Wir bilden dich: Die Bayern-Ignoranz

Es gibt sie ja bekanntlich gar nicht. Die Bayern-Fans. Ausschließlich Zuschauer haben sie in ihren Reihen. Und die sind arrogant. Und überhaupt nur Zuschauer, weil sie einen sprichwörtlich kleinen Penis haben und deswegen zum Stärksten halten müssen. Echtes Fantum gibt es nur, wenn man auch mal bittere Niederlagen einstecken muss. Das wissen wir doch alle.

Irgendwie doch nur merkwürdig, wenn wir bedenken, wie wir alle zu unserem Verein gekommen sind. Zumindest kenne ich fast ausschließlich nur Geschichten, die nicht etwa davon erzählen, dass man sich in der Kicker-Sonderausgabe einen Verein nach irgendwie gearteten Gesichtspunkten ausgesucht hat, nein, sie erzählen von Freundschaft, Vererbung, Ansteckung, Lokalpatriotismus und Sondergleichen.

Fans – Entschuldigung – Zuschauern des FC Bayern traut man sowas aber nicht zu. Im Gegensatz zu allen anderen Fans in der Liga, suchen die sich ihren Verein dann wohl nach rationalen Gesichtspunkten aus. Also vor allem nach einem: Erfolg. Das vielzitierte Wort Tradition scheint in diesem Zusammenhang ein Gegenpol zu dem reichen Club, und das obwohl man ihm diese wohl kaum absprechen kann.

Doch die Bayern sind reich. Sie haben das Kapital. Und das ultrakonservative, hässliche Gesicht. Da nützt auch eingekaufter Pepp nichts. Sie äussern sich herablassend und arrogant, kaufen die Liga leer und waschen Schmutzwäsche vor wichtigen Spielen. Dieses Bild übertragen wir auch die Zuschauer. Ich möchte schon wieder fast Fans sagen. Und zwar auf jeden Einzelnen. Nicht nur auf den Gelegenheitszuschauer.

Das ist einfach. Und populär. Reichlich Arschlochbeispiele findet man ganz einfach – wie in jedem Klub. Aber wir selbst hinterfragen uns nicht. Unliebsamer Hauptsponsor? Na und? WIR SIND DER VEREIN. Ein Tiermordmogul als Clubchef? Na und? SOLL ICH MEINEM VEREIN JETZT DEN RÜCKEN KEHREN? Naziproblem auf den Rängen? ICH LASSE MIR MEINEN CLUB DOCH NICHT WEGNEHMEN.

Das ist alles sehr ehrenwert. Aber ein Bayernzuschauer, der seinem Verein den Rücken kehrt, um beispielsweise von nun an im Landeshauptstadtleid sein Glück zu suchen, wird in ganz Preussen gefeiert wie ein Popstar. Das Normalste der Welt. Endlich zum guten bekehrt, der Junge.

Wir sind Fans eines Bundesligaclubs. Ist die Bundesliga nicht ein wenig der FC Bayern des Fussballs? Warum halten wir nicht zum Fünftligisten vor der Haustür? Wegen dem Spielniveau? Achso, Naja. Moment. Warum überhaupt Fussball? Ist Fußball nicht ein wenig der FC Bayern des Sports? Ist das Milliardenspiel überhaupt noch Sport? Warum gehen wir nicht zum Handball? Warum feuern wir keinen Eishockeyverein an? Warum sind wir nicht Indiaka-Ultra beim BV Rentfort geworden?

Weil wir es uns nicht ausgesucht haben. Und doch wieder jeden Tag aufs neue aussuchen. Und weil wir nicht mehr oder weniger sind, als der, der sein Herz an den FC Bayern verschenkt hat. Ich möchte mit diesem Artikel gar niemanden in Schutz nehmen. Ich möchte gar keinen Weltfrieden. Ich wünsche mir nur manchmal etwas Selbstreflektion, wenn wir uns einmal mehr als die heiligen Überfans hinstellen. Die einzig Wahren. Die Richtigen. Denn ein wenig Respekt schadet auch vor dem ach so bösen Feind nicht.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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