Kutt‘ you please help us?

Bevor ich mit ca. 13 Jahren über Pop-, Proleten- und sogar Rechtsrockbands endlich meine eigene musikalische Identität im Deutschpunk fand, fand ich – genau wie meine beiden großen, und im Gegensatz zu mir langhaarigen Brüder – Heavy Metal toll. Was man in der Zeit halt so gut fand: Neben Metallica, die man lieben musste, waren das vor allem auch Sodom und Kreator. Vor allem die Aufnäher dieser Bands zierten auch meine erste eigene Kutte. (Vorher war es Gang und Gäbe, heimlich die viel zu Große des Buders anzuziehen, wenn er nicht da war, aber ich verspüre gerade den Drang, mit solchen Geschichten lieber hinter dem Berg zu halten. Sonst muss ich noch die Kommentarfunktion abschalten.) Diese Kutte war eigentlich eine Stinknormale Jeansjacke. Nur halt mit Aufnähern übersäht.

In oben besagtem Alter, als ich mich langsam von der Musik der Brüder löste, und lieber Bands wie Hass, Slime und Co. hörte, begann auch meine Stadionkarriere. Während meine inzwischen uncoole Metal-Kutte erst im Schrank hing, und ein wenig später wieder zur Jeansjacke umfunktioniert wurde (die Aufnäher gingen im Tausch für irgendwas, was so wertvoll gar nicht gewesen sein wird, in den Besitz des großen Bruders über.), geriet ich also in Berührung mit den ersten Fußballkutten.

Um es kurz zu machen: Nein, ich hatte nie eine. Trotzdem entlockten mir die markigen Sprücheaufnäher mit dem Comicstick eine Art Faszination. Ich erinnere mich, wie meine Freunde und ich uns gegenseitig auf dem Weg zum Stadion regelmässig an den Leuten vor uns die lustigen Sprüche zeigten und uns wünschten, einige der Aufnäher auch zu besitzen. Doch zum Glück kam es nie dazu.

Dafür hatte ich mit 15 mal einen Parka mit einem riesigen „Gegen Nazis“ Aufnäher auf dem Rücken und einem kleinen auf dem Arm, was mir eine Zeitlang in einigen Kreisen den Beinamen „Litfaßsäule“ einbrachte. Ich fürchte, diese Ausdrucksstärke hielt ich für notwendig, weil mich viele damals mit Glatze und Springerstiefeln für einen Neonazi hielten (Und Anfang der 90er war das ein heikleres Thema als es leider heute ist). Etwas später, mit 16 oder 17 musste die Jeansjacke nochmal dran glauben. Diesmal waren es aber bunte DIY Stoffaufnäher mit allerhand politisch korrekten Sprüchen und missionarische Aussagen über Essgewohnheiten, die ich selbst nicht schaffte konsequent einzuhalten.

Tatsächlich habe ich auch heute noch eine Jeansjacke mit einem Aufnäher (und ich glaube, wenn ich besser nähen könnte hätte sie sogar zwei). Bei diesem Aufnäher handelt es sich um den Drachen der großartigen Band „Dr. Ring Ding & the Senior Alltstars“. Dieser sitzt auf dem rechten Oberarm. Genau an der Stelle, an dem dieser Drache auch in Justizvollzugsanstaltsmanier auf meinen Oberarm gestochen ist.

Sei es wie es sei: Wer heute noch Kutte trägt – egal ob beim Fußball oder als Metaller – ist hartgesotten. Wir suchen diese hartgesottenen Typen erster Kategorie. Beziehungweise Bilder von ihnen. Von ihren Kutten. Oder von einzelnen, besonders peinlichen oder originellen Aufnähern. Und da brauchen wir eure Hilfe.

Zückt beim nächsten Spiel euer Handy, macht Fotos, schickt sie uns. (Bitte wirklich nur Bilder schicken, die Ihr selbst gemacht habt. Natürlich sind auch Mützen, besondere Shirts und andere Kuriositäten erlaubt.)

Die besten werden Anfang Januar in einem Artikel präsentiert. Ausserdem verlosen wir unter  allen Einsendungen einen exklusiven Web 0.4 Aufnäher (Unikat)!

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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