Im Keller mit Keller

Freitag, der 08. November 2013, ca. 14:30 Uhr. Das Smartphone kündigt eine neue Mail im Ordner „unbekannt“ an. Kurz wurde der Text überflogen und schon fast das Papierkorb-Symbol gedrückt. Den Satz „…bist du ausgewählt worden..“ liest man ja ansonsten eher von dubiosen Spam-Mails, die einen zu einem tollen Gewinn beglückwünschen, wenn man mal eben kurz seine Adresse, Telefonnummer, Bankverbindung und Kreditkarteninformationen in ein „total sicheres und verschlüsseltes Formular“ mit der Endung troja.exe eingibt!

Doch halt, irgendwas an dem Absender machte mich stutzig. Die Schalker Fanabteilung wird doch hoffentlich noch nicht mit derartigen Praktiken arbeiten oder hatte Herr Jobst etwa ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt? Nein, es war anders. Man informierte mich, dass ich am Dienstag, den 12. November am Kabinengespräch mit Jens Keller teilnehmen dürfe!
Wow! Überraschung, Vorfreude aber auch direkt der Gedanke: “Bei meinem Glück vergeigen wir gegen Bremen und der Gesprächspartner wird Sonntag freigestellt!“ Nun ja, es kam zum Glück anders, wir gewannen schlussendlich völlig verdient, Jens Keller ist immer noch unser Trainer und das Kabinengespräch sollte stattfinden.

Acht weitere Fans hatten neben mir das Vergnügen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Und allen merkte man die Freude auch an. Also eine gemütliche und auf den ersten Blick auch sehr sympathische Runde, die sich dort am Eingang West zusammen fand und dann in das Allerheiligste, die Kabine der S04-Profis gebracht wurde. Auch hier wieder: Wow! Nicht so sehr wegen des optischen Eindruckes- die Kabine ist zwar sehr schön, hell und geräumig, aber sicher nicht der totale Luxus- sondern eher aufgrund der Tatsache, dass ich überhaupt die Möglichkeit bekomme, dort sein zu dürfen. Wann bekommt man schon einmal so eine Gelegenheit? Selbst wenn die Knieseuche weiter anhält und der Quatscher irgendwann per Stadionmikro „Freiwillige vor“ ausruft, würde ich mich wahrscheinlich lieber vornehm zurückhalten (Nur nicht gegen die schwarz gelben-aber wir wissen ja: Dafür braucht man sich nicht umzuziehen!).

Nachdem man sich ausgiebig umgesehen hat und mit den anwesenden Vertretern von Schalke bekannt gemacht wurde, erschien dann pünktlich um 19:04 Uhr (fünf Minuten Verspätung wären auch fatal gewesen) Jens Keller und die Gesprächsrunde konnte beginnen. Vorher wurde von allen Seiten versichert, dass Keller ein recht lockerer Typ ist und man ruhig alle Fragen stellen könnte, gerne und gerade auch kritische. Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen. Jens Keller wirkt in so einer Runde sehr viel entspannter als in Pressekonferenzen oder Interviews. Jede gestellte Frage wurde beantwortet, nicht wie so oft ausweichend oder umschrieben, sondern offen und direkt. Sicherlich, da sitzt ein Profi vor einem, der auf solche Gespräche geschult ist und dementsprechend auf alle Situationen reagieren kann. Dennoch: Für mich festigte sich der Eindruck, dass dieser Termin mehr als nur lästige Pflicht war und auch Jens durchaus Spaß an der Diskussion mit den Anhängern hatte. Es entwickelte sich ein konstruktives, interessantes und häufig auch lustiges Gespräch. Wer immer noch der Meinung ist, Jens Keller würde nie lachen, den kann ich nun eines Besseren belehren. Er kann es und ich glaube, er tut es auch gerne! Die genauen Inhalte waren dann aber auch nur für unsere Ohren, nicht für das Internet bestimmt. Das gilt es natürlich zu respektieren, wenn sich schon mal ein Trainer so einer Runde stellt. War aber auch nichts wildes, ich bin jetzt nicht im Besitz von unfassbar kostbarem Insiderwissen oder ähnlichem. Und wenn ich dieses hätte, würde ich es natürlich nicht hier verbreiten, sondern wie es auf Schalke üblich ist: Über den Freund der Schwägerin meines Hauswirtes!

Nach etwas mehr als zwei Stunden, die erstaunlich schnell um waren, neigte sich das Gespräch dann dem Ende entgegen. Noch ein paar Fotos, einige Autogramme und diverse O-Ton Aufnahmen für S04-TV, die zwar das ganze Gespräch über dabei waren, aber sich genau wie die Mitarbeiter der Medienabteilung völlig im Hintergrund hielten, und schon war ein schöner Abend vorbei und wir verließen die Katakomben. Diese liegen im Übrigen etwa auf einer Höhe mit der Rasenfläche, der Zugang erfolgt jedoch über eine lange Treppe, die vom Haupteingang nach unten verläuft und einen gefühlt wirklich in den Keller bringt. Ich hoffe, das erklärt dann jetzt auch die Überschrift. Aber wenn die Kabinen die einzigen „unten“ sind, sind wir doch alle zufrieden, oder??

Fazit: Eine definitiv tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte und die ich wahrscheinlich auch in dieser Form nie wieder erleben werde. Zudem habe ich einen netten Menschen kennenlernen dürfen. Dass dieser dann auch noch zufällig der Cheftrainer meines Vereines ist, war am Ende gar nicht so wichtig. Auch meine Meinung über den Trainer Keller hat sich durch dieses Gespräch nicht geändert.

Aber- und das halte ich für sehr wichtig- solch eine Veranstaltung zeigt einem eben ganz deutlich: Jeder Trainer und auch jeder Spieler ist in erster Linie eines-ein Mensch. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen, mit Höhen und Tiefen und ein Mensch, der auch mal Fehler macht! Also so wie Du und ich: Und der sogar genau wie Du, der es ausgehalten hat, bis hierhin zu lesen, das gleiche will: Das Beste für den FC Schalke 04! Wenn sich das jeder mal vor Augen halten und respektieren würde, bevor er die Keule für einen verbalen Rundumschlag raus holt oder die Finger zum Pfeifen in den Mund steckt, wären wir alle gemeinsam einen großen Schritt weiter.

Henning

Henning

Fakten:
Movember-Beauftragter | Jahrgang '79 | Wohnhaft in Herne, der Perle Westfalens | Enkelaus Kohle und Stahl | Unheilbar 19. Mai-geschädigt | Meister 20..
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