber brauchen tue ich es nicht.

Ich brauche nur geile Momente. Spannung. Drama. Und ein wenig Identifikation. Gebt mir mehr davon. Der Rest ist Beiwerk.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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