Benedikt Höwedes

Lieber Benedikt,

Ich kann dich nicht leiden. Du bist so perfekt, du bist nie laut. Du verursachst keine Auffahrunfälle in Altenessen mit 180 km/h. Es gibt nichts, was man an dir nicht mögen könnte. Du bist so glatt, so besonnen, so Bodenständig. Deine Karriere verlief perfekt. Du bist nicht auffällig auf dem Platz. Hast aber die meisten Grätschen. Altar, du bist Weltmeister mit Deutschland und Pokalsieger mit Schalke 04.

Im Trainingslager konntest du von einer Sekunde auf die andere im Gespräch auf ein Lächeln umschalten, dass mich sogar als heterosexueller Mann überzeugt hat. Auf meinen Spruch „aha, dein Fotolächeln“ antwortest du „nee, nee ich mein das auch so“ und es war so authentisch, dass ich dir das glaubte.

Ich hab mal ein Foto gesehen, wie die Spieler des Profi-Kaders mit neuen Autos ausgestattet worden sind. Ein Haufen VW Touraegs gab es da zu sehen. Und ein kleinen Beattle Cabrio. Irgendwann hab ich herausgefunden, dass du derjenige bist, der sich nicht die größte Karre bestellt hat, sondern die schönste und lustigste.

2007 warst du bei Rock am Ring und schwärmst in einer Ausgabe von Sokrates, dass du vom Beatsteaks Konzert imponiert warst. Ich war bei dem gleichen Konzert. Schwer verliebt in ein blondes Mädchen. Es war das Konzert, was die Beatsteaks bei Rock am Ring legendär werden ließen. Es ist nach wie vor meine Lieblingsband.

Wir wissen, du wohnst in Düsseldorf, es ist, dass haben viele Untersuchungen gezeigt, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität und nicht zu weit von Gelsenkirchen entfernt. Ich hab mich selbst irgendwann dazu entschieden dort hinzuziehen.

Ein paar Monate bevor der Otto dir das Kapitänsamt abnahm, dachte ich, dass es für deine Karriere wirklich schade ist, dass du als langjähriger Kapitän des FC Schalke 04 niemals einen Pokal überreicht bekommen hast. Du hättest es mehr als Andere verdient.

Vor etwa 10 Jahren hast du das erste Spiel für eine Schalker Profi-Mannschaft bestritten. Champions League in Trondheim. Da warst du 19 Jahre und musstest kurzfristig Christian Pander ersetzen.

2011 bist du Kapitän geworden. Fünf Jahre lang hast du die Schalker Mannschaft aufs Spielfeld geführt.

2013 hast du den schönsten Derby Jubel aller Zeiten, den je ein Profispieler zu Freuen im Stande war gejubelt.

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Jetzt stehen die Zeichen auf Trennung und ich hätte mir gewünscht, dass du in deiner Karriere nur einen einzigen Profiverein haben wirst. Du hast jahrelang deine Fresse in die Kamera gehalten und dich vor den Verein gestellt.

Dafür möchte ich dir danken. Und Entschuldigung sagen, weil ich dich nicht leiden kann.

Ich hoffe, mit deinem nächsten Verein gewinnst du noch ein paar Titel. Und wenn das doch nichts wird mit der Wechselei, dann bleib doch einfach noch ewig auf Schalke.

Pepo

Fakten:
2002
Abitur an der Petra-Hinz-Berufschule in Essen,
2005
Studium der Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften an der Racip-Erdogan-Universität in Ankara
2008
Promotion an der Karl-Theodor-zu-Guttenberg-Univerität in München

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