Schalke, mein Wunderland

Wann immer Fans ihr Schalke erklären, sprechen sie von ‚meiner Liebe‘ oder ‚meinem Herz‘. Das kann ich so nicht teilen. Ich erkläre Schalke gerne zu meinem Wunderland. Ja, ich sehe euch Kopfschütteln, oder mit Glück ein wenig schmunzeln. Auf Schalke zu gehen ist für mich jedes Mal wie der Besuch einer anderen Welt.

Es ist ein wenig wie bei „Alice im Wunderland“. Zwar falle ich nicht wie in der Geschichte in einen Kaninchenbau, aber im Augenblick des Erlebens, des Näherkommens der Arena, kommt es mir ein wenig so vor. Ich purzel Schacht für Schacht tiefer und tiefer ins Wunderland, je mehr Blau-Weiße Fahnen und königsblaue Menschen ich erblicke und je lauter die Fangesänge erklingen.

Im Kaninchenbau hat Alice viele Türen vor sich und einige davon sind aufgrund ihrer Größe unpassierbar. Auf Schalke ist es doch ähnlich: Bei jedem Spiel weiß man zuvor nicht, welche Tür sich heute öffnet und was sich dahinter verbirgt. In manchen Jahren dürfen wir sogar den goldenen Schlüssel benutzen und in der Königsklasse mitspielen. Diese Türen glitzern besonders prächtig.

Bei jedem Öffnen einer Tür, beziehungsweise bei jedem weiteren Spieltag, kommen neue Gegner auf uns zu. Manche sind uns besonders ans Herz gewachsen, einige wiederum sind uns gar nicht wohlgesonnen. Genau wie einige Schiedsrichter oder Märzhasen, die ab und an gerne gegen uns auf die Uhr schauen.

Mal ist unser hauseigenes „Trink-Mich-Veltins“ der freudige Schluck Beigeschmack zum tollen Spiel der Knappen, der mich denken lässt ich würde wachsen. Und zwar so riesig, dass ich meine, mein Support könne ein ganzes Spiel drehen. Und dann wiederum kann es an einigen Spieltagen sein, dass ich so winzig zusammenschrumpfe, dass ich fast in meinen eigenen Tränen der Verzweiflung ertrinke. Auf solche Momente warten einige verrückte TV-Kommentatoren (oder auch Hutmacher) nur, um sich auf Kosten meines Lieblingsvereins zu amüsieren.

Zum Wunderland gehören natürlich auch König und König(in), die gerne köpfen. Öffentlich. Und deren Vorgehensweise ist meist diese, dass die Hinrichtung vor der Urteilsverkündigung stattfindet. Da ist mein Charakter dann der der Grinsekatze mit dem hier passenden Spruch: „All das Gerede von Blut und Erschlagen verdirbt mir den Appetit auf… Fußball.“ Aber eine Grinsekatze wäre keine Grinsekatze, wenn sie schlussendlich aufhören würde zu grinsen.

Verrückt, nicht wahr? Da denkt man sich: Hilfe, ich möchte nicht unter Verrückte kommen. Aber so ist nun mal im Wunderland Schalke. Alle sind hier etwas verrückt. Ja, auch ich. Denn wenn ich nicht verrückt wäre, dann wäre ich nicht regelmäßig hier.

Libera

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Gleichstellungsbeauftragte a.D.
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