Tabu?

Es tickert sich so durch die Nachrichtenportale. Ein Ex-Schalker (-Bochumer, -Bremer, -Frankfurter bzw. -Stuttgarter) räumt auf. Und zwar in einem Buch. Nicht etwa, wie die meisten Ex-Schalker (-Bochumer, -Bremer, -Frankfurter bzw. -Stuttgarter) mit Schalke (Bochum, Bremen, Frankfurt bzw. Stuttgart) sondern mit seiner Kindheit. Und weil so ein Buch auch verkauft werden möchte, scheut er auch nicht davor zurück, sich von der ein oder anderen großen deutschen Tageszeitung interviewen zu lassen.

(Vielleicht zu) Kurz gesagt: Es geht um sexuellen Missbrauch und andere Misshandlungen durch seinen Vater. Es geht um seinen Umgang damit. Um das Totheissen seines Peinigers. Ich lese es, und mir wird übel. Aus verschiedenen Gründen. Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Das eine will nicht, dass man mit diesem Thema PR macht. Dass man damit Gewinne generiert. Dass man der BILD eine gute Story liefert. Das Andere weiss bestens, wie gut es tut, sich Solcherlei von der Seele zu schreiben. Wie wichtig es ist, dieses Tabu zu brechen. Rauszuschreien, wie weit verbreitet Dinge wie Pädophilie verbreitet sind. Und letztendlich, wie wichtig es ist, andere Opfer zum Sprechen oder Schreiben zu bewegen.

Es ist eine Gratwanderung sondergleichen. Wie bei all den anderen Themen auch; seien es psychische Erkrankungen oder andere schwere Schicksale. Ich wage mich nicht, mir ein Urteil zu bilden. Ich fühle mich mit der Thematik getroffen. Betroffen. Und schweige.

Ausserdem spüre ich erneut diesen Stachel: Man schaut den Menschen immer nur vor den Kopf. Wie es in ihnen aussieht, transportiert keine Kamera, nicht mal der direkte Blick. Assauer Alzheimer? Daum suchtkrank? Deisler Depressiv? Enke gar suizidal?

Ja, man schaut den Menschen immer nur vor den Kopf. Man sieht nur die Schädeldecke, und alles was dahinter liegt, malen wir uns aus. Sei es der Postbote, der Fußballprofi oder der Abteilungsleiter, und egal, wie sicher jemand auftritt: Letztendlich hat jeder sein Päckchen zu tragen. Und nur in den wenigsten Fällen ist der wirkliche Umfang zu erkennen.

Mich würde eure Meinung interessieren…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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