17 Mrz

Warum eigentlich?

Samstag, kurz nach 11. Schneefall, minus 04 Grad. Eisiger Wind. In knapp einer Stunde werde ich mich ins Auto setzen und die knapp 320 Kilometer nach Wolfsburg hinter mich bringen. Es ist winterlich, das muss man berücksichtigen.

Dort dann-hoffentlich zeitnah und ohne großen Stau- frühzeitig angekommen, erwartet mich die Tristesse der „Autostadt“, die Langeweile am Mittellandkanal. Kneipen oder Restaurants rund um die Arena-Fehlanzeige. Also ab ins Stadion. Gästebereich. Graue Betonwände, viele Zäune, wenig gastronomische Angebote. Frei bewegen innerhalb des Stadions ist natürlich auch nicht möglich. Also rein in den zugigen Block. Für nen Sitzplatz knapp 40 Euro hingelegt, aber das Spiel wird zum größten Teil im Stehen verfolgt. Abpfiff. Ab zum Auto und zunächst mal Stau, Stau, Stau. Irgendwann dann wieder auf der Bahn und in etwa um 01:00 Uhr Nachts zu Hause, sofern nichts dazwischen kommt. 13 Stunden und 650 km später. Für ein Fußballspiel.

Warum eigentlich?

Ich glaube, diese Frage hab ich mir- insbesondere wenn es mal wieder eine Klatsche gab- schon häufiger gestellt. Eine Antwort darauf zu finden, ist gar nicht so einfach. Vielleicht weiß ich mit meiner Zeit nichts Besseres anzufangen. Vielleicht hab ich gerade nichts anders zu tun. Vielleicht bin ich auch einfach bekloppt.

Ich weiß nur eins: Ich bin nicht allein. Mit mir werden 4000-6000 andere genauso bekloppte vor Ort sein. Aus allen Richtungen, auch aus den entferntesten Ecken dieses Landes. Schon beim ersten Zwischenstopp auf einer Raststätte werde ich die ersten gleichgesinnten treffen. Man kennt sich meistens nicht, aber grüßt trotzdem freundlich und kommt meist auch direkt ins Gespräch.  Herkunft, Geschlecht und sozialer Status spielen keine Rolle. Die Probleme des Alltages werden hinter sich gelassen. Heute zählt nur der Verein.

Jede/r lebt es anders, einer zieht sich vor dem Spiel schon den Vorhang zu, der andere ist völlig nüchtern und angespannt. Meckern, lachen, kotzen, pennen- es gibt nichts, was es nicht gibt. (Offtopic: Bis vor 14 Tagen hätte ich „wichsen“ ausgeschlossen. Dann war Hertha zu Gast in der Arena…) Teilweise völlig unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander, verschmelzen aber für 90 Minuten zu einer Einheit, die es sich zum Auftrag gemacht hat, unseren geliebten FC Schalke zu unterstützen. Gemeinsam leiden, gemeinsam ärgern, gemeinsam feiern. Weltuntergangsstimmung bei einer Niederlage, Euphorie bei einem Sieg. Aber eben alle gemeinsam und (jedenfalls fast immer) friedlich für ein Ziel. Drei Punkte. Ein kleines bisschen „perfekte Welt“, ein wenig so, wie ich mir auch das Zusammenleben außerhalb des Stadions vorstellen könnte.

Darum nämlich!
So, gleich 12, ich muss los. Glückauf!

 

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
Henning

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Carlito sagt:

Weil Spieltag ist, wäre auch eine legitime Antwort gewesen. ;)

Gute Fahrt, viel Spaß und bringt 3 Punkte mit, ihr ganzen positiv Bekloppten! ⚪

Jost sagt:

Bis gleich! Anreise aber mit dem Zug, macht bei diesem Wetter mehr Sinn.

Netsmurf sagt:

Hätte ich auch gemacht, aber ab Herford gibt es heute Abend nur Schienenersatzverkehr….daher dann doch Auto.
Allen eine gute Anreise, bis gleich ;-)

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