Wir bilden dich: Niederlagen verarbeiten.

Schalke steht vor dem relativ aussichtslosen Rückspiel in Madrid. An ein Weiterkommen ist kaum zu denken und selbst ein knapper Sieg erscheint nicht sehr wahrscheinlich. Doch wie bereitet man sich auf eine Niederlage vor? Am Besten wohl mit der Frage, wie man mit einer Niederlage umgeht. Gibt es auf diese Frage eine universelle Antwort? Wenn man danach googelt, Zeitschriften durchblättert oder Freunde befragt, hört man immer wieder die gleichen Dinge:

  • Den Kopf nicht in den Sand stecken
  • Nicht aufgeben
  • Aufstehen und Weitergehen
  • An sich glauben
  • Noch schlechtere Zeiten ins Gedächtnis rufen
  • Gute Zeiten ins Gedächtnis rufen
  • Eine neue Frisur, Klamotten, Schuhe (jaja, wir Frauen)
  • Alkohol

Doch was hilft wirklich gegen diesen Kummer der Niederlage? Wenn die Niederlage so schmerzlich ist, dass man nicht einmal mehr müde grinsekatzenlächeln kann? Vielleicht können uns die Knappen, die nur noch wenige Stunden haben bis sie heute abend erneut in die „Arena“, auf´s Schlachtfeld müssen, Tipps geben? Oder hat jeder Mensch seine eigene Art und Weise, eine Niederlage zu überwinden?

Ich für meinen Teil habe die Antwort noch nicht gefunden. Ich habe einige der genannten Dinge ausprobiert, doch der Schmerz der Niederlage bleibt. Aber so ist das nun mal bei uns Schalkern. Immer wenn wir denken „Hey, es geht voran“ kommt eine Niederlage. Besonders schlimm, wenn man gar nicht damit rechnet. Oder aber wie heute… wenn man von einer Niederlage ausgeht. Die lustig-makaberen Sprüche derjenigen, die nach Madrid gereist sind mit Worten wie „Wir kommen nur zum Trinken.“ schmerzen irgendwie schon fast. Ähnlich ist es, wenn ein Knappe uns verlässt, der mir ans Herz gewachsen ist. Man denkt, hofft und will, dass er „ein Leben lang“ bleibt und dann kommt die Verkündung – einer Niederlage gleich – dass er geht. Und es raubt einem den Atem.

Sobald ich denke, dass es auf Schalke bergauf, oder besser Glückauf, geht, geschieht irgendetwas, was mich die Tür zu meinem königsblauem Herzen schließen lässt. Mitsamt dicker Stahlkette und doppelter Verriegelung. Dann stelle ich mir Fragen, ob ich mein Herz jemals wirklich wieder öffnen werde? Oder werde ich mich darin bloß wohnlich einrichten, hier und da ein paar Dekorationen aufstellen, düstere Ecken ausleuchten und anfangen mich darin wohl zu fühlen? Und falls ich es doch hinaus schaffe, wann wird es soweit sein? In ein paar Spieltagen, nächste Saison oder gar nimmer?

Und doch geht es meist wieder ganz schnell. Ja, die königsblaue Sucht. Die Verriegelung wird geöffnet, Stahlkettengerassel auf dem Boden des königsblauen Herzens und die Tür wird langsam wieder weit geöffnet. Weiter kämpfen, nicht unterkriegen lassen.

Es gibt kein Rezept. Aber es braucht vielleicht auch gar keins. Denn: “A life with Schalke makes you better, not bitter.”

Libera

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Gleichstellungsbeauftragte a.D.
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