Sportliche Insolvenz

Schalke ist kein gutes Pflaster für Trainer, Manager, junge Spieler, Schiedsrichter, Profis über dem Zenit, Zuschauer und Stürmer. Es sei denn, man reicht früh genug seinen Kreditantrag ein. Wie das geht? Keine Ahnung. Aber irgendwas muss es geben.

Anders kann ich mir nicht erklären, dass beispielsweise ein Adam Szalai so reichlich davon hat. 5 Tore in 15 Spielen hört sich erstmal gar nicht schlecht an, für eine alleinige Spitze eines vermeintlichen Topclubs aber viel zu wenig. Teilweise ist es geradezu kläglich mitanzusehen, was er alles vergibt. Wäre ich böse, so würde ich vielleicht sogar von Sabotage sprechen.

Er verpürt aber seltsamerweise kaum Gegenwind. Nicht etwa seltsamerweise, weil ich es ihm wünsche. Nur, weil ich es auf Schalke anders gewohnt bin. Nach wie vor wird hüben und drüben in jedem Mannschaftsteil eingehackt was das Zeug hält; Szalai scheint nicht betroffen. Spieler wie Marica und Charisteas, die nicht annähernd diese Einsatzzeiten bekommen haben, wurden vom Hof gejagt. Selbst über Huntelaar wurde in seiner schwachen Phase mehr hergezogen.

Oder liegt es gar daran, dass es keine Alternative gibt, die man fordern könnte? Kein süßer Pukki weit und breit. Sei es wie es sei: Grundsätzlich finde ich es gut. Aber mich sorgt die Situation. Und das ist eben auch der Grund des Artikelaufhängers. Nicht nur ‚trotzdem‘ Szalai gar nicht in der Startelf stand. Sondern Weil. Wir alle haben gehört, wie man anfangs sagte, Boateng könne auch Sturm. Wir alle haben mehrmals gesehen, dass das nicht klappt.

Wir haben in Gladbach ein für diese Saison überdurchschnittlich engagiertes Spiel gezeigt. Es hat nicht gereicht. Nicht zum ersten Mal abgeschossen von jemandem, der hier eher belächelt und abgetan wurde. Nicht von allen, dessen bin ich mir bewusst. Das Problem lag diesmal – nicht erstmals aber sicherlich auch nicht stets – meines bescheidenen Erachtens vor allen Dingen im Sturm. Trotzdem es auch woanders Probleme gibt lasse ich mich zu der Aussage hinreissen, dass solange Huntelaar ausfällt, Schalke ein Berglöwe ohne Gebiss bleibt. Mindestens so lange.

Natürlich mit einem dicken „Es sei denn“. Denn ist das 24. Törchen (Oh nein! Ich hab’s gesagt) am Adventskalender erst mal auf, dauert es nicht mehr lange, bis auch in der Bundesliga gelüftet werden darf. Nur, ist wirklich davon auszugehen, dass wir nachlegen? Also da vorne?

Denn momentan wird über viele Mannschaftsteile gesprochen. Insbesondere über Spieler deren Kredit aufgebraucht ist, oder die nie einen hatten. Und nicht nur über die. Man will ja gerne einen neuen Trainer sehen. Und vielleicht einen neuen Manager? Aber ist Schalke damit geholfen? Gibt es den Trainer, der diese Mannschaft erfolgreich macht? Und mehr noch: Gibt es den Trainer, der Schalke gewachsen ist? Und wenn es ihn gibt… Welches Interesse sollte er haben?

Ich bin besorgt. Nicht wegen der aktuellen sportlichen Lage. Sondern wegen der Aussicht. Denn wir werden so schnell nicht mehr zufrieden sein. Nicht so lange wir nicht mindestens die zweitbeste Mannschaft in der Liga sind. Und zwar nicht in der jeweils nächsten Saison Sondern sofort. Wir wollen ein Konzept sehen. Nein, wir wollen es lesen. Und zwar aus der Tabelle.

Ich habe den Leuten wenig entgegen zu setzen, die mir sagen, es würde Keller an Erfahrung fehlen. Aber dass man sich widerrum teilweise im selbsen Atemzug vorstellen kann, Effenberg zu beschäftigen… Da werde ich sprachlos. Ich schlug es letzte Woche schon auf Facebook vor: Beschäftigen wir doch Raúl als Cheftrainer. Der hat doch alles, was da im Moment an Anforderungsprofil kursiert. Vor allem Charisma und Kredit.

Ganz egal, wer an die Linie kommt. Ganz egal, wer auf der Tribüne sitzt. Ganz egal, wer im Strafraum knipst oder eben nicht. Das unheimliche Gefühl bleibt: Die richtigen Leute, die, die Schalke schaffen können, müssen erst noch gebacken werden. Aber woran liegt das? Am stinkenden Kopf? An der Heterogenität des Vereins? Am Druck?

Einige Leute, die mal ungeheuer engagiert auf Schalke waren, sehe ich bereits resignieren. Sie haben das Popcorn bereitgestellt und schauen nur noch zu. Mal kopfschüttelnd. Mal mit einem Tränchen. MAl verzeifelt lachend. Mal sogar ein wenig wütend. Wer kann es ihnen verdenken…

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

Letzte Artikel von Andreas (Alle anzeigen)