Mach’s noch einmal, Sam!

Frag mich nicht warum, aber eins der Spiele, an die ich mich immer erinnern werde, ist ein Heimspiel gegen Leverkusen. Es war die Ära Magath. Die Ära Raúl. Die Ära Knickbus. November 2010. Zehnter Spieltag. Schalke hatte bisher alles verkorkst, was zu verkorksen war. 6 Punkte nach 9 Spielen. Leverkusen hingegen war irgendwo in der oberen Tabellenhälfte zu verorten.

Doch Schalke dominierte von Beginn an das Geschehen. Doch Uchida und Huntelaar trafen jeweils nur das Aluminium. Letzterer sogar gleich zwei mal, jeweils nach genialen Flanken von Farfán. In der 46. Minute wurde er dann eingewechselt. Für Barnetta. Sidney Sam. 22 Jahre jung war der Junge, ser aus Kaiserslautern kam. Nachdem Neuer den ersten Anlauf noch gerade eben klären konnte, zappelte sein zweiter Schuß im Netz. Er war einfach schneller als Metzelder und Rakitic. Viel schneller. Sogar Jeff wirkte gegen ihn, als hätte er nach dem Training vergessen, die Medizinbälle aus der Hosentasche zu holen.

„So einen brauchen wir“, sagte ich zu meinem Nebenmann in der Kurve. Auch Löw wurde auf ihn aufmerksam. Vor allem, als er wenig später gegen seinen Ex-Klub noch ein beeindruckendes Doppelpack schnürte. Doch zunächst holte Horst Heldt, Magaths Nachfolger im Management Sport, zwei Jahre später den damals ausgewechselten Barnetta. Erst weitere 2 Jahre später kam Sam dann. Ich muss über keinen von beiden viele Worte verlieren. Aber ich muss zugeben, dass ich bei beiden bis zuletzt immer wieder gehofft habe, dass der Knoten noch platzt. Irgendwie dachte ich, dass man das doch nicht verlernen kann. Gebracht hat es nichts.

Tranquillo Barnetta wechselte nach seiner kurzen, königsblauen Karriere, innerhalb derer er noch ein Jahr nach Frankfurt ausgeliehen wurde, in die USA nach Philadelphia und spielte dort eine Recht erfolgreiche Saison. Inzwischen ist der 32-jährige in St. Gallen und schiebt eher eine ruhige Kugel. Sidney Sam backt direkt etwas kleinere Brötchen und verstärkt nun den VfL Bochum.

Auch als Bochumer mit tiefkönigsblauem Herzen kann ich den VfL nie ganz aus dem Fokus nehmen. Ich habe den Verein gehasst, als wir dort quasi 2007 die Meisterschaft verspielten. Doch wenn sie in der zweiten Liga spielen, wünsche ich ihnen stets Glück. Zu viele Leute, die ich mag, und die den ein echtes Fußballherz haben, fiebern mit dem VfL. Außerdem imponiert mir dieses kleine Stadion, welches direkt an der Bundesstraße im Zentrum Bochums liegt.

Deshalb wünsche ich auch Sam endlich den zweiten Frühling. Möge er professionell sein, dem VfL helfen und meinetwegen 30 Tore schießen. Dann habe ich wenigstens einen guten Grund, die frisch ausgegliederte Profifußballabteilung des VfL nächste Saison so richtig Scheiße zu finden.

Alles Gute, Sam. Schade, dass es auf Schalke nicht klappen wollte.

Anm.: Alle Informationen in diesem Artikel bezüglich des Spiels entstammen meiner Erinnerung und einer Eintrittskarte. Ich werde einen Teufel tun, und eine Richtigkeits-Garantie abgeben.

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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