Königsmörder oder Eier aus Stahl?

Da war ja endlich mal wieder was los in den letzten Wochen! Der Publikumsliebling der vergangenen Saison wird nach Monaco verkauft, das Trainingslager läuft- außer bei der Verlängerung der Verletztenliste- so gar nicht rund, der Vertrag des Managers soll nicht verlängert werden und zu allem Überfluss wird nach Höwedes der nächste Kapitän sowie die nächste Vereinsikone vom Trainer auf die Bank beordert. Das klingt doch nach Schalke pur, oder nicht?

Es war schon ziemlich komisch, als Sonntagmittag die Meldung „Nübel ersetzt Fährmann!“ über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde. Ich war mir bis dahin eigentlich ziemlich sicher, dass man sich diese Baustelle nicht auch noch ans Bein bindet, obwohl es sportlich definitiv nachvollziehbar ist. Alex Nübel hat in den Spielen, die er im Kasten stand, eine solide Vorstellung abgeliefert. Ralf ist in letzter Zeit mit einigen Fehlern aufgefallen, auch im Testspiel gegen Genk wirkte er als Unsicherheitsfaktor in der Hintermannschaft. Aber dass das ganze trotzdem eine ordentliche Bombe ist, war sicherlich auch Tedesco klar.

Ich ziehe den Hut vor dieser Entscheidung. Tedesco hätte es sich einfach machen können. Niemand hätte ernsthaft protestiert, wenn Ralf weiterhin im Tor stehen würde. Immerhin ist er unser Kapitän und hat uns in den letzten Jahren oftmals den Arsch gerettet. Da muss man ihm auch mal eine Schwächeperiode zugestehen. Und Nübel will zwar spielen, hätte aber sicherlich intern keine Probleme gemacht und den Status als Nummer 2 weiterhin akzeptiert. Thema erledigt, weiter geht’s.

Einfach ist aber eben nicht immer automatisch richtig. Auch wenn es viele immer noch nicht wahrhaben wollen: Die Mannschaft steckt mitten im Abstiegskampf. Die Leistungen der Vorrunde lassen derzeit leider keinen anderen Status zu. Und damit heißt es zunächst: Erstmal 40 Punkte holen, egal wie. Es geht halt um den Verbleib in der Bundesliga und damit auch automatisch die Existenz des Vereines. Dem hat sich jeder unterzuordnen, ganz egal ob Neuzugang oder langjähriger, verdienter Spieler. Und wenn nun ein junger Nachwuchsspieler im Augenblick sportlich die Nase vorn hat, dann muss der auch spielen. Welche Tragweite diese Entscheidung hat, ist dabei vollkommen unwichtig

Mir tut dabei Ralf Fährmann unheimlich leid. Wenn man sieht, wie er mit Tränen in den Augen vor der Kurve steht, lässt das sicherlich keinen Schalker kalt. Auch unseren Trainer nicht, da bin ich mir sicher. Ich bin mir aber auch sicher, dass der Trainer keine bewusste Entscheidung treffen würde, die Schalke schadet. Dafür ist er zu akribisch und zu verbissen. Und ich denke, es ist ihm auch bewusst, dass bei dieser getroffenen Entscheidung sein Job auf dem Spiel steht, sollte der Schuss nach hinten losgehen. Und dennoch hat er es getan. Weil er es für das Beste hält. Nicht für sich, für Schalke.

Aus diesem Grund bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Chapeau Domenico, du hast wirklich Eier aus Stahl!

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
Henning

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