Hauptsache FCB

Irgendwie schon merkwürdig. Wenn man den Gegner erst ordentlich stark redet, dieser dann auch noch wiederholt stark auftritt, man aber mit Kampf und Glück zum Auswärtserfolg kommt, dann fühlt sich das schon ein wenig wie ein Sieg über einen richtigen Champions-League-Favoriten an.

Ich möchte – wie meistens – nur ungern falsch verstanden werden: Natürlich können wir in London 5:0 auf die Mappe kriegen, dennoch glaube ich fest daran, dass wir gestern unser wichtigstes und irgendwie auch schwerstes, weil am härtesten umkämpftes Spiel der Gruppenphase mit einem Sieg abgeschlossen haben. Und – das finde ich einfach am allerfantastischsten – mit Meyer und Draxler in der Startelf.

Letzterer war es auch, der Torwart Sommer schließlich mit seinem zweiten Tor im zweiten Gruppenspiel bezwang und die Verteidigung der 3 Punkte überhaupt möglich machte. Trotzdem ist es nicht sein Bild, oder eben das des jungen Max Meyer, welches die Berichterstattung über das Spiel meist schmückt, sondern ein sich abseilender Greenpeace-Aktivist.

Zu lesen gibt es meist Empörung. Worüber verstehe ich indes nicht. Weil man die heilige Kuh Fussball als Bühne benutzt? Weil man gar den russischen Geldgeber angeht? Mal ganz abgesehen davon, was denn nun die Botschaft war: Mir bleibt nichts weniger als Bewunderung für Menschen, die – ob der drakonischen Strafe, die sie erwarten werden – fast schon ein wenig märtyrerisch handeln, um auf tatsächlich vorhandene Probleme hinzuweisen, die wir nur all zu gerne ausblenden, um unsere Aufmerksamkeit eben auf solche Dinge wie Champions-League-Spiele zu stecken.

Es wäre einfach, das alles bei Seite zu schieben. Es wäre einfach, das auszublenden. Am allereinfachsten wäre es, erst gar nicht darüber nachzudenken und sich in die Stimmen derer einfügen, die sagen, so was hat auf der Fussballbühne nicht zu suchen.

Aber hat denn ein Konzern wie Gazprom auf dieser Fussballbühne etwas zu suchen? Wir und die UEFA lassen uns von einem der umstrittensten Konzerne der Welt sponsoren. Wir nehmen gerne die Millionen von diesen Milliarden, deren Herkunft oft nicht ganz blütenreiner Natur ist. Da braucht es nicht viel Recherche.

Warum auch nicht? Gazprom Deutschland ist schließlich ein vorbildlicher Sponsor, vor allem was Fannähe betrifft, und auch ich habe im Laufe der Jahre durch einigen Kontakt meine Berührungsängste gänzlich verloren. Das Konzept der Rufverbesserung durch Sportsponsoring geht durch kluge Konzepte und eine beispiellos hervorragende mediale Vertretung vollends auf. Auch bei mir.

Aber dennoch war das Gefühl, welches mich gestern überkam, als das Plakat gezeigt wurde, nicht etwa Ärger über die ‚Störenfriede‘, sondern eher tiefe Scham. Und großes Verständnis & Respekt. Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die sich dagegenstellen, während ich armseligerweise so unglaublich satt mit der Flasche Veltins vor dem Fernseher sitze und die Spiele beginnen lasse.

Wollte ich nur mal gesagt haben.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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