The skAndy Diaries

Samstag, der 14. Dezember 2013. Morgen steht das letzte Heimspiel der Königsblauen auf dem Programm, und ich kann der Veranstaltung – der Einladung der leider abwesenden Libera sei Dank – beiwohnen. Ich verabrede mich für Elf Uhr mit meinem Bruder um den Tag auf der Schalker Meile zu beginnen.

Sonntag morgen, ca. 4 Uhr. Erschöpft falle ich nach einem Konzertbesuch in Düsseldorf ins Bett. Ein Blick auf die Uhr verspricht eine kurze Nacht. Aber: No Regret. YOLO und so. Man gehört ja schließlich nicht zum alten Eisen.

Sonntag Vormittag, ca. 10 Uhr 30. Ich erwache und wundere mich kurz, dass ich dies noch vor dem Weckerklingeln tue. Ich schaue auf die Uhr und stelle mit Entsetzen fest, dass der Wecker mich im Stich gelassen hat. Verschlafen greife ich zum Handy um meinen Bruder zu informieren, der sicherlich schon unterwegs ist, bekomme aber lediglich seine Krankmeldung zu lesen. Gute Besserung an dieser Stelle. Puh. Na immerhin kann ich es langsam angehen lassen.

Sonntag mittag, ca 13 Uhr. Ich habe es etwas zu langsam angehen lassen. Für die Bahn ist es zu spät. Also schnappe ich mir eine Handvoll Web 0.4 Schals und setze mich ins Auto und dieses in Bewegung. A42 it is. An der Abfahrt in Schalke entscheide ich mich links abzubiegen. Stau ist für die anderen – Ich parke am Anno.

Sonntag mittag, ca 13 Uhr 30. Das Problem beim ‚Parken am Anno‘ ist, dass man gar nicht so recht weiss, was man am Anno soll. Denn man kann ja keinen Nordsturm trinken. Also hinein, einmal auf den Stehtisch geklopft, und direkt weiter zur Bahn. Auf dem kurzen Stück Ossi getroffen, ihn mit Komplimenten und Web 0.4-Schal versehen und ihm das Nordsturm-Feld allein überlassen.

Sonntag mittag, ca. 14 Uhr. Ich komme an der Arena an. Begleitet von einem leichten Schmerz unter meiner Wintermütze steuere ich die Tausend Freunde Mauer an, um die werte Kundschaft mit schicken Accessoires einzudecken. Als erstes sehe ich Bene aus Münster, der sich gerade unterhält. Ich tippe ihm auf die Schulter, er dreht sich um, schaut mich flüchtig an und sagt: „Nee, nee, die Flasche kriegst du nicht, die ist noch voll.“ Das fängt gut an! Der Pfandflaschensammler will wieder ins Bett!

Sonntag mittag, ca 14 Uhr 5. Ich entschließe mich zu bleiben und lasse mich von den anderen bekannten Gesichtern freundlicher begrüßen und als Videostar feiern.

Sonntag Nachmittag, ca. 15 Uhr. Ich schreite mit Chris und Jule in Richtung Nordkurve. Bevor wir in unseren Block gehen machen wir kurz halt bei Block G. Dort fand ein kleiner Abschied von Andreas S. statt, der vor kurzer Zeit viel zu jung vestarb. Ich kannte Andreas aus der Schule und aus dem Fußballverein. Mir wurde mulmig. Ich kann nicht mal erklären warum. Ich verließ den Block und wartete draußen auf den Anhang.

Sonntag Nachmittag, ca. 15 Uhr 10. Wir betraten den Block N5, und das erste was ich hörte und sah war Oscar, Sohn der gewählten Miss Web 0.4, der auf dem Videowürfel Raúl zur Begrüßung in den Arm sprang. Herzlichst!! Wir stiegen mit Glühwein bewaffnet – einen darf man ja – hinab und es dauerte nicht mehr lang, bis das Spiel begann.

