23 Apr

Wut.

Ich habe keine Ahnung, warum ich so wütend bin. Schließlich bin ich als Zuschauern geradezu erwartungslos in die Partie gegangen. Nach dem Derby habe ich gesagt, dass wir die erforderlichen Punkte noch holen, aber dass ich nicht glaube, dass wir in Köln punkten. Gestern, als ich mit Strom Hagemann telefonierte, sagte ich ihm, ich habe ein Remis-Gefühl.

Es ist nicht das Nicht-Gewinnen, dass mich wütend macht. Es war die Art des Auftritts nach dem 2:0. Wie die Leistung einzelner mir nichts dir nichts zerstört wurde. Köln ist aufgetreten wie ein Opfer. Wir haben uns ab einem gewissen Zeitpunkt unterworfen.

Und Goretzka. Natürlich ist er nicht Schuld. Und natürlich hat er seinen Anteil an guten Situationen. Aber ich kann nicht mehr hingucken, wie er seit Wochen auf 65% spielt und trotzdem immer und immer wieder für 90 Minuten auf dem Platz steht.

Und das macht mich doppelt wütend, weil ich den Trainer so gar nicht kritisieren will. Weil ich glaube, dass er das Maximum raus holt. Weil sich einfach jede Kritik an ihm verbietet, solang wir unter den ersten Vier sind.

Und das ist natürlich auch eine Wahrheit: Alles ist gut. Wir stehen vor Dortmund, wir brauchen noch einen Dreier um sicher durch zu sein, und den können wir in einem Heimspiel einfahren. Und dann gehen die letzten beiden Spiele nur noch um die Reviermeisterschaft.

Und selbst wenn nicht: Augsburg hat sich gestern gerettet, steht nicht unter Druck, Frankfurt wird am letzten Spieltag noch um irgendwas spielen. Einen davon schlagen wir. Oder ringen den allen ein Remis ab. Oder die TSG verliert einfach.

Sprich: Wir haben eigentlich schon jetzt so viel erreicht. Es gibt keinen Grund wütend zu sein. Wir haben eine tolle Saison mit großartigen Derbys gespielt. Wir können mit Tedescos Debutsaison vollends zufrieden sein. Und uns auf seine Zweite freuen. Fertig aus.

Aber Wut ist eben auch eins der intensivsten und energiegeladensten Gefühle eines Fußballfans. Und gehört einfach dazu. Und da bin ich doch lieber auf Goretzka sauer, als auf unsere Zukunft. Kanalisieren und Projizieren. Kann ich.

Auf die Tribüne. Sofort.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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Ernst Kuzorra sagt:

„Kanalisieren und Projizieren. Kann ich.“

Da zeigt sich die Qualifikation als Emotionsbeauftragter (mal wieder) besonders deutlich ;-)
Glück AUF!

Britta sagt:

Du sprichst mir so 1904% aus der Seele!!!!
Ganz genauso gehts mir auch. Absolut! Und kein Wort gegen Tedesco! Wehe!!!!!!

:D

Doktor_D sagt:

Also ich setze mich gegen Frankfurt wieder auf die Tribüne, aber das ist dann wohl nicht gemeint, oder?

Und ja, ich verstehe alles. Wenn nicht nach so einem Spiel, wann dann. Wut.

Carlito sagt:

Scheint ne Klausel im Vertrag zu haben, der „gute“ Leon.

Wie der mir mit seinem Getue, dem ewigen sich Fallenlassen und Lamentieren auf die Nüsse geht! Ich kann es kaum in Worte fassen. Scheint schon im Bayernmodus zu sein…

Mossi sagt:

Ich möchte jetzt auch beim besten Willen keine Kritik an Tedesco üben, allerdings verstehe ich auch heute noch nicht, wieso er gestern ohne Not zur Halbzeit das System umstellt (von 3-4-3 auf 3-4-1-2). Wenn er Embolo wegen Verletzung runternehmen muss, kann er ihn ja positionsgetreu ersetzen (Harit, Teuchert). Vor der Halbzeit haben wir meiner Meinung nach echt gut nach vorne gespielt (klar, auch weil Köln katastrophal verteidigt hat), nach der Pause hatten wir aber überhaupt keinen Zugriff mehr und haben uns – wohlgemerkt vom Tabellenletzten – hinten reindrücken lassen. Und ich wage die Behauptung, dass wir das Ding noch verloren hätten, wenn das Spiel fünf Minuten länger gedauert hätte. Daher kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, warum Tedesco nach dem Spiel die „Arroganz“ im ersten Durchgang kritisiert. Natürlich hätte man vier oder sogar fünf Tore vor der Pause machen müssen, aber die zweite Hälfte war in meinen Augen viiiiiiiel schlechter.

Bevor die Knüppel kommen: Wie gesagt, soll keine Grundsatzkritik sein, ich liebe wie ihr alle den Trainer und bin mit der Saison in höchstem Maße zufrieden. Allerdings habe ich ein bisschen Bammel, dass solche unnötigen Punktverluste am Ende dafür sorgen, dass wir nach dem 34. Spieltag doch noch hinter den Schwarz-Gelben landen – und das hätten Trainer, Team und Fans nach so einer unerwartet guten Saison einfach nicht verdient.

RWDJojo sagt:

Ich kann den Goretzka auch nicht mehr sehen. Spätestens seit der Verkündung seines Wechsels spielt der schlecht. Geniale oder wenigstens auffällige Aktionen, wie er sie in der Hinrunde noch gezeigt hat, finden nicht mehr statt. Stattdessen sind seine Aktionen vor dem Tor, sei es der letzte Pass oder der Torabschluss, einfach nur arrogant. Immer noch ein Haken machen oder ein möglichst schönes Tor erzielen, statt einfach den Ball ins Netz zu bringen.
Da Goretzka ständig spielt, ist dies auch bei Tedesco kritisch zu hinterfragen. Seit Meyer endgültig entschieden hat, seinen Vertrag nicht zu verlängern, spielt er nicht mehr. Goretzka dagegen immer. Ich glaube, dass Schalke ohne Goretzka in der Rückrunde nicht einen Punkt weniger geholt hätte.

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