Man könnte…

Man könnte, wenn man wollte. Also hinten eher nicht. Da kann man nix sagen. Obwohl die Formulierung „Kein Mainzer Schuss aufs Tor“ ja auch eher geschönt ist. Weil, knapp daneben gab es ja schon doch häufiger. Gerade dieser Möchtegern-Kevin-Fritz Choupo-Moting hatte das Ding des öfteren auf dem Schlappen. Aber so richtig Blöße geben war dieses Mal in der Knappenabwehr einfach nicht.

Auch wegen Dennis Aogo. Oder ‚gerade wegen‘ Dennis Aogo? Nein, ‚auch wegen‘ geht trotz Superleistung schon in Ordnung. Weil nicht nur er und die anderen Dreiviertel der Viererkette gut standen, sondern auch das Zentrale Mittelfeld wahnsinnig gut agierte. Roman Neustädter findet offensichtlich zu seiner alten Form. Und auch wenn man die beiden Genannten getrost ein wenig hervorheben darf, war es diesmal doch eher die vielzitierte Teamleistung, die zum ersten Auswärtssieg der zum Glück noch recht jungen Bundesligasaison führte.

Also hinten sollte man wirklich nicht. Aber vorne könnte man ein wenig. Denn zu oft gab man dem Eigensinn den Vorzug vor der fast sicheren Torvorlage. Sowohl Draxler als auch Farfán sahen sich in entscheidenen Situationen besser postiert, waren es aber nicht. Man könnte, weil wir eben, wäre dieser krasse Fehlpass der Mainzer nicht gewesen, nur einen Punkt mit nach Hause genommen hätten. Aber er war ja da, der Fehler. Und Fehler des Gegners ausnutzen ist nun mal ein nicht selten genutztes, probates Mittel um im Fußball zum Zeitpunkt des Abpfiffs mindestens ein Tor mehr auf dem Konto zu haben, als der Gegner. Hat geklappt.

Ja, man könnte vielleicht ein wenig meckern. Oder nennen wir es ‚Nörgeln nach Schalker Art‘. Aber wie es so ist: Dann kommt dieser Kevin-Fritz, der sich noch nicht so recht an Schalker Gepflogenheiten gewohnt zu haben scheint, und sorgt dafür, dass die gesamte zum Auswurf bereite Galle artig in der Vesica fellea verbleibt. Ball annehmen, gehen, verzögern, gucken, weitergehen, draufhalten, über den Platz laufen, Freundin stolz machen, sich feiern lassen. Was glaubt der denn, wer er ist?

Trotzdem könnte man. Aber warum sollte man? Denn nicht nur, dass am Ende des Tages der zweite Dreier im fünften Spiel perfekt war, nein, viel wichtiger noch, dass eine der wichtigsten Disziplinen, das Umschaltspiel, immer besser klappt, und, auch wenn der ein oder andere ärgerliche Querfehlpass auf dem Weg nach vorne das eigene – eigentlich ja kuschelsanfte – Gemüt noch mal erhitzt, haben Neustädter, Höger und die Außenverteidiger immer wieder ein engagiertes und kluges Spiel nach vorne gezeigt.

Ein Spiel, das keine Offenbarung war, aber ordentlich für Selbstbewusstsein auf der einen und Hoffnung auf der anderen Seite der Werbebanden gesorgt haben dürfte. Weiter so. Dann will man nämlich gar nicht mehr.

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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