Der 12. Mensch

Wer braucht eigentlich den November? Der goldene Herbst ist vorbei, die Adventszeit lässt auf sich warten, und rundherum ist es meist nebliggrau, kalt und es regnet – Willkommen, novemberlich-depressive Stimmung. Braucht keiner. Sagt man so. Aber es würde zugegebenermaßen etwas fehlen, wenn man das Jahr so im Gesamten betrachtet.

Gerade deshalb öffnet der Auswärtsspieltag nach einer kleinen Bundesligapause den Horizont und macht – zumindest mich – empfänglich für ein Grinsekatzenlächeln. Ja, ich möchte untertauchen. Ablenken. Freude und Aggressionen rausschreien. Den Spielern mal laut, mal leise, mal wütendst, mal voller Freude mit ganz deutlichen Worten sagen können, was ich heute von ihnen halte. Als würden sie aus dem TV springen und vor mir im heimischen Wohnzimmer spielen, und nur auf meine Anweisungen warten.

Bei bestimmten Spielverläufen singe ich das Liedgut der mitgereisten Fans mit, deren Support bei jedem Spiel ans königsblaue Herz geht. Wenn der Ball trotz kämpfender Knappen gegen uns rollt, bin ich manchmal aber auch einfach still. Und diese Stille drückt im Prinzip das aus, was ich gerade spüre: nicht Aggression, nicht der Wunsch jemanden anzuschreien, sondern schlichtweg Verletztsein. Es fühlt sich so wahr an, so richtig – und gut. Schmerzlich, aber gut. Vielleicht bin ich nun mal mit einer gewissen Grund-Melancholie ausgestattet, die genährt werden will. Schalke kann es.

Danke dafür.

Libera

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Gleichstellungsbeauftragte a.D.
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