Dornen im königsblauen Auge

Der 1. Spieltag ist um und so mancher würde nach der zu Letzt so unangenehmen Inkonstanz sicherlich sofort den dritten Platz unterschreiben. Wären da nicht diese fiesen Nachbarn, die noch ein Törchen mehr geschossen haben. Ich indes glaube ja – und das sage ich nicht unbedingt euphoriegetragen, sondern selbstredend allein auf mein unglaubliches Fußballfachwissen basierend, welches ich mir im Laufe der letzten Jahre bei der Lektüre anderer Blogs erworben habe – dass wir diese Unterschrift in dieser Saison bitter bereuen würden.

Sei es wie es sei, das erste Spiel haben wir gemeistert (Ihr merkt es, oder?). Wir haben rasant und sicher begonnen, sind nach dem kuriosen Eigentor eingebrochen und nach einer Umstellung, für die sich Breitenreiter einen kleinen Orden anheften darf, wiedergekommen. Einen weiteren bekommt er noch für seine Präsenz, seine Körpersprache und seinen Umgang mit dem Team in der Öffentlichkeit. Das macht einfach wahnsinnig Spaß.

Ein Produkt dieses Spirits ist sicher auch der fotografische „Get Well Soon“-Gruß der Mannschaft an den Mann, der – natürlich völlig unverschuldet – für den nächsten Stachel sorgte. Dass mit Nastasic eine der beiden Bänke in der Innenverteidigung ausfällt ist mehr als bitter. Obwohl Neustädter seinen Job ohne Frage super gemacht hat, genau so, wie es Kaan Ayhan tun wird.

Die andere Bank ist aber präsenter denn je. Auch offensiv. Die Vorstöße von Matip, der sich zu einem meiner beiden Lieblingsspieler im Team zählen darf, waren grandios und haben mindestens beim zweiten Tor große Anerkennung verdient. Ich habe mich so für den Jungen gefreut. Das gleiche gilt für meinen 2. Lieblingsspieler Leroy Sané, der nach seiner Einwechslung diesen wunderbaren Lauf hatte. Während Matip augenscheinlich irgendwie von der Verwunderung der gegnerischen Verteidiger lebt – diese müssen wahrscheinlich erstmal überlegen, wer das ist – sieht man Leroy vom ersten Schritt aus an, wie er seinen Weg sucht, plant und letztendlich geht. Mein Herz hüpft, wenn er dann mit einem schnellen Haken dem gegnerischen Versuch einer Grätsche ausweicht und auch noch genau weiss, wo und wann er den Ball hinzuspielen hat.

Ähnlich genial waren die Flachen Diagonalpässe von Draxler über den halben Platz. Ich weiss gar nicht, ob ich mich so sehr darüber freuen könnte, wenn ich nicht wüsste, dass das unsere Jungs sind. Stark!

Ich bin dankbar, den ersten Auswärtssieg des Jahres 2015 in der Bundesliga gesehen zu haben. Auch wenn eben (noch) nicht alles Gold war. Aber da sollten wir uns ganz schnell daran erinnern, dass es nach einer Umstrukturierung auch mal ein bis zwei Jahre dauert, bis die richtigen Früchte geerntet werden können. Wir müssen sie nur reifen lassen. In Ruhe.

Diese Ruhe hätte ich auch DiSanto gegönnt. Nicht etwa im Bremer Stadion. Die Pfiffe waren abzusehen und gehen meines Erachtens in Ordnung. Aber die Posse in der Woche davor halte ich für absolut daneben. Der Spieler kommt zu einem neuen Team, liefert im Training augenscheinlich nicht das, was erwartet wird, und kriegt einen Anpfiff. So weit so gut. Er nimmt es sich zu Herzen, hängt sich rein und steht in der Startelf. Und die Journalisten hacken und hacken und hacken. Traurig und Arm. Und leider ein Argument für geschlossene Trainingseinheiten. Auch er wird Zeit brauchen. Und Vertrauen.

Jetzt heißt es für Mannschaft und Fans weiteratmen und auf die nächsten schwierigen Aufgaben freuen. Am Freitag ist ja bekanntlich eine dazu gekommen. Mönchengladbach ist natürlich ein Hammerlos, zumal wir innerhalb weniger Tage 2 Mal auf das Team treffen werden. Eine wirklich kuriose Situation. Aber immerhin ein Heimspiel und somit noch ein weiterer Grund zur Freude. Und mit den Fohlen können wir es bei aller Veränderung übrigens gerne so halten, wie in der letzten Saison.

Glück Auf! Mögen die Dornen sich nicht vermehren.

 

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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