Schönwetterblogging

Ich merke, dass ich mich zum Schönwetterblogger entwickle. Naja, fast. Ich stehe nicht so darauf, meinen Verein zu zerreißen. Und ich habe sehr lange im tiefen Sumpf noch nach kleinen Schätzen gesucht. Da bin ich lieber manchmal still.

Die lauteste Reaktion auf einen Artikel, in dem ich vor wenigen Wochen meine Verzweiflung über die damals aktuelle Situation zum Ausdruck brachte, war eine E-Mail von einem First-Class-Fan namens Rainer, der mir unterstellte, ich würde Stimmung gegen meinen geliebten Domenico machen.

Er hat dies in weiteren Mails, nachdem ich sogar noch ernsthaft auf ihn eingegangen bin, verdeutlicht. Und man kann nun berechtigterweise sagen, dass ich diesem Herrn gerade viel zu viel Aufmerksamkeit schenke.

Aber eigentlich sollte er auch nur der Einleitung dienen. Web 0.4 Leser wissen, dass ich selten etwas Schlechtes über irgendwen auf Schalke sage. Manchmal nervt das ganz bestimmt; schließlich habe ich auch noch an Magaths Güte geglaubt, als er schon gar nicht mehr da war.

Gut, ich habe mal gegen Tönnies gewettert, als mir sein Verhalten unangemessen erschien, aber Spieler und Trainer haben selten etwas abbekommen.

Ich schreibe gerne. Und ich liebe Schalke. Das ist, warum ich das hier mache. Warum ich zwischen Beruf, Familie, Sport und weiterem immer wieder Nischen suche, noch etwas in die Welt zu tippen.

Die Nischen werden – gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit – immer rarer. Mein Freund Rainer – jetzt muss er zu allem Überfluss auch noch überleiten – beschwerte sich, sofern ich seine letzte Mail richtig gedeutet habe, oder besser belustigte sich darüber, dass ich den jüngsten guten Leistungen nur „einen Dreizeiler“ widmete.

Die Realität sah so aus: Trotzdem ich nicht den Hauch von Zeit hatte, einen Artikel zu verfassen, wollte ich im Blog zu stehen wissen, das ich das sehr versöhnlich und geil fand. Dass gegen Nürnberg genau das gezeigt wurde, was ich mir im Artikel zuvor zu sehen gewünscht habe. Ich tat es in sehr kurzer, lyrischer Form. Weil es mir ein Anliegen war.

Und genau so ein Anliegen habe ich jetzt. Ich möchte deutlich sagen, dass es mir ziemlich egal ist, wie Schalke in Porto aufgetreten ist. Das mag vor allem daran liegen, dass ich erstens als Drittklassiker Schalker nicht die lange Reise nach Porto auf mich genommen habe, und zweitens, dass ich vor dem Anpfiff schon vollkommen selig und stolz war, weil unser Team in vier Spielen genug Punkte gesammelt hat, um im Achtelfinale der Champions League zu stehen.

Und nicht weniger deutlich möchte ich sagen, dass es natürlich zwei verlorene Punkte in Sinsheim waren, aber der Auftritt der Mannschaft Spaß gemacht hat. Es gibt nicht viele Teams, die bei dem ultrabrutalen und vor allem frühen Pressing der Hoffenheimer irgendwas mitgenommen hätten.

Ich bin der Entwicklung halber guter Dinge, aber gleichwohl immer ein wenig traurig, dass wir in der Liga nicht mehr erreichen können, was ein McKennie, ein Caligiuri, ein Tedesco oder ein Stambouli verdienen würden.

Ich liebe unser Team und ich stehe zu 104% hinter ihm. Ich wünsche mir sehnlichst, dass wir genau so mutig weiterspielen wie in den letzten beiden Ligaspielen. Dann kommt der Rest von allein. Vielleicht sogar ein Derbysieg. Vielleicht ein baldiger einstelliger Tabellenplatz. Vielleicht ja auch mal wieder ein paar Worte meiner Freunde. Oder eine wohlwollende Mail von Rainer. Nicht? Schade. Aber immerhin durftest du den Artikel jetzt auch abschließen.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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