Danke, Schalke!

Ach, mein Schalke. Zum Ende der letzten Saison habe ich mich fertig gefühlt. Fertig mit dir. Fertig mit der Bundesliga.

Die Entlassung Weinzierls habe ich eher spöttisch hingenommen. Über die Entlassung Breitenreiters im Jahr davor war ich gar entzürnt.

Heimlich frage ich mich immer noch, wie es wohl geworden wäre, wenn man ihn zu Heidels Einstand nicht entlassen hätte. Aber nur noch ganz heimlich. Denn diesen Domenico Tedesco würde ich nicht missen wollen.

Ein Teufelskerl. Ein emotionaler Kopfmensch. Ein Sympath. Einer, den man einfach lieb haben muss.

Seine Verpflichtung hat mich vom ersten Moment gefasst. Sein schüchterner erster Auftritt mit all dieser durchblitzenden Menschlichkeit, die im Profifussball so rar geworden ist. Einfach fantastisch.

Ich sehe gerade wirklich keinen schönen Fußball. Und es sind auch nicht die Punkte, die mich kicken. Es ist eher dieser über den Platz fegende Tedesco. Und es ist das Team, dass diesen Namen wieder verdient hat. Es sind Typen wie Caliguiri, Burgstaller und Naldo, die mir Spaß bereiten.

Und klar ist es dann doch auch der Erfolg. Klar ist es auch, in dieser Phase nicht auf die Gunst der anderen hoffen zu müssen, um die eigenen Ziele zu erreichen, weil man die Punkte in irgendwelchen Dörfern der Nation gelassen hat. Klar ist es der Zweite Platz.

Aber es ist vor allem die Spannung. Die Hoffnung. Der Glaube. Die Stimmung. Es ist einfach all das, weswegen ich mich mal in diesen Klub verliebt habe.

Denn das habe ich mich 1990 sicher nicht wegen des schönen Fußballs, wegen Dominanz und Ballbesitz, wegen irgendwelcher Stars oder unserem Standing im Weltmarkt.

Endlich freue ich mich wieder auf jeden Anstoß, ohne vorher an das Schlimmste zu denken. Endlich glaube ich wieder daran, dass wir auf dem Platz großes bewegen können. Ungeachtet der komischen Entwicklungen, die dieser Sport nimmt. Endlich geht es wieder einfach nur um Fußball.

Selbst die 1000 Trainer scheinen verstummt zu sein. Und ich glaube sogar, dass diese in meiner gesamten Fanlaufbahn noch nie so still waren. Kaum einer traut sich, etwas besser wissen zu wollen als der Mann an der Linie. Es ist herrlich.

Ich freue mich wie ein Kleinkind auf jeden Anstoß. Genieße wieder jede Minute. Ich fiebere wieder richtig mit, statt zuzuschauen. Und habe Tränen in den Augen, wenn die Mannschaft nach einem Sieg feiert.

Danke, Schalke, dass du wieder Spaß machst. Danke, Schalke, dass du wieder fest in meinem Herzen bist. Bleib so!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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