Kinderleicht

Sonntagnachmittag. Die eigenen vier Wände hinter sich lassen. Raus an die frische Luft. Die Kids in dicke Jacken packen und ab mit den Liebsten in den Park. Ein ausgedehnter Spaziergang durch den dortigen Herbstwald, auch wenn die Sonne nur wenig lacht; das Wichtigste ist nun mal das Kinderlachen.

Dafür sorgen unter anderem die bunten Luftballons, die der Mann zufällig in seiner Jackentasche hat. Der erste Ballon, den er hervor holt, hat die Farbe rosa, der Zweite ist weiß. Die Kinder greifen sofort danach und haben trotzdem ein Auge darauf, welchen Ballon er als nächstes aus der Jackentasche zieht. Ich höre ein lautes „Iiiiiiiieh“ und weiß genau welche Farbe es ist. Ein Grinsenkatzen-Lächeln meinerseits, als die Kinder diesen gelben Ballon zum „Ekelballon“ küren. Es ist ein lautes, albernes aber dennoch schönes Kinderlachen zu hören. Niemand möchte diesen gelben Ekelballon haben, also erbarme ich mich, und nehme ihn vorerst an mich. Weiter geht´s. Der nächste Ballon ist blau und diesen wollen natürlich alle drei schalkeligen Kinder haben. Doch bevor der Streit darum richtig entfachen kann, kommt der Spielplatz in Sichtweite. Plötzlich sind alle Ballons uninteressant und Rutsche, Schaukel und Wippe werden gestürmt. Erneutes Kinderlachen. Herrlich herzlich.

Ich stehe abseits mit dem gelben Ekelballon in der Hand. Die Wörter „Abseits“ und „gelber Ekelballon“ zusammen in einem Satz. Hat was von blau-weißer gedanklicher Perfektion. Wieder ‚Grinsekatze‘ bei mir. Gleichzeitig kommt mir der Gedanke an das nächste Heimspiel. Dieses bevorstehende Revierderby ist auch bereits Thema im Familienalltag und ich finde es wunderbar wie unbefangen und witz- und ideenreich die Kinder damit umgehen. Gelb sind die Lüdenscheider und da ist es Kinderlogik, dass man die Farbe deshalb nicht sonderlich mag. Aber es ist keinerlei Hass zu hören oder gar zu fühlen. Und genau so wünsche ich es mir. Nicht nur bei den Kleinen.

Mir kommt kurz noch mein eigenes Empfinden gegenüber den Schwarzgelben in den Sinn. Es hat so ein bisschen was vom Maschendrahtzaun-Nachbar-Feeling oder Klugscheisser-Arbeitskollegen-Klima. Vor dem letzten Derby hatte ich ein wunderschönes Gefühl dank deren Nummer 19. Hey!!! Ich sehe eure Gesichter!! Keine Panik! Lasst mich erklären: Beim Hausputz landete ein Luftballon von diesem großen deutschen Automobilclub mit den vier Buchstaben und dem schwarz-gelben Logo an das Staubsaugerrohr und beim lauten Zerplatzen dieses Ballons musste ich wirklich (genüsslich & mit laut seufzendem Hach!) an die Nummer 19 der Lüdenscheider denken. Denn eigentlich sind sie wirklich die ganze Saison nicht mehr als Luft(ballons) für mich. Ich hasse nicht – ich egale. Nur an den 2 Derbytagen nehme ich sie wahr: als durchaus ernstzunehmenden Spielgegner.

Aber schon ist die Zeit zum Nachdenken vorbei, denn die Kids haben genug vom Spielplatz und es geht weiter in den Park. Auf einem Waldweg werden die Luftballons wieder interessant und es entsteht die Idee zu einem Spiel. Das Ekelballon-Spiel. Die Regeln sind sehr einfach: Derjenige, der den gelben Ballon hat, muss versuchen ihn an jemand anderen loszuwerden. Es ertönen Rufe wie „Bääääääh!“, „Oh nein“ und „Pfui!“ Es gibt ein wildes Gerangel, rot erhitzte Köpfe aber dennoch immer wieder dieses herrlich herzliche Lachen! Denn es ist ein Spiel.

Keine Schlacht. Kein Krieg. Sondern lediglich ein besonderes Spiel, bei dem Ekel, Freude, Zuversicht und Stolz einzigartig faszinierend nah zusammenliegen. Reviernah.

Libera

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Gleichstellungsbeauftragte a.D.
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