Junge. Mode

Der komplette Cast kriegt eine Garderobe für alle. In Ordnung. Teamgefühl.
Obwohl heute jeder EINZELNE sein Bestes geben wird. Gut, wir sehen ALLE top aus. Micha. Hansi. Volker. Vor allem Ralf, der ist nicht nur groß, sondern auch schon richtig kräftig.
Heute wird DIE Show.
Diese Umkleide müffelt rattig, aber egal, wir kennen das vom Schulturnen. Das hier ist eindeutig was anderes. Gäste, steht außen an der Tür. Jawohl, wir werden empfangen wie ehrenwerte GÄSTE.

Jeder haut seine Tasche hin. Nicht irgendwo, nein, HIER ist heute mein Platz, der zweite von links, unter dem rückwärtigen Oberlicht. Hat hier heute einer was zu rempeln, zu ranzen, zu grölen? Kaum. Wir schweigen, stolz.
Helmut kommt rein, mit den Kartons. Da sind sie drin, die Kostüme. Die GARDEROBE. DIE TRICKOOOS!
Zwei, drei stehen auf. Einer nach dem anderen, bellt Helmut.
Und dann holen wir uns jeder ein Set, MEIN Set, DIE Garnitur! Blau. Mittelblau. Das schönste Blau der Welt. KÖNIGSblau, beinah‘.

Und jetzt zack, zack. Pulli aus. Unterhemd weg. Tricko drüber. Blau, langarm, weit, weiße Bündchen an den Handgelenken und am Hals. Ohne Nummern. Hinten drauf, weiß, nur der Club. Mir hängt meins bis kurz vor Oberkante Kniescheibe.
Dann die Buxe. Cordhose runter, blaue Baumwollshorts an. Kurz, da bleibt viel Bein! Aber locker im Sitz. Der Gummizug klemmt bei mir zum Glück noch oberhalb der Hüftknochen. Und jetzt das Tricko reinstopfen: Viel Stoff, da bleibt die Buxe oben.

Und nun, für mich die Krönung, die STUTZEN! Das gleiche Blau. Gummiband unterm Fuß her, über die weiße Kindertennissocke. Und dann den Halbstrumpf mit viel Gefühl GERADE nach oben gezogen, fast GEROLLT, einmal ans Schienbein schnacken lassen, dann den Bund sauber umlegen. Und noch mal am andern Bein.
Wir schnaufen kurz durch die Nasen. DAS ist die Kluft. SO geht Schlachtuniform.

Die Pötten haben wir selbst dabei. Klong, klong, klong aus den Taschen auf die kalten Fliesen gekloppt. Hardware. Drei Streifen, was sonst. Alle haben wir sie vom Schuh-Hölscher, der auch immer vorne mit aufm Vereinsblättchen steht.
Erst der rechte, dann der linke. Tradition für mich. Immer ein bisschen Gefummel mit den zu langen Schnürriemen. Und dann stehen wir auf. KLONK KLONK KLONK. Aschestollen.

FERTICH?? kläfft Helmut. Jau, murmeln wir. Ralf geht vor, und dann alle raus, aufn Platz. Blitzlichtgewitter, Flutlichtströme empfangen uns. Hundert Kameras surren, Hunderttausende brausen begeistert johlend auf.
Die Jungs vom SV Hövelhof warten schon. Tabellenführer, glaube ich.
Wir machen euch dicht, mit DIESEN TRICKOOOS machen wir euch DICHT!
Elf Mann, ganz in königlichem Mittelblau, und hinten drauf in Blütenweiß: DELBRÜCKER SPOCHTCLUB! Dafür stehen wir, gehen wir, sterben wir.

Zwei mal dreißig Minuten später, mit gerutschten Stutzen, Ascheplatzschürfwunde unter dem rechten Knie, vermutlich Nähe Kreuzband, wars zu Ende. Elfnull Hövelhof.

 

André

André

Fakten:
Zwischentonbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang erster Bühnenauftritt der Stones | Erster Verein: Rot-und-blau, W-S-V, und als Aktiver: königsblauer Delbrücker Spochtclub | WohnHAFT in Dortmund | Würde niemals in Lüdenscheid wohnen wollen | Hat das Consol Theater in Gelsen-kirchen mitgegründet, direkt neben dem Logo des Web 0.4 | unvergessliche Paraderolle: der blinde Trainer Otze Hirschregen
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