Kom’ma bei, Kevin.

Ich mache keinen Hehl daraus: Der Name Kevin-Prince Boateng hat bei mir keine Begeisterungsstürme hervorgerufen. Dieser Fakt hat herzlich wenig mit seinem Tritt gegen Ballack zu tun. Nicht, dass ich behaupten wollen würde, er hätte mit dem Tritt der deutschen Fußball sogar einen Gefallen getan, aber… Naja. Eigentlich würde ich das schon doch sagen wollen. Nur: Mir ist der Fußball der deutschen Nationalmannschaft doch eher ziemlich egal.

Was mir nicht egal ist, ist das Gesicht der Mannschaft meines heißgeliebten FC Schalke 04. Und irgendwie will ich in diesem Gesicht keine gegelten Augenbrauen haben. Und ebenso will ich nicht, dass dieses Gesicht sich durch dumme Äußerungen selbst Narben zufügt. Dementsprechend groß war mein Unbehagen, als Kevin dann wirklich als Schalker Neuverpflichtung vorgestellt wurde. Während dieser Vorstellung wurde meinen Vorbehalten noch ein wenig Wasser auf die Wurzeln gegossen, in dem der Akteur einmal zu viel betonte, dass er nun nicht mehr BVB-, sondern Schalkefan sei.

Es brauchte aber nur einen ca. 80 Minütigen Einsatz und eine Interviewaussage, um mich von meinen Befürchtungen zu befreien. Denn dass diese Verpflichtung sportlich Sinn macht, sollte gestern jeder gesehen haben. Boateng ist genau der Spielertyp, den wir so lange vermisst haben: Vernetzend, Dirigierend, Vielseitig, Dribbel- und Passstark und zudem Torgefährlich. Genau das, was man schon von Bastos erwartet, aber nicht im Ansatz gesehen hat. Zusammen mit Farfán und Draxler eine unfassbar hochqualitative Achse, in die man mit der Zeit sicherlich den ein oder anderen jungen Spieler integrieren wird.

Natürlich ist jedwede Euphorie nun unangebracht, aber Zuversicht schaffen die Last-Minute-Transfers, entgegen meinem Eindruck vor dem Spiel, allemal, da korrigiere ich mich gerne demütigst. Und die Worte von Kevin-Prince Boateng zu den Saisonzielen mit dem FC Schalke 04 auf bundesliga.de zeigen eine für alle wünschenswerte Einstellung auf, die ich auch mir selbst nun hinter die Ohren schreibe:

Boateng: An die Champions League denke ich jetzt noch gar nicht. Wir haben noch einige Spiele vor uns und wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Wir sollten auch nicht über irgendwelche Ziele sprechen. Das einzig vernünftige Ziel ist es, in jedem Spiel drei Punkte zu holen. Mein Ziel ist es immer, das nächste Spiel zu gewinnen.

Ich freue mich unheimlich auf die nächsten Partien und auf – und das ist ganz ungeachtet vom tollen Ergebnis das wirklich großartigste am gestrigen Spiel – endlich wieder ansehnlichen Fußball.

 

Andreas

Andreas

Fakten:
Emotionsbeauftragter | Jahrgang '79 | Erster, letzter und einziger Verein als Aktiver: BV Rentfort | Wohnhaft in Bochum | Wurde mal fast von einem Affen tätowiert | Unheilbar Gutmensch | Glaubt nicht an soziale Vernetzung
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