Tedesco raus, und dann?

Dass Tedesco in der Kritik steht, ist normal. Dass er vermutlich gehen werden muss, wenn nicht bald ein Wunder passiert, ist zumindest auf Schalke normal.

Der Schuldige am vermeintlichen Missverständnis ist schnell ausgemacht: Sportvorstand Heidel hätte zum zweiten Mal den Falschen an die Emscher geholt.

Ob es den Richtigen für diese Aufgabe überhaupt gibt, sei mal dahin gestellt. Irgendwo bestimmt. Vermutlich wird dann jeder Trainer, der in Dortmund Erfolg hatte oder hat genannt. Plus ein paar Weinzierls und Breitenreiters der neuen Generation.

Wer wieder ungeschoren davon kommen wird: Der, der diese vermeintlichen Missverständnisse nicht nur abgenickt hat, sondern die ach so inkompetenten Vorstände als Big Boss persönlich eingesetzt hat.

Alle Kompetenzen werden nun in Frage gestellt. Zuallererst die des Trainers. Aber der ist doch eigentlich jung und super. Also muss es der Manager sein, der die falschen Leute für viel zu viel Geld gekauft hat.

Moment. Gibt es nicht ein Gremium, welches unter anderem genau diese Funktion hat? Millionenschwere Ausgaben auf ihre Sinnhaftigkeit prüfen? Warum haben sie das nicht getan? Weil die sportliche Kompetenz fehlt(e)? Wohl mindestens.

Aber da fehlt bei Weitem noch mehr. Nämlich vor allem die Einsicht, dass man bei aller Liebe zum Verein und den damit verbundenen Investitionen vielleicht der Falsche für den Stuhl beziehungsweise Sessel ist.

E.V. hin oder her. Genau an dieser Stelle muss man sich mal mit dem Nachbarn vergleichen, dann weiss man, wo der Hammer hängt. Und dann sieht man auch den großen Unterschied.

Dortmund hat eine klare Struktur, bündelt Kompetenzen und lässt eine Hierarchie erkennen. Man scheut nicht davor, sich ins Boot zu holen, was man braucht. Schalke hingegen verwirklicht die Ideen eines Selbstdarstellers, der sich trotz all der Fehltritte immer wieder damit rühmen kann, wie oft Schalke in den letzten 17 Jahren international gespielt hat. Er erntet Applaus und Wohlwollen. Auf welche Kosten er dieses Erbe Assauers mehr schlecht als Recht verwaltet, wird Dank Nähe zum Boulevard und Treue der Fans zur Nebensache.

Turnus für Turnus füttert er genau so viel, wie er muss, um seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Es funktioniert. Denn er liebt Schalke. Er lebt Schalke. Da ist die Frage, wann er in den letzten Jahren mal Kompetenzen bewiesen hat, die nichts mit der reinen Führung eines Fleischbetriebes zu tun haben, natürlich tabu.

Machen wir einfach weiter mit Trial and Error. Lasst ihn weiter seine eigenen Fehler öffentlich als die der anderen anprangern. Irgendwann wird wieder einer eine Saison lang für Erfolg sorgen, bevor wir ihn vom Schlachthof jagen. Dann ist wieder alles geil genug.

Wir täten gut daran, aus diesem Wahnsinn auszubrechen.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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