Lieber @s04,

Web 0.4 Sommerinterview: "Wir lebn dic"

du kennst doch sicherlich Burger King, oder? Ich weiß, die Fast-Food-Kette, die eine ihrer Filialen in unmittelbarer Nähe zu deinem und somit unserem Wohnzimmer errichten lassen oder – in der naheliegenden Annahme, dass es sich um ein Franchise-Unternehmen handelt – errichtet bekommen lassen hat, gehört nicht zu euren Sponsoren, aber man munkelt, dass sie mal Ausstatter einer unserer defensiven Mittelfeldspieler war. Das kann ich aber trotz eingehender Recherche nicht bestätigen.

Recherche. Da wären wir schon beim Stichwort. In nämlich genau dieser Fast-Food-Kette liegen nämlich Magazine aus. Den Namen habe ich vergessen. Irgendwas mit King wahrscheinlich. In diesem Magazin werden vor allem Filme und Spiele rezensiert, welche eben neu in den Läden oder Kinos erscheinen. So kann der Kunde beim Mampfen des selbst erstellten Nullquadruple-Burgers gedankenlos in diesem Magazin blättern und erweitert seinen Horizont und fasst eventuell sogar noch die mindestens zweite Kaufentscheidung des Tages. Im Cineplex, im Media Markt oder wo auch immer. Herrje. Soviel Werbung, und keiner bezahlt mich…

Apropos. Wie die Redakteure dieses Printprodukts arbeiten, entzieht sich meiner Kenntnis. Sind es Studenten, die für einen Apple und ein I und obendrauf noch die rezensierten Produkte arbeiten? Alles vorab? Oder sind es seriöse Journalisten, die das so nebenbei wegschreiben? Oder gar die Leute, die einem zuvor den Burger schief belegt haben? Ich habe nicht die geringste Ahnung.

Was ich mich aber jedesmal frage, wenn ich in diesem oder einem ähnlichen Magazin blättere ist, ob die Leute wohl zufrieden mit diesem Job sind. Diese Frage spitzte sich zu, als ich neulich die Besprechung eines Videospiels las – das kommt selten genug vor, eigentlich pflege ich mir nur die Bilder und Headlines anzuschauen – die sogar echt gut geschrieben war. Den Namen des Autoren suchte ich aber vergebens. Er war nicht angegeben.

Das beeindruckte mich irgendwie. Da schreiben irgendwelche Leute irgendweclhe Artikel, die vermutlich trotz des Wegwerfcharakters dieses Produkts mehr Leute erreichen, als ich es jemals tun werde, aber bekommen vermutlich nicht das geringste Feedback. Sie werden niemals erfahren, was die Leute über den Artikel gedacht haben. Geschweige denn, ob ihn auch nur einer außer dem Lektor je gelesen hat.

Ich bewundere diese Leute. Mehr noch: Mich reizt dieser Job sogar. Ich würde codierte schmutzige Worte und Botschaften senden. Und schlimmeres. Ich habe aber leider nicht die geringste Ahnung, wo ich mich dafür bewerben kann. Du sicherlich auch nicht. Und ich merke gerade, dass die Einleitung etwas lang geraten ist, so dass du den Teil des Beitrags, welcher dich betrifft, vielleicht nie erreichst. Wenn du es denn versucht hast.

Aber die Einleitung ist zum einen deshalb sehr passend, weil auch nie nie erfahren werde, ob du das hier lesen wirst. Weil, selbst wenn der unwahrscheinlich Fall eintrifft, dass du ab und an so schaust, was in ‚deinen‘ Blogs passiert, wirst du kein Feedback geben wollen. Oder können. Womit wir beim „zum Anderen“ sind: Die Bewunderung. Denn genau für diese maßlose Neutralität bewundere ich auch die Leute, die hinter dem @ sitzen.

Jeden Tag schreibt ihr Dinge in die sozialen Medien, die von zigtausenden von Leuten dort gelesen, kommentiert und geliked werden. Und die Menschen mit den Fingern, welche die Sachen in die Tastatur getippt haben, interessieren dabei kaum jemanden. Warum auch? Sie sind meist unverbindlich, interagieren kaum und sprechen im Namen einer der größten Vereine der Welt.

