Noch ein Brief

Lieber Clemens,

gemessen an den Geschützen die du auffährst, scheinst du anderes zu befürchten, ich aber glaube, dass es nur eine Formsache sein wird, dass du am Sonntag in deinem Amt bestätigt wirst.

Denn auf Schalke läuft es nicht anders, als im Rest der Nation. Wo immer man sich für eine bestimmte Zeit wählen lässt, darf man Ruhig im Nachhinein alle Versprechen und Beteuerungen vergessen machen: Es reicht der Grundkurs Rhetorik und ein gut sortiertes Adressbuch um kurz vor der Wahl wieder alles gerade zu biegen. Bzw. bei den vermeintlichen Gegenspielern alles noch krummer aussehen zu lassen.

Die Situation spricht allein für dich. Es war richtig, gut und Sinne der Demokratie, dass der Wahlausschuß dich zur Wahl zugelassen hat. Schade nur, dass er aus unerfindlichen Gründen keine ernstzunehmenden Alternativen präsentieren konnte. Dass es welche gegeben hätte, weiß ich aus allererster Hand.

Ich verzichte mal auf Aluhut-Theorien. Aber dass da nicht alles ganz sauber gelaufen ist, liegt wohl auf der Hand.

Sei es, wie es sei. Du bist dafür bekannt, Grauzonen auszunutzen, um deine Ziele zu erreichen. Nicht nur auf Schalke. Eilausschüße, wo keine von Nöten sind, und unbedachte, für den Verein schadhafte Äußerungen in der Presse sind einige belegbare Beispiele. Dass du nun dazu all deine Puppen tanzen lässt, um deine Kritiker wie die letzten Idioten hinzustellen, zeugt aber davon, dass die Kritik nicht unberechtigt ist.

Clemens, bleib sportlich. Hör auf so zu tun, als seist du unersetzbar. Hör auf, so zu tun, als seien deine Kritiker alle naiv und kurzsichtig. Hör auf zu behaupten, dass alle, die gerne jemand anderen im Vorsitz des Aufsichtsrats sehen wollen Leute sind, die Fanherrschaft fordern. Hör auf, so zu tun, als seien deine Gegenspieler Leute, die weder von Sport noch von Wirtschaft Ahnung haben.

Was ich sagen will: Sei einfach Sportsmann. Denn das wäre der einzige Grund, dir deine Worte von Rückzug und Veränderung zu glauben. Und tatsächlich; dann hättest du auch meine Stimme.

Aber das, was im Moment passiert, ist nur Öl ins Feuer. Und zwar nicht in die 1000, in die es gehören würde.

Ich habe es satt mich – als Kritiker – von dir und deinen Parteifreundpendants in eine Ecke mit den bekannten Querköpfen stellen zu lassen.

Wir sind Mitglieder des Vereins. Nimm verdammt nochmal ernst, was wir zu bemängeln haben. Nimm dein Amt ernst. Kontrolliere. Beaufsichtige. Berate. Und steh zu deinen eigenen Entscheidungen und Fehlern. Sorge für Ruhe, statt Unruhe zu stiften. Dann sollte einer langen, ruhigen, erfolgreichen Zeit mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden Tönnies nichts im Wege stehen.

Foto: Von Fotografie: Frank C. Müller, Baden-Baden – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3807019

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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