Werbe-Bande

Denk ich an Die Mannschaft, denke ich nicht an geilen Sport, ich denke an Mercedes Benz-Trucks, die ich nicht fahre. Denk ich an Die Mannschaft, denke ich nicht an 11 beste Freunde, ich denke an Bitburger, das ich nicht trinke. Denke ich an Die Mannschaft, denke ich nicht an Stimmung im Stadion, ich denke an Coca Cola, aber nur ohne Zucker. Denke ich an Die Mannschaft, denke ich nicht an tolle Weltmeisterschaften und Weltgemeinschaft, ich denke an Nivea für den Herrn, das ich ablehne. Kein Rant.

Vielleicht liegt es an meinen 32 Lenzen und meinen verkalkenden Synapsen. Vielleicht auch an meinem empfindsamen Background und meinem Hang zu feingeistigem Scheiß. Da ich aber nun mal nur mein eigenes Gehirn kenne, kann ich auch nur von diesem berichten: Meine Assoziationen zur deutschen Nationalmannschaft sind heuer sehr quer. Ich denke nicht mehr an ein Team und erst recht nicht an mein Team, wenn Jogis Jungs auftreten. Ich denke nur noch an Markennamen.

Nicht alleine die Prostitution für mitunter moralisch zweifelhafte Produkte und deren Hersteller macht mir diese Assoziation, die gab es auch schon 1990 und 2014, sondern das superstareske Gehabe einer von einer Weltmeisterschaft vollkommen unterwältigten Scheißmannschaft, die sich im Trainingslager vor der Propaganda-Veranstaltung höflichst das Sie angeboten hat.

Die Frage, ob er denn glaube, dass der Titelt verteidigt werden könne, beantwortet der Kaltgetränke trinkende Torhüter der Nation nur gequält grinsend: „Wir hoffen es.“ Ich frage mich: Was kann man eigentlich auf dem Weg von der verheulten PK am Berger Feld zum überteuerten Loft an der Säbener Straße alles verlernen?

Ich fühle mich von Anfang an nicht von Die Mannschaft mitgenommen. Der Mercedes Benz-Truck ist ohne Halt an mir vorbeigefahren und das finde ich traurig. Da jammere ich gerne: Früher war alles besser, denn früher war alles besser. Der DFB ist einfach noch mehr drüber als 2014. So weit weg von mir ist nicht mal meine Exfreundin. Die will auch ab und an immerhin noch ein Wort mit mir wechseln oder vielleicht auch mit mir schlafen. Mit Thomas Müller möchte ich kein einziges Wort wechseln und die Vorstellung mit ihm zu schlafen missfällt mir nicht nur, weil ich keine Penisse mag. Die Mannschaft macht unsexy. Weil sie eine über den Platz trabende Litfasssäule ist, deren Reklamebotschaften weit über den Köpfen der Zuseher hängen. Arroganz kann natürlich sexy machen, Überheblichkeit ist jedoch herablassend und ich kann mir nicht vorstellen, dass der Sport sich gerne so behandeln lässt. Ich persönlich komme damit klar: Ich hau halt ab. Aber wer den Fußball ungewollt bumst, kann von ihm und seinen Freunden nicht erwarten, dann noch auf nen Gin Tonic eingeladen zu werden. Hashtag Bestneverrest. Ich bin schwer enttäuscht. Und dies ist kein Rant. Der Begriff würde meiner Enttäuschung nicht gerecht werden.

Und den Umgang des Deutschen mit seiner Nationalelf hab ich noch immer nicht verpackt. Aber das ist eine andere Enttäuschung.

Benjamin

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Quotenbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang '86 | Die Katze heißt Vlad | Unheilbar gesund | Gitarrist | Viel zu schnell unterwältigt | Twitter
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