Ich stelle es mir hart vor. Wir alle wissen, dass unter den 1000 Freunden mindestens 100 Pappnasen sind. Aus eurer Sicht ist der Anteil vielleicht sogar ungleich höher. Ihr kriegt bestimmt noch viel größeren Scheiß als das hier zu lesen, und dürft nicht mal antworten was ihr wollt. Schließlich müsst ihr geradezu politisch reagieren. Niemand will die eigenen Mitglieder und Anhänger verärgern. Neutralität im Inneren und der Blick für die Interessen des großen Ganzen im Äußeren ist gefordert.

Das macht ihr sicher hervorragend. Gar nicht so selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass der Club bis vor kurzem auf dieser Bühne überhaupt gar nicht stattgefunden hat. Da waren die Accounts von Schalke noch in den – zugegebenermaßen äußerst professionellen Händen – von Brinkert und Co.

Aber ihr habt das ziemlich schnell ziemlich gut hinbekommen. Und entschuldigt den Einwurf: Zwischenzeitlich war es unerträglich. Ein Trainingslagerfoto von seltsamen Teambuildingmaßnahmen nach dem anderen und irgendwie voll an den Bedürfnissen der LEser (sagt man das so?) vorbei. Und immer gute Mine, egal wie Scheiße es lief. „Gebt der Meute was sie braucht“. Aber ihr scheint euch hervorragend entwickelt zu haben. Längst seid ihr aus dem Schatten getreten, den verschiedene Fan-Communities und eine höchst professionell und sympathisch bestellte Hauptsponsorenseite bildeten.

Das Imperium wächst. Kanäle in verschiedenen Sprachen und für verschiedene Sparten kamen und kommen hinzu. Wie zum Beispiel der für „Fanbelange“. Dieses vermeintliche Outsourcing befremdet mich zwar ein wenig, weil ich davon ausgegangen bin, dass die Social-Media-Kanäle an sich für Fanbelange zuständig sind, aber andererseits stellt dieser Kanal auch eine Bereicherung dar, da man den anderen nun zeitweise getrost ignorieren kann, und nichts wichtiges verpasst. Komischerweise strömten jüngst auch immer wieder E-Sport Nachrichten über die offiziellen Seiten. Seltsam, wenn man bedenkt, dass Basketball und Co. diesbezüglich sehr stiefmütterlich behandelt werden.

So weit so gut. Doch mir selbst will das nicht natürlich alles nicht recht gefallen. Die Ignoranz, die ihr den Online-Fan-Erzeugnissen entgegen bringt ist genau so gruselig wie verständlich. Wie könntet ihr einen noch so guten Blogartikel schreiben, wenn der Autor noch kurz zuvor das vermeintliche Oberhaupt beleidigt hat? Und überhaupt steckt da vermutlich viel zu viel Meinung drin. Diese ist sicherlich nicht zielführend, wenn man Millionen Menschen unter einen Hut bringen und zufriedenstellen muss. Leider gilt der Vorwurf der Ignoranz aber nicht nur für deine Social-Media-Kanäle, sondern für den ganzen Verein an sich. Aber das ist ein Thema, welches ich gerne an anderer Stelle nochmal erörtern werde.

Zurück zu euch. Ihr müsst euch meist zurückhalten. Ruhe bewahren. Und eure Meinung höchstens woanders kund tun. Ob ihr das öffentlich tut, ist indeseine gute Frage. Das weiß man ja meist eben nicht. Denn zumnindest ich weiss nicht, mit wem ich es zu tun habe, wenn ich eure Posts lese und darauf antworte. Ich werde es wohl nie erfahren.

Wieso ich das alles schreibe? Weil ich euch – wie bereits erwähnt – trotz der angebrachten Kritik bewundere. Für eure gesichtslose, und mittlerweile recht gute Arbeit. Weil ich euch danken und beglückwünschen will. Für die wahnsinnige Entwicklung, die ihr im Bereich Social Media gemacht habt. Weil ich glaube, dass Schalke da auf dem richtigen Weg ist, auch wenn es am Anfang ein wenig holprig anmutete. Und weil ich euch im Gegensatz zum Burger-King-Mann vielleicht erreiche…

Weiter so. Glück Auf!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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