Sonntag Nachmittag, ca. 15 Uhr 40. Herrje! Es will einfach nichts rund laufen. Alle stolpern, alle bolzen. Die Pässe rollen ins Aus oder zum Gegner. Kommt mal einer an, wird er meist schon bei der Annahme vertändelt, spätestens aber auf dem Weg zu nächsten Station oder beim Dribbling. Kommt es mal zu sowas wie einem Abschlußversuch, sieht es nicht unbedingt besser aus. Doch Freiburg kann das nicht nutzen.

Sonntag Nachmittag, ca 15 Uhr 55. Nochmal Herrje. Erste Pfiffe. Das baut die gebeutelte Mannschaft sicher fürchterlich auf. Mensch, die da unten brauchen Unterstützung. Kein Rumgestöhne. Selber erwische ich mich aber auch dabei, dass ich ungewöhnlich still bin. SOllte ich vielleicht doch noch einen… Neee. Lieber nicht.

Sonntag Nachmittag, ca 16 Uhr 15. TOOOOOOOOOOOR! Wenn wir das Ding nicht reinkriegen, macht es halt Höfler. Ich hasse Eigentore, wenn sie nicht jemand wie Großkreutz macht. Der Spieler tut mir leid und richtig feiern kann man auch niemanden. Jetzt ist das anders. Weil die Ecke von Jeff gut getreten und der Spielstand einfach zu wichtig war. Halbzeit. Puh!

Sonntag Nachmittag, ca. 16 Uhr 40. Die Mannschaft ist ganz gut aus der Kabine bekommen. Man lässt kaum was zu, aber so richtig reissen wir auch nichts. Jones kommt für Fuchs auf den Platz. Mal sehen was das bringt.

Sonntag Nachmittag, kurze Zeit später. Dieser Meyer <3

Sonntag Nachmittag, ca. 16 Uhr 50. Elfmeter. Erleichtert stelle ich fest, das Jeff schießt. Zu Recht. BÄMM! 2:0. Das war’s. Hoffentlich.

Sonntag Nachmittag, ca. 17 Uhr 5. Keller wechselt Goretzka ein. Meyer wird gefeiert. Als der Applaus ausklingt geht das Getuschel in der Nordkurve los. „Kommt Papa?“

Sonntag Nachmittag, ca. 17 Uhr 10. Papa wird per Gesang gefordert. Vielleicht deshalb – vielleicht sowieso: Keller lässt Papa vom Aufwärmen kommen. Standing Ovations von allen Rängen. Jeffs Gesicht, als er Papa abklatscht spricht Bände. Auch für die Mannschaft gilt: Papa’s Back! Großartigst!

Sonntag Nachmittag, ca. 17 Uhr 20. Das Spiel ist aus. Gefeiert wird der Sieg und vor allem Papa, der schüchtern das Nordkurvenpodest entert. Man will ihn einfach in die Wange kneifen und väterlich in den Arm nehmen.

Sonntag Nachmittag, ca. 18 Uhr. Ich sitze in der Pommesbude auf der Schalker Meile und esse einen Döner, der so vollgepackt ist, dass man seine Menschenwürde abgeben muss, um ihn zu Essen. Ich lasse Revue passieren. Wir haben einen Kader wie er dünner nicht sein könnte. Wir haben anstrengende Wochen hinter uns. Wir haben Unruhe im Team. Wir haben trotzdem gewonnen. Zufrieden sitze ich mit vollem Bauch und Tzaziki-Bart da und schlürfe meine Coke Zero aus, bevor ich zu meinem Auto aufbreche.

Sonntag Abend, ganz genau 19:04 Uhr. Ich bin zu Hause und lasse mich auf die Couch fallen. Ich schreibe dem Lieblingsmenschen noch ein paar Worte zum Spiel, welches ich an Ihrer statt besuchte und schaute mir die Zusammenfassungen der Samstagsspiele an. Ein ruhiger Tag, der früh zu Ende geht. Ich glaube sogar der ruhigste Heimspieltag, den ich je hatte. Aber in der Summe ein richtig Guter, vor allem sportlich gesehen. Manchmal ist Ruhe eben etwas sehr, sehr wertvolles. Schade, dass sie nicht lange anhalten wird.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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