Realismus

‚So wie einst Real Madrid‘ sangen wir früher. Das Lied, welches im fußballerischen Original dem Abwehrbollwerk der Kastilier und nicht etwa – wie wir es damals sangen – unserer zu diesem Zeitpunkt noch nicht unter Beweis gestellte Zeugungsfähigkeit huldigte, wird in vielen deutschen Stadien gesungen. Aufgrund des ausgetauschten, hochnotpeinlichen ersten Satzes, war mir aber zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst, was da gemeint war. Beziehungsweise war ich der festen Überzeugung, dass unsere Knappen irgendwann mal Real Madrid so richtig weggeputzt haben müssen, so wie wir halt die besungenen Damen… äh… gerne hätten.

Dem war wohl eher nicht so. Aber was solls: Mailand, Madrid… Ihr kennt das. Niemand glaubt wirklich an ein Wunder. Wie auch, wenn der Name des Gegners schon im Wort Realismus steckt. Doch da ist dieses Kitzeln. Sicher auch bei den Spielern. Ich bin mir sicher, sie werden am Mittwoch abend geradezu ‚Liberanisch‚ auflaufen. Jeder weiß, dass man im Fokus steht. Jeder weiß, dass eine gute Leistung von Millionen gesehen würde. Jeder weiß, dass ein Tor eine kleine Sensation ist. Und jeder weiß, dass man sich geradezu unsterblich machen kann.

Natürlich fragt man sich beim Buchmacher eher, wie viele Tore Schalke kassiert, als etwa nach dem ‚ob‘. Und natürlich hält sich jeder Fan, jeder Spieler, und jeder Offizielle mit seinen Hoffnungen schön bedeckt. Denn, ja, für einen Heimsieg, oder gar ein späteres Weiterkommen, müsste alles stimmen. Mehr noch, vermutlich dürfte beim Gegner sehr wenig zusammenlaufen, damit es trotz Höchstform unsererseit reicht. Aber es ist möglich! Das wissen wir. Aus Mailand. Aus London.

Es gibt diese Chance. Weil wir Teil des Zirkus sind. Weil wir uns unter die besten 16 Europas gemogelt haben. Und allein das ist wunderbar. Ich freue mich auf diese beiden Spiele. Und ich höre erst auf zu hoffen und an ein Wunder zu glauben, wenn rechnerisch absolut gar nichts mehr geht. Denn ich bin Schalker, und kein Realist.

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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