Fünf Freunde gucken Länderspiel: Sebastian, Wladimir, Franck, Angela und Tetzlaff

Ja, die Länderspielpause tut gut, jedenfalls offiziell unseren Kellerkindern auf Schalke, wobei ich nicht weiß, warum man nicht lieber die gerade gezeigte Energiekurve direkt weiter nach oben getrieben hätte, aber na ja, allemal genießen wir diese Pause, um uns von der allzeit langweiligen Bundesliga einmal abwenden zu können, seit vielen, vielen Wochen und Spieltagen, in Worten acht, zu lange schon martert sie uns mit quälender Emotionslosigkeit, auf den Plätzen wie auf den Rängen, und wir sind endlos dankbar, uns einmal wieder in der strahlenden Erscheinung der deutschen Fußball-Nationalelf zu sonnen, feuern sie leidenschaftlich geladen bis in die Haarspitzen mit all unserem Seelenblut zum Sieg, auf dass sie endgültig ihr wohlverdientes Ticket nach Brasilien lösen konnte, um dann dort auf den von den Indios großzügig zur Verfügung gestellten Trainingsgeländen ehemaligen Regenwaldes der Welt demonstrieren zu können, was schöner Fußball sein kann … um das mal in einem Satz zu sagen.

Zeit aber auch, auf eben dieses deutsche Land zu blicken. Was treibt uns nicht alles um. Was sind wir nicht alles. Wir sind, zum Beispiel, der schnellste Mann der Welt, obwohl der gar kein deutsches Auto fährt, sondern lediglich eine blausilbrige Getränkedose, wie ich hörte, eine, die ihm jene Flügel verleiht, die ihn – noch nicht zum Engel, sondern zunächst – zu dem unscheinbaren, stimm- und charakterunterdrückten Allerweltstypen machen, der noch nicht mal einen anständigen, zusätzlichen Werbevertrag bekommt, armes Jungchen, gar kein markantes Kinn, gar kein rheinischer Slang, nix. Immerhin trägt der Sebastian mit seinem Motto „Einfach immer Gas geben“ dazu bei, dass während des bundesweiten Blitzermarathons dieser Tage die Sachbearbeiterin der Schadensabteilung (!) einer großen deutschen Versicherung beim Kantinenessen doch tatsächlich beifallheischend behauptet, dass diese Aktion doch wohl nichts anderes als Geldschneiderei sei. Ja, zum Thema Abzocke hat sie da in Deutschland aber mal so richtig in die Vollen gegriffen und den Ernst der Lage beim Namen genannt. – Wenigstens sind wir in Schland dafür auch der stärkste Mann der Welt, weil wir clever genug waren, uns samt Brüder-chän wohlfeil einen großen Vordereurasier hereinzubürgern, auf dass er allsamstagabendlich für jeweils 12,5 Millionen Euro irgendein hasenfüßig daherfederndes, aber jeweils ebenfalls noch mit ein paar Münzen entschädigtes Herausfordererlein abzufertigen. Was seine Tauglichkeit zur Werbe-Ikone betrifft, ist der Wladimir dem Vettelchen um einiges voraus, wie auch etwa Bohlen-Klopp zu Halbach und wie sie alle heißen. Und Deutschland jubelt ihnen fahnenschwenkend zu, jenem mit den flinken Boxenstopps und diesem mit dem Topp-Boxen. Alles ganz großer Sport, das.

Und dann haben wir natürlich noch die weltbeste Fußballvereinsmannschaft in unserem Land, gecoacht vom weltbesten Trainer, immer noch geleitet vom Erfinder des Hoeneß-Buches-der-Rekord(meister), gespickt mit den allerbesten Gladiatoren, allen vorweg Deutschlands Weltfußballer Europas, der – im Gegensatz zu seinem Übungsleiter – inzwischen auch schon ein bisschen „Wiesn“ auf deutsch sagen kann. Geht doch – sie können alle Fuß fassen bei uns, die Flüchtlinge, ich weiß nicht was das Gerede soll vom Boot, das voll sei. Deshalb geht es ja auch wöchentlich brennend unter, das Boot, jedoch ist dies kaum ein deutsches Thema für die Länderspielpause.

Nicht zu vergessen ist, dass wir auch die mächtigste Frau der Welt sind, immer noch, knapp ein Viertel aller BundesbürgerInnen hat Mami gut gefunden. Leider kann ihr keiner das Tafelwasser reichen, auch die Vettelwirtschaft nicht, das Klitschauge und Reibery nicht. Die Liberos sind out in Deutschland, die anderen streiten drum, wer von ihnen Mami am wenigsten gern heiraten möchte.

Was wir nicht mehr sind: Papst. Aber: Bischof. – Nun ist dieses Limburger Lügenhuhn mit Namen Tetzlaff-oder-was einfach ein armes Würstchen. Mir doch egal, ob der im Amt bleibt oder nicht. Die Strukturen dahinter, die so ein Gehabe erst möglich machen, die sind mir gar nicht egal, nein, die aber werden seit knapp 2000 Jahren kritisiert und haben schon ganz anderes verbrannt als viel Geld. Oder Flüchtlingsboote. – Für diese 31,5 Mios könnte man, sagen wir, 300 Menschen aus bis dahin vom Markt abgeschnittenen und verdorrten Ländern einladen, ihre Familien einzupacken und im Kreuzfahrtschiff nach Europa zu reisen, um hier einen Einstieg in ihr fürderhin Auskommen zu erhalten. Würde gehen. (Ich habe mir an dieser Stelle erlaubt, das schöne deutsche Wort Würde zu nutzen.) – Gut, ich könnte mir auch Julian Draxler dafür kaufen. Ist aber etwas verletzungsanfällig. Allerdings potentiell wertsteigernd am Start. Schwierige Entscheidung … Die Bude von dem Tetzlaff wird dann ja aber auch von seinem Nachfolger schön bewohnt werden, der kann sich jetzt schon über die Sauna mit Kapelle freuen; was sich in der „Gruft“ noch so alles befindet, will ich gar nicht wissen. Leider kann ich mich nicht bewerben, bin von der falschen Partei. – Ist Herr Hoeneß eigentlich katholisch?
 
Es ist so viel los in Deutschland. Gut, dass die Bundesliga Pause macht und man überhaupt mal hingucken kann, bevor der Ligaalltag uns dann wieder zuschwallert, obwohl doch eh schon jetzt alles völlig entschieden ist, die ersten drei, die letzten auch, alles geklärt, guck doch die Tabelle an – gut, um den 4. Platz bemühen sich noch 6, 7, 8 Teams. Aber sonst?
Wer ist der gleichzeitig beliebteste und unbeliebteste Fußballtrainer Deutschlands??

 

André

André

Fakten:
Zwischentonbeauftragter des Web 0.4 | Jahrgang erster Bühnenauftritt der Stones | Erster Verein: Rot-und-blau, W-S-V, und als Aktiver: königsblauer Delbrücker Spochtclub | WohnHAFT in Dortmund | Würde niemals in Lüdenscheid wohnen wollen | Hat das Consol Theater in Gelsen-kirchen mitgegründet, direkt neben dem Logo des Web 0.4 | unvergessliche Paraderolle: der blinde Trainer Otze Hirschregen
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