Wut.

Ich habe keine Ahnung, warum ich so wütend bin. Schließlich bin ich als Zuschauern geradezu erwartungslos in die Partie gegangen. Nach dem Derby habe ich gesagt, dass wir die erforderlichen Punkte noch holen, aber dass ich nicht glaube, dass wir in Köln punkten. Gestern, als ich mit Strom Hagemann telefonierte, sagte ich ihm, ich habe ein Remis-Gefühl.

Es ist nicht das Nicht-Gewinnen, dass mich wütend macht. Es war die Art des Auftritts nach dem 2:0. Wie die Leistung einzelner mir nichts dir nichts zerstört wurde. Köln ist aufgetreten wie ein Opfer. Wir haben uns ab einem gewissen Zeitpunkt unterworfen.

Und Goretzka. Natürlich ist er nicht Schuld. Und natürlich hat er seinen Anteil an guten Situationen. Aber ich kann nicht mehr hingucken, wie er seit Wochen auf 65% spielt und trotzdem immer und immer wieder für 90 Minuten auf dem Platz steht.

Und das macht mich doppelt wütend, weil ich den Trainer so gar nicht kritisieren will. Weil ich glaube, dass er das Maximum raus holt. Weil sich einfach jede Kritik an ihm verbietet, solang wir unter den ersten Vier sind.

Und das ist natürlich auch eine Wahrheit: Alles ist gut. Wir stehen vor Dortmund, wir brauchen noch einen Dreier um sicher durch zu sein, und den können wir in einem Heimspiel einfahren. Und dann gehen die letzten beiden Spiele nur noch um die Reviermeisterschaft.

Und selbst wenn nicht: Augsburg hat sich gestern gerettet, steht nicht unter Druck, Frankfurt wird am letzten Spieltag noch um irgendwas spielen. Einen davon schlagen wir. Oder ringen den allen ein Remis ab. Oder die TSG verliert einfach.

Sprich: Wir haben eigentlich schon jetzt so viel erreicht. Es gibt keinen Grund wütend zu sein. Wir haben eine tolle Saison mit großartigen Derbys gespielt. Wir können mit Tedescos Debutsaison vollends zufrieden sein. Und uns auf seine Zweite freuen. Fertig aus.

Aber Wut ist eben auch eins der intensivsten und energiegeladensten Gefühle eines Fußballfans. Und gehört einfach dazu. Und da bin ich doch lieber auf Goretzka sauer, als auf unsere Zukunft. Kanalisieren und Projizieren. Kann ich.

Auf die Tribüne. Sofort.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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