Von Fähnchen und Wind

Es beginnt eine Saison, ein neuer Trainer wird geholt. Das klappt alles prima. Aufbruchstimmung, ein Plan, und ohne Saisonziel wird zum großen Umbruch geblasen.

Doch kurze Zeit später ist auf Schalke erneut alles für’n Arsch.

Der Trainer fühlt sich ungerecht behandelt und die Presse macht sich mehr oder weniger darüber lustig. Dabei könnten beide Seiten voneinander profitieren, hätten sich die Fronten nicht längst verhärtet.

Jungen und unerfahrenen Spielern kann man schnell mal einen Fehlpass oder einen schlechten Tag verzeihen. Da wird es als ganz natürlich angesehen, wenn die Leistung mal schwammig ist.

Dass junge Trainer allerdings auch eine gewisse Anlaufzeit brauchen könnten, kommt mir dabei zu kurz. Gerade auf Schalke wird jedes Wort auf die Kohlenwaage gelegt. Auch Andre Breitenreiter muss den Umgang mit dem schwierigen Umfeld lernen.

Er selbst sagt, er habe die Medienlandschaft unterschätzt, und dass er nun lernen muss, mal mit einem Rückschlag umzugehen. Bisher ging seine Karriere stets Bergauf.

Wenn man sich doch schon auf die Fahnen schreibt, mal Geduld zu beweisen und einen Trainer in Ruhe arbeiten zu lassen, wie kann es dann sein, dass ein halbes Jahr später der Trainer schon wieder weggeschrieben wird?

Dazu kommen die andere Fähnchen. Presseleute, solche die gerne dazugehören würden, und vor allem unser zukünftiger Ex-Vostand Sport. Denen würde ich einfach mal entgegnen: Haltet doch mal eure Fresse!

Die Presse zieht sich an vermeintlichen Skandalmedlungen hoch: Unser Trainer ist ein Arschloch und keiner mag ihn. Anschließend spricht der Trainer von gezielter Stimmungsmache, was ich tatsächlich nachvollziehen kann (Die Gedanken sind frei…). Er verliert seine Lockerheit, versucht aber, sein Ding durchzuziehen.

Fortan liest man von gewissen Reportern tatsächlich gezielte Sticheleien auf Twitter a lá „Na, gibbet heute wieder ne Medienschelte vom Trainer?“ oder „Hat der Trainer schon wieder die Presse abgewatscht?“

Die nächsten Fähnchen ziehen fleißig mit und erklären den Trainer schon mal für gescheitert. Der tolle Saisonstart ist bereits vergessen; eine Weiterentwicklung ist seit Keller eh nicht zu erkennen (WTF!?) und eigentlich hätten wir lieber einen Tuchel oder einen Pep! (Aaaaaaaaaahhhhhhh…)

Es geht nicht darum, irgendeinen Reporter an den Pranger zu stellen. Egal ob die Blöd, Sky, die Funke Gruppe… ich würde mir einfach mal wieder ein wenig Reflektion der schreibenden Zunft wünschen. Entweder wissen sie einfach nicht, welche Wirkung das eigene Handeln hat (was natürlich total naiv und unvorstellbar ist), oder es wird aufgrund des „Exklusiv-Druckes“ einfach mal in Kauf genommen. Weil was ist Schalke ohne Theater? Ohne Skandal?

Das Schlimme ist: Es ist immer das gleiche Schema. Was man sich vornimmt, ist schnell wieder über Board geworfen und niemand stellt sich dagegen. Schon gar nicht von den Verantwortlichen, die sich als Vorgesetzte verstehen. Und wo es gerade sowieso so klasse lief auf Schalke, erklärt Heldt mal kurz nebenbei, dass es nun doch ein Saisonziel gibt: Champions League Quali. Einfach so. Die größte Fahne auf Schalke.

Klar kann man nun sagen ‚Lass ihn reden, der ist eh bald weg‘. Aber das war der Moment, an dem ich das erste mal dachte, zum Glück ist der Knaller bald weg vom Berger Feld. Sowas kann doch nur schaden! Was zum Teufel denkt der sich dabei?

Tatsächlich habe ich die Hoffnung, dass es unter Heidel besser läuft. Dass er nicht ständig seine Meinung ändert. Und dass er nicht mit dem Wind schwingt…

Sebastian

Sebastian

Fakten:
Schlagstockbeauftragter | Jahrgang '86 | Wohnhaft in Castrop-Rauxel | Drummer | Meistens auf'm Schlauch | Große Fresse | #fcknzs
Sebastian

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