Sehr geehrter Herr Wittmann!

Herzlichen Dank für Ihr heutiges Interview in der Zeitung mit den vier Buchstaben. Seriösen Medien glaube ich ja immer alles, deswegen kann das, was sie unter Ihrem Pseudonym „Max Meyer“ von sich geben, nur die reine Wahrheit sein. Der arme Junge wird gemobbt, vom bösen Trainer Domenico Tedesco und dem noch schlimmeren Menschenfeind Christian Heidel. Armer kleiner Max. Böses, böses Schalke.

Ok, nun aber ernsthaft: Glauben Sie tatsächlich, irgendjemand würde Ihnen diesen Mist abnehmen?? Bzw. was sind Sie für ein Mensch, dass Sie Ihren Schützling so dermaßen an den Pranger stellen? Wie kann man nur wegen dieser bescheuerten Machtkämpfe jemanden ganz offen so bloß stellen? Schämen Sie sich nicht?

Gut, wahrscheinlich kann ich all diese Fragen auch selbst beantworten. Ihnen ist das alles scheißegal, Hauptsache der Rubel rollt. Sie waren auf Schalke mal eine große Nummer. Zeitweise war fast die komplette erste Elf in Ihren schmuddeligen Beraterhänden. Dieses Bild hat sich jedoch gewandelt, außer Max Meyer ist aus dem aktuellen Kader nur noch Thilo Kehrer Ihr Klient. Klar, dass Ihnen da der Kamm schwillt. Rollen die königsblauen Millionen unter Christian Heidel nicht mehr so einfach, wie es (zumindest anscheinend) unter den Vorgängern Gang und Gäbe war. Jetzt sind Sie also eher ein angepisster Berater, der seinen Frust über den FC Schalke auslässt, dabei aber nicht einmal den Arsch in der Hose hat, es unter seinem eigenen Namen zu tun, sondern seinen, allem Anschein nach mit der Situation hoffnungslos überforderten, Schützling vorpreschen lässt. Den Löwen zum Fraß vorgeworfen, nur um sein eigenes Ego zu profilieren. Ekelhaft.

Aber ok, dann widme ich Ihnen nun tatsächlich etwas mehr Aufmerksamkeit als nötig und schaue mal auf „Ihren“ Max Meyer. Über die Stationen RW Oberhausen und MSV Duisburg  ist Max 2009 auf Schalke gekommen und im Jugendbereich voll eingeschlagen. Sowohl in der U 17 als auch in der U 19 war er einer der auffälligsten Spieler und erhielt demnach auch völlig zurecht relativ schnell einen Vertrag bei den Profis. Ein kometenhafter Aufstieg wurde ihm von nicht gerade wenigen Experten bescheinigt. Und es ging auch ganz nett los. Der Vertrag wurde vorzeitig verlängert und Max bekam in einer Zeit, in der Schalke verzweifelt auf der Suche nach Identität war, schön medienwirksam die Rückennummer 7. Der designierte Nachfolger von Raúl. Boah.

Hier hätte ein guter Berater auch einschreiten und dieses ganze Theater unterbinden können. Aber warum denn, schließlich war das ganze verbunden mit einer Vertragsverlängerung und entsprechend mehr Geld. Da sagt man ja nicht nein, vollkommen egal, ob der Junge das packt.

Die in ihn gesteckten Ziele und Erwartungen konnte Max ab diesem Zeitpunkt dann nicht wirklich erfüllen. Jens Keller, Roberto Di Matteo, Andre Breitenreiter und Markus Weinzierl waren die Trainer in der Vertragslaufzeit (von Ära will ich mal nicht anfangen) von Meyer. Unter allen vieren kam er zwar zum Zug und hat sicherlich auch das ein oder andere gute bis sehr gute Spiel gemacht, allerdings ließ seine Leistung auch häufiger Mal zu wünschen übrig, so dass er sich auf der Bank oder auf von ihm ungeliebten Positionen wiederfand. Man kann nun von den einzelnen Trainertypen halten, was man will, wer es aber bei vier verschiedenen Übungsleitern nicht schafft, sich in den Vordergrund zu spielen und zu einer unersetzbaren Stammkraft zu entwickeln, der ist vielleicht auch einfach nicht so gut, wie er es selbst gerne sehen würde. Nicht falsch verstehen, Max war bzw. ist sicher keine Luftpumpe, aber für den ganz großen Schritt reichte es bei ihm, anders als zum Beispiel bei Leroy Sané, bislang noch nicht.

