Herr im eigenen Haus

Die Zeit der großzügigen Gastgeschenke auf Schalke scheint zumindest vorerst vorbei zu sein. Und überhaupt: Sieben Punkte in den letzten drei Ligaspielen, dazu der schwierige Auswärtssieg in Russland und der Triumph gegen Salzburg: Wir können uns momentan nicht wirklich beschweren.

Allein, wir tragen die schwere Bürde des verpatzten Starts mit uns, und werden das bis zum nächsten Sommer tun. Wir dürfen uns das Durchatmen bis zur Winterpause einfach nicht mehr erlauben. Sicher nicht im Pokal gegen Nürnberg. Sicher nicht im Derby. Ebensowenig zumindest noch nicht im nächsten Europa-League-Spiel. Und auch ganz sicher nicht in irgendeinem der anderen verbleibenden Ligaspiele.

Wir haben 7 Punkte in 8 Spielen geholt. Im wahrsten Sinne des Wortes ausgerechnet ein Derbysieg müsste her, um die Quote endlich auf über 1 zu heben. Doch die Chancen stehen diesmal sogar rein sportlich gar nicht schlecht. Denn das Team, welches gestern für den geilsten Club der Welt auflaufen durfte, hat bewiesen, dass wir nicht mehr nur von Einzelleistungen bzw. ausschließlich von Einzelspielern profitieren. Gerade die beiden Scorerpunkte von DiSanto haben gezeigt, dass der Aufwind bis in die letzten Windungen des Teams gereicht hat.

Denn der ehemalige Bremer war insgesamt diesmal fast noch auffälliger, als die achtköpfige Truppe Schwarzmarktkontrolleure, die sich vor Spielbeginn an der Kasse West versammelt hat, um von dort aus geradezu zielgerichtet an jeglichem Übel vorbeizulaufen. Und das soll was heissen.

Sorgen muss man sich nun vielleicht um Nabil Bentaleb machen, dessen Doppelpack in meinem postnihilistischen Aluhutclub als sicheres Zeichen gewertet wird, dass er spätestens in der 30. Spielminute gegen Nürnberg langzeitverletzt vom Platz getragen werden muss.

Doch Ernst beiseite, es macht einfach einen Riesenspaß, dieser Mannschaft zuzusehen. Auch wenn der gute Weg gerade höchstens mal eingeschlagen ist. Schließlich fehlen uns noch mehr als zweieinhalb Dutzend Punkte zum sicheren Klassenerhalt, denn machen wir uns nichts vor – so lange wir die obere Tabellenhälfte nicht erreicht ist, kann von Rehabilitation keine Rede sein.

Doch denken wir positiv und besinnen uns einfach auf Folgendes: Wir haben in den bisher acht Ligaspielen gegen sieben der Teams, die auf den ersten 10 Plätzen der Tabelle stehen, bereits gespielt. Der Achte im Bunde wird hoffentlich am nächsten Wochenende im Derby geschlagen. Nur der FC Augsburg, bei dem wir ein Remis holten, ist lediglich auf dem 12 Platz. Dies bedeutet gleichzeitig, dass wir nach dem Derby in den verbleibenden 8 Hinrundenspielen gegen die momentanen Tabellenplätze 15, 16, 13, 2, 11, 8, 18 und 17, also erstens – bis auf Leipzig –  nicht gerade gegen die Mannschaften der Stunde und zweitens gegen die vier Mannschaften, die momentan noch schlechter dastehen als wir, spielen müssen. Dürfen.

Geht man von einem durchaus möglichen und nicht gänzlich unrealistischen 2-Punkteschnitt in den restlichen Spielen aus, könnten wir die Hinrunde mit 25 Punkten vielleicht sogar im oberen Mittelfeld abschließen. Aber das ist nach gerade 2 guten Spielen natürlich nur euphorische Träumerei. Deswegen gerne ein ernüchtender Ausblick zum Schluß: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es Mannschaften gibt, die am Ende weniger Spiele verloren haben werden, als wir zum jetzigen Zeitpunkt schon.

Aber kleine Brötchen schmecken ja bekanntlich sowieso besser. Weiter so!

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

Letzte Artikel von Andreas (Alle anzeigen)