Talfahrt

Eine Woche mit zwei aufreibenden Spielen liegt hinter uns. Beide endeten mit einem Remis. Während dies bei dem ersten Spiel als Erfolg zu werten ist, fühlt es sich bei der gestrigen Partie eher wie eine Niederlage an. Wieder ein Heimspiel, wieder ein schlagbarer Gegner, wieder nicht der lang ersehnte erste Saisonsieg. Und mehr noch: Der Kader wurde weiter ausgedünnt. Diesmal allerdings vor allem durch eigene Dummheit.

Ich möchte Draxlers Nachtreten und das vielleicht sogar notwendige Foul von Boateng gar nicht weiter kommentieren, so etwas passiert in einer derart hitzigen Partie, und über die gestrige Leistung des Schiedsrichters will ich an dieser Stelle ebenfalls nicht sprechen. Wohl aber über die Bitterkeit des Fakts, dass wir nun in Bremen nicht mal mehr ein breites Mittelfeld haben, nachdem die Verteidigung ja schon seit Wochen am Stock geht. Wie lange Draxler wegen diesem Unsinn ausfallen könnte, und dass er aller Wahrscheinlichkeit nach beim Derby fehlen wird, möchte ich mir gar nicht weiter vor Augen halten.

Einmal mehr liegt der Druck nun wohl vor allem bei dem 18-jährigen Max Meyer. Und irgendwie bleibt als letzter Trost dann doch das Gefühl, dass gerade solche Situationen wie geschaffen dafür sind, Sternstunden einzelner Spieler zu sein, seien es nun die Youngsters oder die zweite Reihe wie Barnetta und Obasi.

Doch sei es wie es sei: Knüppelharte Wochen warten auf uns. Und ich hoffe irgendwie stark, dass, sollte die nächste Woche keine Erfolge bereithalten, man nicht Dritte für die Fehler haftbar macht, die sich einige Spieler gestern leisteten. Natürlich kann man argumentieren, dass der Trainer Boateng hätte rechtzeitig vor sich selbst schützen können, sollen oder müssen. Aber ernsthaft: In einer Phase, in der Schalke endlich Aufwind bekommt und man ihnen das dritte Tor durchaus zutrauen kann, hätte ich auch nicht daran gedacht, das endlich funktionierende Mittelfeld mit einem Obasi oder Barnetta zu besetzen.

Ich wünsche mir – der angeschlagene Tenor mag euch langsam langweilen – nach wie vor, dass wir – die Fans – und auch die lokale Presse dem Trainerstab die Ruhe bieten, die er braucht, um diese schwierige Situation zu meistern. Und wenn es nur ist, um dem nächsten Coach zu signalisieren, dass gute Trainerarbeit auf Schalke möglich ist, uns man sich nicht mehr zwangsläufig auf ein Pulverfass setzt. Und wenn das bedeutet, dass dieses Jahr ein sportlich eher dünnes wird, dann dient das ja vielleicht sogar der Gesundung einiger Missstände, die sich so im Laufe der Jahre in einigen Köpfen und Gremien gebildet haben.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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