Wir bilden dich: Liebe geht durch den Magen

Schalke gewinnt ohne seine Superdupermegastars fast souverän beim Drittligisten in Darmstadt. Dreizueins heisst es nach – immerhin nur – Neunzig Minuten. Man nennt es Arbeitssieg, aber es dürfte wohl nicht so viel Arbeit gemacht haben, als dass man am herannahenden Samstag mit schmerzenden Knochen in das Spiel am anderen Ende der Fankultur gehen müsste.

Interessiert keinen mehr, das Match. Erst am 17. Mai 2014, wenige Minuten vor dem Anpfiff in Berlin, wird es einmal kurz auf der Anzeigetafel als eine der Stationen präsentiert, die uns dort hingeführt haben. Nicht, dass es da dann jemanden interessieren würde.

Bleibenden Eindruck hingegen macht Benedikt Höwedes mit seinem Herzchen-Torjubel. Während man sich nach dem Tor vorstellt, wie seine PartnerIn noch Wochen später lechzend und mit hüpfenden Herzen die Szene in Bennis 120 qm Home-Cinema im Loop anschaut und man nicht weiss, ob man gerührt sein oder schlicht die soeben verspeisten Ringli-Chips dem Teppich überlassen soll, muss man am nächsten Tag aus einer zweitklassigen Online-Gazette erfahren, dass er die Geste für seine Oma gemacht hat, die sich nach einem komplizierten chirurgischen Eingriff auf dem Weg der Genesung befinden soll.

Und alle so: AAAAAAAAAAAAAAAAAAAWWWWWW! <3 <3 <3

Dass ist ja noch süßer, als wie wenn der Kevin Fritz seiner Melissa das Hamsterhändchen macht. Oder Jeffs Zumglücknochdoppeldaumen. Genau sowas will der Emotionsbeauftragte des Web 0.4 sehen. Weiter so!! Und falls euch die Ideen ausgehen, liebe Schalker Spieler, ich hätte da noch welche:

1) Der Hassojubel.
Der Torschütze rennt auf das gegnerische Publikum zu, nimmt seinen eigenen Unterarm in den Mund und zieht Ober und Unterlippe extrem weit zurück, um ein Fletschen der Zähne anzudeuten. Die Augen sollten möglichst aggressiv anmutend nach vorne quillen. Dieser Jubel wird später wahlweise der eigenen Dogge, dem Chihuaha der Freundin oder dem elterlichen Dackel gewidmet werden.

2) Der Ödipussjubel.
Der Torschütze nimmt den Ball mit dem er das Tor erzielt hat auf und rennt zu einem Balljungen, um einen weiteren anzufordern. Diese steckt er sich in Hühnerbrusthöhe unters Trikot, rennt los, und springt mit dem Kopf voran nach vorn. Wichtig dabei ist, den Oberkörper schon im Flug seitlich zu drehen, um eine Landung auf der neugewonnenen, ledernen Oberweite zu verhindern, da dies den unbedingt gewollten Effekt des ‚Über-Den-Rasen-Rutschens‘ mit ziemlicher Sicherheit unterbinden würde.
So bald der Spieler nach ca. 2-3 Metern auf der Seite liegend ausgerutscht ist, stützt er dann den Ellenbogen seines unteren Armes auf den Rasen und legt den Kopf in die Hand, während er lasziv das Knie des oberen Beines nach oben stellt.
Optional – je nach Wichtigkeit des Tores – kann der Spieler mit Zeige- und Mittelfinger jener Hand, die den Kopf nicht stützt, ein V bilden, dass er sich vor den Mund hält und durch das er nun seine Zunge streckt um sie wild Auf- und nieder zu schlagen. Im anschliessenden Interview, zu dem man nun unter Garantie eingeladen wird, muss man dann nur noch kurz und knapp: „Für meine Mama“ sagen. Perfekt.

3) Der Rudeljubel.
Der Torschütze legt sich umgehend auf den Boden und winkt einladend mit den Armen, so dass sich die anderen Spieler auf ihn werfen und ein Knäuel bilden, in dem man nicht mehr erkennen kann, welche Gliedmassen wem gehören. In dieser Position machen die aufliegenden Personen rhythmische Bewegungen mit dem Becken, die einem Tanz im Liegen nahe kommen. Den erstaunten Interviewpartnern muss nun nur noch mit „Dieses Tor widmen wir der süßen Maus, die wir nach der letzten Nationalmannschaftsparty im P1 mit aufs Hotelzimmer genommen haben. Gute Besserung!“ geantwortet werden.

Nichts für Ungut.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
Andreas

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