Kellerduell

Samstag Abend. Ich sitze wie früher mit meinem Vater vor dem Fernseher und gucke Sportschau. Wir beide kennen die Ergebnisse der Samstagnachmittags-Spiele nicht. Auch wie früher. Bei einer Partie liegt der Fokus des Beitrags auf den Trainern. Streich und Lieberknecht. Freiburg und Braunschweig. Dieser Fokus ist ihrer Hitzköpfigkeit geschuldet. Ich habe einen anderen Gedanken.

Denn vor allem waren das für mich ein Freiburg-Trainer und ein Braunschweig-Trainer. Nicht, wie in den Partien zuvor: Der Hertha-Trainer bei Gladbach, der Schalke-Trainer bei Stuttgart, welcher auch mal Hamburger war, der Nürnberger bei Wolfsburg, der bei Nürnberg schon Hannoveraner war, der Hannoveraner Schalke-Trainer bei Hamburg und so weiter und sofort. Währenddessen würde sich der Mainzer Erfolgscoach gerade gerne mit dem Barcelona-Trainer messen, der hat aber keine Lust mehr auf Bundesliga.

Letzte Woche führte ich einen kurzen Fußballsmalltalk mit einem Bayernfan. Er sagte sinngemäß: „Jens Keller ist nicht der richtige Mann für euch.“ Ich entgegnete nichts, weil ich derlei Diskussionen leid bin. Aber ich finde, Jens Keller ist genau der Richtige für uns. Er ist der Trainer, der endlich den Umschwung geschafft hat, den vorher so viele angekündigt hatten. Er ist der Trainer, der die Jugend wie kein anderer integriert hat. Er ist der Trainer, der uns trotzdem sicher auf dem dritten Platz stehen lässt. Er ist der Trainer, der uns ins Achtelfinale der Champions-League geführt hat. Und vor allem ist er Schalke-Trainer.

Ich für meinem Teil möchte ihm ein Denkmal bauen, einen unbefristeten Vertrag geben und mir seinen Namen auf den Knöchel tätowieren lassen (Keller am Knöchel. Hat was.). Er gewinnt diese Spiele wie gegen Frankfurt in der zweiten Halbzeit. Genau diese Spiele, bei denen uns in den Jahren zuvor nichts mehr eingefallen wäre. Er wechselt klug, er erreicht die Mannschaft auf dem Platz und bringt auch sonst die Spieler hinter sich wie kaum ein Zweiter vorher.

Keller ist längst das, was man bei Klopp zu Beginn seiner Dortmunder Amtszeit so gelobt hat, nur ohne den Dachschaden. Aber dennoch ist die Akzeptanz nicht die, die er längst verdient hat. Festgemacht wird das an den skurrilsten Dingen. Leider nicht an Erfolg und Mannschaftsführung. Ich bin froh, dass wir Jens haben und freue mich auf die verbleibenden Partien. In dem größten Vertrauen, dass er das bestmögliche aus dem jungen Team raus holt und der Überzeugung, dass er auch dem Rest der Liga noch beweisen wird, dass er bei uns goldrichtig ist.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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