Ausgebremst

Es ist ein nahezu unerträglicher Zustand, die eigenen Erwartungen so derart ausgebremst zu sehen. Wir sind keine Fussballzuschauer, alle wie wir hier schreiben und lesen. Wir sind Vollblutschalker. Das Schalkeemblem ist nicht nur in die Innenwand unserer Herzen gemeißelt: Schalke ist ein mehr oder weniger großer Teil unseres Lebens.

Wir haben uns gar nicht zu viel vorgemacht: Wir alle wussten, dass wir letzte Saison nicht Zweiter geworden sind, weil wir irgendeine Art von Dominanz ausgestrahlt haben: Wir haben erbittert gekämpft und am Ende mehr Punkte eingefahren als 16 andere Teams.

Wir alle wussten, dass das nicht heißt, dass wir uns diese Saison ambitionierte Ziele stecken müssen. Aber wir haben gehofft, dass es fernab dieser Ziele einen nächsten Schritt gibt. Eine Entwicklung. Ein Meisterstück des vermeintlich genialen, jungen und ursympathischen Trainers. Gleichwohl keine (Vize-)Meisterschaft.

Wir wurden zuerst enttäuscht, dann enttäuscht und dann noch drei weitere Male enttäuscht. Nur um dann kurze Zeit später, den Aufschwung erwartend, wieder enttäuscht zu werden.

Einzig in der Champions League scheint es bisher zu passen, so wie damals, in der Saison 10/11.

Damals sangen wir „Scheissegal, wir ham‘ Raúl“. Leider ist auch dieser Spaß kaum wiederholbar. Nein, stattdessen kommen noch bittere Hiobsbotschaften aus den Sportarztpraxen dieser Welt auf uns zu.

Es ist bitter, einen nächsten Schritt, beziehungsweise einen Aufschwung zu erhoffen und Backpfeifen zu erhalten. Eine nach der nächsten.

Und – da möchte ich den Plural lieber sein lassen – ich sitze immer noch da, und hoffe, dass der Trainer jede Chance bekommt, die er braucht, um mit Schalke zu wachsen.

Aber auch ich bin mittlerweile genervt. Nicht mehr so von der Spielweise. Aber von der immer gleichen Rhetorik vor dem nächsten Spiel. Ich will mir nicht mehr anhören, dass jedes Spiel ein Superschweres ist, jeder gegnerische Sturm brandgefährlich, jede gegnerische Abwehr kaum überwindbar und jeder gegnerische Trainer ein Fuchs.

Ich möchte, dass Schalke endlich wieder eine Breite Brust haben kann und mit Dieser auftritt. Ich möchte keine Angst vor Aufsteigern und Drittligisten haben. Ich möchte, dass wir wieder die Mannschaft sind, gegen die nicht mal Bayern gerne spielt. Ich möchte Mut, geniale Spielzüge und Kampf. Mehr als gemauerten Erfolg, der dann zu allem Überfluss auch noch ausbleibt.

Mein Fussballherz möchte nicht verstehen, wie man mit so vielen Spielern im Kader, die zuvor woanders erfolgreichen Hurrafußball gespielt haben, nur noch zähen Kleister auf den Platz bringt, bei dem der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage oft stets eher von Glück, als von Können abhängt. Oder taktischen Finessen. Oder von Schiedsrichtern. Oder was auch immer.

Aber was zum Teufel muss passieren? Ist dieser Tedesco, in den ich mich so heiß und innig verliebt habe am Ende wirklich ein Fußballverhinderer? Oder haben wir wirklich zuviel Schalker Seele ziehen lassen? Ich weiss es nicht. Und bin verzweifelt. Es hat nur einfach selten so wenig Spaß gemacht, Schalke zu leben…

Hilf, Fußballgott!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

Letzte Artikel von Andreas (Alle anzeigen)