Noch eine verwirrende Überschrift.

Manchmal kommt man ganz auf die englische Art durch die englischen Wochen: Nicht so gut durch. Dabei halte ich die in der Summe erzielten Ergebnisse für nicht annähernd so beschämend wie die Unruhe, die bei einem Fehlpass unseres Teams in der heimischen Arena entsteht. Hatten wir aber ja alles schon.

Wohl genau so, wie wir das Thema schon mal hatten, dass es mich beschämt, dass ‚wir‘ noch vor Abpfiff eines Heimsieges – und leider auch noch lange danach – die gesangliche, vollends unverdiente Aufmerksamkeit allein unserem nächsten Heimspiel-Gegner widmen, statt unser Team zu feiern. Dass es immer noch niemand geschafft hat, diese Schmähgesänge wenigstens auf ein Niveau zu heben, welches das RTL II Nachmittagsprogramm nicht mehr wie eine Hochbegabten-Gala aussehen lässt, versteht sich natürlich von selbst.

Weiterhin singen Erwachsene Meschen, auch gern mit ihren Filidingsens an der Hand, dass sie gerne die Grabstätte des Nachbarn schänden möchten. Ich sehe die Leute am Abend nach dem Spiel an der Bettkannte der Kleinen sitzen: „Jungens. Machen wa uns nix vor. Wir sind Schalker. Wahrscheinlich werden wir nie Meister. Aber im Grabschänden, da sind wa ganz vorne dabei. Und datt Mädel in deine Klasse, mit dem BVB-Etui das könnt ihr Montag ruhig mal ordentlich im Kreis schubsen!“.

Tod & Hass. Hurensöhne. Man möchte ein Megaphon nehmen und sie alle ruhig stellen.

Wie wünschenswert fände ich es, wenn wir die Lüdenscheider Lüdenscheider sein lassen. Wenn wir sie nicht selbst so unfassbar viel größer machen würden als sie sind. Wie schön wäre es, wenn wir in drei Wochen einfach unser Team supporten würden. Mit 1904% zu einem Heimsieg peitschen.

Ich weiß. Ich bin ein Gutmensch. Ein Träumer. Schließlich ist das alles ja euer Ventil. Wo sollt ihr auch sonst hin mit eurem ganzen Hass auf Chef und Partner und dem Gastarbeiter? Ich muss ja nicht ins Stadion gehen, wenn mir das nicht passt. Und wer seine Kinder mit in die Kurve nimmt, ist sowieso selbst schuld. Ist halt kein Ponyhof. Und Kindergeburtstag sowieso nicht. Und überhaupt: Warum zum Teufel mache ich jetzt das Gleiche und beschäftige mich nicht mit dem Spiel?

Sind alles die Zecken Schuld.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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