Schalke!

Derbysieger! Derbysieger! Mindestens zwei Mal pro Saison haben wir seit jeher – zumindest wenn man mal von den Zweitligajahren absieht – die Chance, in einem Spiel Einiges bis Vieles Wett zu machen. Und wenn man dann nach einem hart erkämpften Derbysieg in der Tabelle noch über dem Vorortverein aus Lüdenscheid steht, ist die Schalker Welt doch in Ordnung. Oder? ODER???

Nein. Ist ja gar nicht wahr. Uns fehlt ja die Philosophie. Die Idee. Die taktische Finesse. Unsere Siege bringen wir nur durch Kampf zu Stande. Scheußlich! Oder? ODER??? Äh, Nein! Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich dieses Gelaber nervt. Da reden Sie jahrelang davon, dass uns die Typen fehlen, die sich den Arsch aufreiben, und wir noch so schön spielen können, und dann haben wir endlich die besagten Typen auf dem Platz, und dann will der feine Herr Schalke wieder Hacke, Spitze, Einszweidrei.

Ich meine: Ja! Ich will auch schönen Fußball. Ja! Dominanz ist prima, gibt Sicherheit und fühlt sich gut an. Aber: Ich schaue lieber einer mäßig kickenden Truppe beim Kämpfen zu, als einem gelangweilten Starensemble beim Verwalten eines Spieles. Weil DAS Schalke ist. Weil das das ist, in das ich mich in den Neunzigern verliebt habe.

Wer auch noch nach Siegen nach einer Philosophie auf dem Platz sucht, sollte vielleicht mal die des Vereins in Augenschein nehmen. Und wenn es gar die Spielphilosophie ist, für die man sich schließlich Eintritt zahlend sieht, dann kann man ja vielleicht zu Vereinen linsen, die welche in der Abwehr haben. Ich meine: Ich bin mir ziemlich sicher, dass, wenn ich 1997 in der Kurve irgendwas von Philosophie erzählt hätte, ich mir garantiert im Bergmannsheil eine Fahnenstange aus dem Allerwertesten hätte schneiden lassen müssen. Oder? ODER???

Ich für meinen Teil liebe nämlich genau das, was wir seit dem Spiel in London sehen dürfen: Ein Trainer, ein gutes Dutzend Spieler, Zusammenhalt und zu guter Letzt das lautest beschrieene ‚Kämpfen und Siegen‘. Weil es genau das ist, womit ich und der große Teil der Schalker Gemeinde sich identifizieren. Weil auch uns nichts zufliegt. Weil auch bei uns nichts gegeben ist. Weil wir für alles kämpfen müssen.

Wir lieben diesen Verein, weil er ist wie wir. Und ich spiele lieber mit einem ‚Nobody‘ wie Keller um Nüsse als mit einem Triple-Sieger-Trainer um die Schale. Und da soll mir keiner mit irgendeiner Wirtschaftsscheiße als Killer-Argument um die Ecke kommen. Denn lieber gehe ich mit einer Lore auf der Emscher unter, als auch nur noch ein Hauch mehr Alpenduft zu tragen, als unser Verein eh schon hat.

Auf geht’s Schalke, Kämpfen und Siegen.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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