Und es war Sommer…

Drei Niederlagen zum Saisonauftakt. Irgendwie geil, oder? Im Ernst: Jeder, der sich nun windet und ernsthaft vor den Kopf gestossen fühlt, hat sich letzte Saison auch nur die Tabelle angeschaut, oder? Ich meine: Die Situation hat sich nicht geändert: Jeder kann jeden schlagen und nun wurden wir eben dreimal geschlagen. Und der Nachbar eben nicht.

Nun fangen die ersten emsigen Ameisen an, wild umherzukrabbeln. Kreiden dem Trainer irgendwelche Worte an, die einfach nur sagen wollen, dass er den Kopf nicht in den Sand steckt, sondern nur noch motivierter ist. Ein Arbeiter. Ein Kämpfer.

Ich habe keine Angst vor dem sportlichen Untergang Schalkes. Nicht, wenn Tedesco am Ruder dieses Teams bleibt. Angst habe ich vor den Ameisen. Die, die Tedesco nun mit Weinzierl vergleichen. Die schon wieder dabei sind, Stricke zu drehen. Was glaubt ihr eigentlich? Was glaubt ihr, wer Schalke auf die Spur bringen soll, wenn nicht jemand, der so klug und so akribisch ist wie Tedesco?

Jemand, der schon mal die Champions League gewonnen hat, wie DiMatteo? Einer, der mal Meister war, wie Magath? Einer, der Schalke kennt, wie Stevens? Klopp? Tuchel? Nagelsmann? Ist klar. Die Sache ist doch, dass wir alle vor Hilflosigkeit nur so strampeln. Warum haben wir denn jetzt die nominell beste Verteidigung dieses Planeten vor unserem Superralle, und da passt nix zusammen? Wieso haben wir einmal mehr den Torgarant eines Konkurrenten zu uns gelockt und der weiss nicht mehr, wo das Tor steht? Wieso haben wir so kreative Köpfe im Mittelfeld und die spielen den Ball genau dem einzigen Gegner weit und breit in die Füsse?! Und zu allem Überfluss gibt es alle Naselang nur schlechte Nachrichten aus der Knappenschmiede…

Genau, wir wissen es nicht. Wir wissen nichts. Wir wissen nur, dass wenn es so wie letztes Jahr läuft, dass man nämlich am Ende der 90 Minuten ab und zu der ist, der ein Tor mehr geschossen hat, dass dann alles gut ist. Das Gekicke sah ähnlich aus, oder? Und vielleicht muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich bei diesem sehr theoretisch gewordenen Spiel nicht mehr ganz mitkomme. Aber die Zeiten, in denen Mannschaftsstärke mal Tagesform gleich Sieg ist, scheinen endgültig vorbei.

Pures Schach scheint es aber auch nicht zu sein, denn sonst würde Tedesco gewinnen. Da bin ich mir sicher. Doch das Problem ist: Wen oder was will ich denn beschreien, wenn ich mündiger Fan bleiben will? Ich will doch nicht verstummen, nur weil ich keine Ahnung habe. Ist es wirklich der Weggang von Kehrer, Goretzka und Meyer, der so schwer wiegt? Sind die Zugänge nicht gut genug? Oder ist der sympathische Trainer am Ende doch ein Lauch? Fehlt jemand im Trainer oder Betreuerstab? Oder wäre mit schöneren Trikots alles besser?

Ich höre immer nur diese nachträgliche Schläue. War ein Spieler schlecht, hätte man ihn nicht aufgestellt. Bleibt er schlecht, hätte man ihn gar nicht erst gekauft. Ist jemand woanders gut, hätte man ihn nicht gehen lassen. Verliert ein Trainer, ist er nicht der Richtige. Läuft es schlecht, machen DIE alles falsch. Läuft es gut, sind WIR die geilsten.

Wir Fans sollten jetzt genau das tun, was unser Teil zum Erfolg sein kann. Ruhe bewahren, vertrauen, zusprechen & supporten. Hinter der Mannschaft und dem Trainer stehen, wie wir sie im Erfolgsfall abfeiern würden. Denn allein das macht Fans zu aussergewöhnlichen Fans. Und dass bedeutet natürlich nicht, dass man nicht konstruktiv kritisieren sollte. Aber konstruktives endet selten auf „raus!“.

Immer locker bleiben: Embolo hat gezeigt, dass es geht. Und wir haben schon Schlimmeres als drei bis fünf Niederlagen erlebt…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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