 

Dann kam Domenico Tedesco zum Berger Feld. Nun hatte man als Außenstehender zum ersten Mal den Eindruck, als hätte dieser Coach endlich die richtige Position für Max gefunden. Unterm Strich spielte Meyer zwar defensiver, aber eben auch wesentlich auffälliger und stabiler als in den Jahren zuvor. Ich denke, jeder Schalker würde den Max Meyer der Vorrunde liebend gern weiter im königsblauen Trikot sehen.  Meyer hatte aber zu Beginn der Saison verlauten lassen, seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Zwischenzeitlich fühlte er sich dann unter Tedesco „so wohlwie lange nicht“ und wollte sich spätestens im März 2018 zu seiner Zukunft äußern bzw. sich entscheiden, ob das verbesserte Angebot von Schalke angenommen wird.

Seit heute wissen wir: Pustekuchen, alles falsch. Angeblich hätte ihm Heidel schon kurz nach Beginn seiner Tätigkeit gesagt, er könne gehen (Anmerkung der Redaktion: Es ist bei einem kompletten Neustart, wie ihn Schalke seit Heidels Amtsantritt hingelegt hat, durchaus legitim, keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Dazu gehört auch, dass man die Vergangenheit Vergangenheit sein lässt und sich ausschließlich um Gegenwart und Zukunft kümmert. Sollte es die Aussage „egal was vorher war“ tatsächlich so gegeben haben, ist es nur eines: Richtig!). Auch Tedesco hätte ihm nicht viel Spielzeit in Aussicht gestellt (erneute Anmerkung der Redaktion: Hmmm, da hab ich wohl ’ne andere Schalker Mannschaft in der Vorrunde gesehen). Einen vorzeitigen Wechsel wollte er selbst vor der Saison nicht, eine spätere Vertragsverlängerung aber auch nicht. Mit ihm hätte keiner mehr gesprochen, das Verhalten der Verantwortlichen grenze an Mobbing.

Nein, Herr Wittmann, das ist kein Mobbing, das ist Vertreten der eigenen Interessen. Dass, was Sie und ihre ebenso schmierigen Beraterkollegen in immer widerlicherer Form jedes Jahr aufs Neue tun. Wir sind ja mittlerweile so weit, dass Spieler zu Trainingsstreiks animiert werden, um einen Wechsel zu forcieren und sich selbst die Taschen voll zu machen. Nicht der Spieler bzw. der Verein steht im Vordergrund, sondern der eigene Profit.

Von offizieller Seite des Vereines gab es bis heute kein böses Wort zu Max Meyer. Im Gegenteil. Man geht mit einer Situation professionell um. Diese Professionalität hätte ich auch von Ihnen erwartet, auch um Ihrem Spieler den Abschied und vor allem auch seine Zukunft so einfach wie möglich zu machen. Aber nein, Sie lassen ihn ins offene Messer laufen und sorgen für Unruhe und Unmut. Vielleicht geht Ihnen einer dabei ab, ich weiß es nicht. Mir tut an dieser Stelle der Spieler leid, der Ihre Machtspielchen offenbar mittragen muss, wer weiß wie Ihre Verträge so gestaltet sind. Am Ende dieser Sache sind Sie bzw. Max der Verlierer. Der FC Schalke wird auch ohne Meyer weiter existieren. Der Spieler hat aber die Bürde, beim nächsten Verein funktionieren zu müssen, um nicht als ewiges Talent abgeschrieben zu werden. Massiver Druck schon vor dem ersten Training.

 

Oder um es einfacher zu machen, möchte ich an dieser Stelle Joschka Fischer zitieren:

Herr Wittmann, mit Verlaub: Sie sind ein Arschloch!

 

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
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